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Ein
Coronavirus konnte Ende 2002 als SARS-Erreger identifiziert werden. Die
zuvor
unbekannte, schwere Atemwegserkrankung breitete sich in China und
Hongkong
rasch aus.1 Etwa 8000 wahrscheinliche SARS-Erkrankungen
wurden der
WHO innerhalb weniger Monate gemeldet, die Erkrankung verlief bei etwa
10% der
Patienten tödlich. Angesichts der Bedeutung dieser neuen
Erkrankung waren die
große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und die detaillierte
Berichterstattung
in den Medien nicht überraschend. Obwohl derzeit weniger über
SARS berichtet
wird, besteht kaum ein Zweifel daran, dass auch in Zukunft mit weiteren
Ausbrüchen gerechnet werden muss. Ein Virustatikum, das bei SARS
angewandt
werden kann, wird daher nach allgemeiner Einschätzung dringend
benötigt. Die
Entwicklung neuer Arzneistoffe mit potenzieller Wirksamkeit gegen das
Virus
wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen, daher wählten
Wissenschaftler aus Taiwan
einen anderen Weg: sie untersuchten in Zellkulturen bereits zugelassene
Arzneistoffe, die bei anderen Indikationen angewandt werden. Unter
anderem
wurde Niclosamid (YOMESAN u.a.), ein seit Jahrzehnten bekanntes
Antihelmintikum
hinsichtlich seiner antiviralen Aktivität überprüft.2
Die Substanz
zeigte überraschenderweise in Kulturen von Vero-E6-Zellen bereits
bei
Konzentrationen von 1 bis 3 µM eine ausgeprägte
Aktivität gegen
SARS-Coronaviren. Dies lässt auf eine mögliche Verwendung als
Therapeutikum
hoffen. Einschränkend muss darauf hingewiesen werden, dass bisher
keine
Ergebnisse von Therapiestudien vorliegen und dass trotz guter in
vitro-Aktivität die Ergebnisse bei Patienten weniger zufrieden
stellend sein
könnten. Da Niclosamid nach oraler Gabe kaum resorbiert wird, ist
eine
systemische Wirksamkeit nicht zu erwarten. Das Arzneimittel könnte
jedoch ein
wirksamer Ansatz sein, um die fäkal-orale Ausbreitung des Virus zu
reduzieren,
denn der Erreger bleibt offensichtlich in den Faeces infektiös.1
Insgesamt handelt es sich bei den in vitro-Befunden um ein
bemerkenswertes
Ergebnis, dem weiter nachgegangen werden muss. FOLGERUNG DER
AUTOREN: Das Antihelmintikum Niclosamid (YOMESAN u.a.) erwies sich in
vitro als
aktiv gegen das SARS-Coronavirus. Da es sich um ein lang bekanntes
Medikament
handelt, könnten bei einem erneuten Auftreten von SARS, Patienten
mit dieser
Substanz sofort behandelt werden. Eine systemische Wirksamkeit ist
allerdings
unwahrscheinlich, ein Effekt auf die Ausbreitung der Infektion
erscheint jedoch
möglich. 1. CHRISTIAN, M.D. et al. Clin Infect Dis 2004; 38: 1420 -
1427 2. WU, C.J. et al. Antimicrob Agents Chemother
2004; 48: 2693 – 2696 |
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