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Tetrazyklin-Nachweis in historischen Knochenfunden

                                                                        (aus ZCT 6-2011)

 

Tetrazykline bilden Chelatkomplexe mit mehrwertigen Kationen. Schon bald nach ihrer Entdeckung und therapeutischen Verwendung in den 1950er Jahren wurde bemerkt, dass diese Antibiotika Knochen anfärben können und in kalzifizierenden Geweben eine Fluoreszenz verursachen. Die Fluoreszenz erweist sich als sehr beständig und kann noch nach längerer Zeit nachgewiesen werden. Bemerkenswert ist der Nachweis einer solchen Fluoreszenz in menschlichen Knochenresten vom westlichen Nilufer im Norden des heutigen Sudan, die etwa 1600 Jahre alt sind. Wahrscheinlich ist die antibiotisch wirksame Substanz in Getreidevorräten entstanden, die mit Streptomyceten kontaminiert waren. Die Nubier ernährten sich von fermentierter Hirse und brauten auch eine Art Bier daraus. So könnte es zur Vermehrung der Tetrazyklin-produzierenden Bakterien gekommen sein. Die Entdeckung der Fluoreszenz in den Knochenresten ist bereits 30 Jahre her und die Interpretation der Befunde, dass es sich um eine Tetrazyklinfärbung handelt, ist von vielen Seiten kritisch und skeptisch kommentiert worden.1 Nun konnte jedoch mit modernen analytischen Verfahren das Tetrazyklin in diesen Knochen nachgewiesen werden. In einer Knochenprobe von einem vierjährigen Kind wurde per HPLC und Massenspektrometrie eindeutig das Antibiotikum identifiziert, dessen „Entdeckung“ im Jahr 1948 gelang und das heute noch therapeutisch verwendet wird.

 

1.      BASSETT, E. J. et al.

Science 1980; 209:1532-1534

 

2.      NELSON, M.L. et al.

Am J Physic Anthropol 2010; 143:151-154



 


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