
|
Veresterung mit L-Valin bewirkt bessere Bioverfügbarkeit von Aciclovir Unveränderter Text aus ZCT Heft 1, 1996 Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes ![]() Strukturformel Valaciclovir Mit Auslaufen des Patentschutzes wird Aciclovir seit kurzem auch als Generikum angeboten, was zu einem Rückgang des Preisniveaus für dieses Arzneimittel geführt hat. Vom Hersteller des Originalpräparates wird nun mit Valaciclovir (VALTREX) ein neu entwickeltes Aciclovir-Derivat zur Therapie des Herpes zoster angeboten. Valaciclovir zeichnet sich durch eine deutlich bessere Bioverfügbarkeit aus. Dieses "Prodrug" stellt chemisch gesehen einen Ester aus Aciclovir und der Aminosäure L-Valin dar ("Einschleus-Ester"), der rasch durch hepatische Esterasen gespalten wird.1 Während nur etwa 10 bis 20% einer oral verabreichten Aciclovir-Dosis aus dem Magen-Darmtrakt resorbiert werden, ist die Bioverfügbarkeit des Esters etwa 3 bis 5 mal höher. Dies geht aus einem direkten Vergleich von intravenös infundiertem Aciclovir (350 mg) mit oral gegebenem Valaciclovir (1000 mg) bei 12 gesunden Probanden hervor. Während die Spitzenspiegel bei Einnahme des Esters etwa um ein Viertel niedriger lagen (6,6 ± 2,8 vs. 9,2 ± 1,9 mg/l), waren die AUC-Werte ("Fläche unter der Kurve") für beide Applikationsarten etwa gleich. Es konnte gezeigt werden, daß Valaciclovir rasch und nahezu vollständig in Aciclovir umgewandelt wird. Die Elimination des Wirkstoffs erfolgte mit einer Halbwertzeit von etwa 2,5 Stunden überwiegend unverändert renal. Bestätigt werden diese Werte durch die pharmakokinetischen Daten aus einem Doppelblind-Versuch an über 1000 Zosterpatienten ab 50 Jahren: nach Einnahme von 800 mg Aciclovir wurden maximale Plasmakonzentrationen von im Mittel 2,2 mg/l gemessen (Minimum und Maximum: 1,0 bis 12,6 mg/l); beachtenswert ist die hohe Variabilität der Werte, die sich durch die schlechte Bioverfügbarkeit der Substanz erklärt. Die mittleren Plasmaspiegel von Aciclovir nach Einnahme von Valaciclovir waren deutlich höher (Bereich: 2,8 bis 16,1 mg/l; Mittelwert: 5,7 mg/l).2 Valaciclovir ist bei Herpes zoster ("Gürtelrose") in einer Dosierung von dreimal täglich 1000 mg oral indiziert. Der Anteil von Patienten, bei dem nach sechs Monaten noch Schmerzen bestanden, war im Vergleich zu einer Behandlung mit Aciclovir geringfügig von 26% auf 19% reduziert. Die Therapie muß jedoch innerhalb von drei Tagen nach Beginn der Symptomatik erfolgen, sonst ist die Behandlung völlig unwirksam. In der klinischen Prüfung erwies sich das Arzneimittel als ähnlich gut verträglich wie Aciclovir. Zu den beobachteten unerwünschten Wirkungen gehören gastrointestinale Störungen und ZNS-Reaktionen in ähnlicher Inzidenz, wie sie unter der Gabe von Placebo beobachtet wurden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance 15-30 ml/min) muß die Dosierung von Valaciclovir reduziert werden (zweimal 1000 mg/Tag). Da bisher zu wenig Erfahrungen bei immunsupprimierten Patienten oder bei Patienten mit gestörter Leberfunktion vorliegen, sollte die Substanz nicht bzw. nur zurückhaltend bei diesen Patientengruppen eingesetzt werden. Ausreichende Erfahrungen über die Anwendung in der Schwangerschaft liegen ebenfalls nicht vor. Es gibt mittlerweile Untersuchungen mit einigen Hundert Patientinnen, die Aciclovir im ersten Drittel der Schwangerschaft eingenommen hatten und die vom Hersteller des Arzneimittels prospektiv erfaßt wurden ("Aciclovir Pregnancy Registry"). Die Daten zeigen, daß offenbar kein teratogenes Risiko unter diesen Bedingungen besteht (niedrige Dosen von Aciclovir, geringe Plasmakonzentrationen!). Völlig unklar ist derzeit, ob ein Risiko für Fehlbildungen bei der Behandlung mit Valacicloir während der Schwangerschaft besteht. Die im Plasma erzielten maximalen Spitzenkonzentrationen von Aciclovir von bis zu 16 mg/l (70 µM) erwiesen sich als eindeutig embryotoxisch in Versuchen mit Rattenembryonen3 und die teratogenen Wirkungen von Aciclovir bei dieser Spezies sind mehrfach beschrieben worden 4,5. ZUSAMMENFASSUNG 1. SOUL-LAWTON
J, SEABER E et al. Absolute
bioavailability and metabolic disposition of valaciclovir,
the L-valyl ester of acyclovir, following oral administration to humans. Antimicrob Agents Chemother. 1995 Dec;39(12):2759-64. 2. BEUTNER KR, FRIEDMAN DJ et al. Valaciclovir compared with acyclovir for improved therapy for herpes zoster in immunocompetent adults. Antimicrob Agents Chemother. 1995 Jul;39(7):1546-53. 3. KLUG S, LEWANDOWSKI C et al. Effect of acyclovir on mammalian embryonic development in culture. Arch Toxicol. 1985 Dec;58(2):89-96. 4. CHAHOUD I, STAHLMANN R et al. Gross-structural defects in rats after acyclovir application on day 10 of gestation. Arch Toxicol. 1988 Aug;62(1):8-14. 5. STAHLMANN R, KLUG S et al. Significance of embryo culture methods for studying the prenatal toxicity of virustatic agents. Reprod Toxicol. 1993;7 Suppl 1:129-43. 6. ALRAHBIA FA, SACKS SL. New antiherpesvirus agents. Their targets and therapeutic potential. Drugs. 1996 Jul;52(1):17-32. Seit der
Erstellung und
Veröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift für
Chemotherapie
(Heft 1, 1996) sind zahlreiche weitere Arbeiten über Valaciclovir
publiziert
worden. Insbesondere soll an dieser Stelle auf die folgenden Arbeiten
hingewiesen
werden:
1. DWORKIN RH, JOHNSON RW et al. Recommendations for the management of herpes zoster. Clin Infect Dis. 2007 Jan 1;44 Suppl 1:S1-26. 2. ARORA A, MENDOZA N et al. Double-blind study comparing 2 dosages of valacyclovir hydrochloride for the treatment of uncomplicated herpes zoster in immunocompromised patients 18 years of age and older. J Infect Dis. 2008 May 1;197(9):1289-95. 3. BOMGAARS L, THOMPSON P et al. Valacyclovir and acyclovir pharmacokinetics in immunocompromised children. Pediatr Blood Cancer. 2008 Oct;51(4):504-8. 4. ABUDALU M, TYRING S et al. Single-day, patient-initiated famciclovir therapy versus 3-day valacyclovir regimen for recurrent genital herpes: a randomized, double-blind, comparative trial. Clin Infect Dis. 2008 Sep 1;47(5):651-8. 5. ENGSTRÖM M, BERG T et al. Prednisolone and valaciclovir in Bell's palsy: a randomised, double-blind, placebo-controlled, multicentre trial. Lancet Neurol. 2008 Nov;7(11):993-1000.
|