
Penicilline zur parenteralen Therapie
aus ZCT 2001;22:38-39
letzte Überarbeitung 06.06.2003
"Wenn mein Geist nicht in einem wahrhaft aufnahmebereitem Stadium gewesen wäre, hätte ich der Schale keine Beachtung geschenkt. Ich hätte ja in einer schlechten Laune sein können; mein Verstand hätte von einer jungen Frau angefüllt sein können, oder ich hätte unter der Nachwirkung einer zu schweren Mahlzeit stehen können, oder ich hätte zu träge sein können, es zu merken oder etwas zu unternehmen..." (Flemings Kommentar zu seiner epochalen Beobachtung).
Die Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming Ende der zwanziger
Jahre des vergangenen Jahrhunderts markiert den Beginn der Antibiotikaära.
Am Anfang stand die Beobachtung und richtige Interpretation der Hemmung
von S. aureus auf einer durch Schimmelpilze befallenen Agarplatte (s. Zitat
oben). Nachdem es Jahrzehnte später gelungen war, aus der 6-Aminopenicillansäure
Penicilline halbsynthetisch herzustellen, sind viele tausend Varianten
der Grundstruktur geprüft worden. Wenn man andere ß-Laktamantibiotika,
wie Cephalosporine, Monobactame oder Carbapeneme, mitberücksichtigt,
lässt sich feststellen, dass kein zweites Arzneimittel zu so zahlreichen
Derivaten geführt hat, die zur gleichen Zeit im Handel sind. Da aber
"die Mikroben immer das letzte Wort haben" (Zitat, L. Pasteur), muss den
Veränderungen der Resistenzlage stets das Arsenal an wirksamen Antibiotika
angepasst werden. Das geschieht durch kontinuierliche Neueinführungen
von Antiinfektiva, aber auch durch die Rücknahme von Antibiotika,
wenn diese in einem veränderten Umfeld nicht mehr als adäquat
anzusehen sind. Nach der aktuellen Marktübersicht bei den Cephalosporinen,
die wir in einer früheren Ausgabe der "Zeitschrift für Chemotherapie"
vorgestellt hatten (s. ZCT 2001; 22:
20-21), veröffentlichen wir nun eine aktuelle Liste der zur Zeit
in Deutschland verfügbaren Penicilline zur parenteralen Therapie.
Der Vertrieb einiger Penicilline, die seit Jahrzehnten im Gebrauch waren,
wurde eingestellt, wie der Tabelle entnommen werden kann. Das betrifft
vor allem die sogenannten Carboxy-Penicilline aber auch einige Acylamino-Penicilline.
Angesichts der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Carbapeneme, der
Chinolone, aber auch ganz neuer Gruppen von Antiinfektiva lässt sich
voraussehen, dass weitere Penicillin-Präparate aus dieser Liste in
den nächsten Jahren vom Markt genommen werden. Die Kombinationspräparate
aus Amoxicillin oder Mezlocillin mit einem Staphylokokken-Penicillin (z.
B. OPTOCILLIN [Anm. der Red 06.06.2003: inzwischen
aus dem Handel] oder FLANAMOX) sind sicherlich entbehrlich.
Nur die fettgedruckten Präparate sind zur Zeit in Deutschland im
Handel; adH = aus dem Handel
| Generischer Name
(Beispiel) |
Handelsname
(Beispiel) |
Hersteller
(Beispiel) |
|
| Penicillin G (=Benzylpenicillin)* | Penicillin "Grünenthal" | Grünenthal | |
| Oxacillin | STAPENOR | Infectopharm | |
| Flucloxacillin | STAPHYLEX | GlaxoSmith Kline | |
| Ampicillin | BINOTAL | Grünenthal | |
| Ampicillin / Sulbactam | UNACID | Pfizer | |
| Amoxicillin / Clavulansäure | AUGMENTAN | GlaxoSmith Kline | |
| Oxacillin / Mezlocillin | OPTOCILLIN | Bayer Vital | adH |
| Flucloxacillin / Amoxicillin | FLANAMOX | Wolff | |
| Carbenicillin | ANABACTYL | Beecham | adH |
| Ticarcillin | AERUGIPEN | Beecham | adH |
| Ticarcillin / Clavulansäure | BETABACTYL | Beecham | adH |
| Temocillin | TEMOPEN | Beecham | adH |
| Mezlocillin | BAYPEN | Bayer | |
| Azlocillin | SECUROPEN | Bayer | adH |
| Apalcillin | LUMOTA | Thomae | adH |
| Piperacillin | z.B. PIPERACILLIN HEXAL | Hexal | |
| Piperacillin / Tazobactam | TAZOBAC | Lederle |
* Zusätzlich sind Depotformen von Penicillin G zur intramuskulären Injektion im Handel.