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das erste Nukleotid-Analogon zur antiretroviralen Therapie Unveränderter Text aus ZCT Heft 3, 2002 ![]() Mehr
als ein Dutzend
verschiedener
Wirkstoffe stehen zur
Therapie der HIV-Infektion zur Verfügung;
sie können in drei
Gruppen eingeteilt werden (siehe
Übersichtstabellen). Da die Erreger
rasch Resistenz gegen die
eingesetzten Chemotherapeutika entwickeln,
besteht trotz des
großen
Angebots durchaus ein Bedarf für weitere
antiretroviral wirksame
Medikamente.
Mit Tenofovir (VIREAD) wird erstmals ein Präparat aus einer neuen Wirkstoffgruppe eingeführt, die als Nukleotid-Analoga bezeichnet werden. Im Gegensatz zu den Nukleosid-Analoga besitzen die Nukleotide bereits eine Phosphatgruppe im Molekül, und die bei Nukleosiden notwendige Umwandlung in ein Monophosphat entfällt. Es ist bemerkenswert, dass Tenofovir sich nur minimal von einer Vorläufersubstanz unterscheidet (Adefovir), das wegen nephrotoxischer Wirkungen von der FDA nicht zugelassen worden ist.1
Antivirale Wirkung, Resistenz Nach
zweimaliger Phosphorylierung wirkt
Tenofovir als
Hemmstoff der reversen Transkriptase aufgrund
seiner strukturellen
Ähnlichkeit
mit dem physiologischen Substrat
Deoxyadenosin-Triphosphat; nach Einbau
in die DNS verursacht es einen Kettenabbruch. Da
die Umwandlung der
Nukleoside
in die entsprechenden Monophosphate durch
Kinasen mit relativ geringer
Aktivität erfolgt, kann es als Vorteil
angesehen werden, dass
Tenofovir
bereits eine "Phosphatgruppe" aufweist. Unter
den Nukleosiden besteht
eine
partielle Kreuzresistenz, diese schließt
bei den meisten Isolaten
Tenofovir zwar nicht ein, doch wurden auch Viren
nachgewiesen, die
gegen
diese Substanz resistent waren (sog.
K65R-Mutanten).1,2
Pharmakokinetische
Eigenschaften
Der
Wirkstoff liegt in
den Tabletten als
Fumarat des Disoproxilesters
vor, aus dem bei der Resorption aus dem
Magen-Darmtrakt der eigentliche
Wirkstoff freigesetzt wird. Die
Bioverfügbarkeit beträgt bei
nüchterner Einnahme einer Tablette mit 300
mg Wirkstoff nur etwa
25%,
ist jedoch deutlich erhöht, wenn das
Arzneimittel zusammen mit
einer
fetthaltigen Mahlzeit genommen wird. Unter
diesen Bedingungen liegt die
maximale Plasmakonzentration bei 326 ng/ml und
die AUC-Werte wurden mit
etwa 3300 ng/ml x h bestimmt. Die Bindung an
Plasmaeiweiß ist
sehr
gering, das Verteilungsvolumen wurde mit 1,2 l /
kg berechnet. Die
Halbwertzeit
der Elimination aus dem intrazellulären
Kompartiment liegt bei
über
30 Stunden und ermöglicht die einmal
tägliche Gabe. Die
Substanz
wird ganz überwiegend unverändert
renal eliminiert.
Informationen
über die Ausscheidung bei Patienten mit
eingeschränkter
Nierenfunktion
lagen bei der Markteinführung noch nicht
vor.
Wirksamkeit
Die
Ergebnisse der
bisher
veröffentlichten klinischen
Studien sind vielversprechend. In einer
doppelblind durchgeführten
sogenannten Intensivierungsstudie wurde
entweder Tenofovir oder Placebo
zusätzlich zur konventionellen
Kombinationstherapie (HAART)
gegeben.
Die Patienten waren im Durchschnitt bereits
mehr als 5 Jahre behandelt
worden, und 94% der Virusisolate wiesen zu
Beginn der Studie Mutationen
in Assoziation mit nukleosidischen Hemmstoffen
der reversen
Transkriptase
auf. Auch gegen andere antiretroviral wirksame
Therapeutika bestanden
in
einem hohen Prozentsatz Resistenzmutationen.
In dieser Studie konnte
die
Zahl der Viren um 0,6 log Kopien / ml unter
Tenofovir, jedoch nur um
0,03
log Kopien/ml in der Placebo-Gruppe gesenkt
werden.2
Unerwünschte
Wirkungen,
Interaktionen
Nebenwirkungsbedingte
Studienabbrüche
waren unter
Tenofovir nicht häufiger als unter Placebo.
Am häufigsten
trat
Übelkeit auf. Tierexperimentell wurde bei
Dosierungen, die
über
den therapeutischen Dosen lagen, bei mehreren
Spezies eine reduzierte
Mineralisierung
der Knochen beobachtet. Auch Hinweise auf ein
nephrotoxisches Potential
stammten aus Tierversuchen. Aus der klinischen
Anwendung ergab sich
bisher
kein Anhalt für Osteomalazie oder andere
wesentliche toxische
Wirkungen
bei therapeutischer Dosierung, doch ist eine
erhöhte Wachsamkeit
angezeigt.
Tenofovir
ist kein
Substrat für die
Monooxygenase
CYP3A4, trotzdem kommt es zu Interaktionen mit
anderen antiretroviral
wirksamen
Substanzen. So führte z.B. die
gleichzeitige Gabe von Lopinavir
/
Ritonavir (KALETRA) zu einem Anstieg der
Tenofovir-Konzentrationen um
12
bis 53% bei einer Gruppe von 29 Probanden.
Andererseits wird die
Plasmakonzentration
von Didanosin
(VIDEX) bei gleichzeitiger Gabe um 11 bis 48%
erhöht,
der Mechanismus dieser Interaktion ist nicht
bekannt. Die Vielfalt und
die erhebliche individuelle Variabilität
der möglichen
Interaktionen
muss angesichts der vorliegenden klinischen
Daten auch bei der
antiretroviralen
Therapie mit Tenofovir beachtet werden.2
ZUSAMMENFASSUNG Tenofovir (VIREAD) erweitert die Optionen der antiretroviralen Kombinationstherapie. Aufgrund eines etwas anderen Wirkmechanismus ist die Substanz überwiegend auch gegen Viren mit Resistenz gegen Nukleosid-Analoga aktiv. Die ersten klinischen Erfahrungen sind positiv, weitere Studienergebnisse müssen jedoch abgewartet werden, um den Stellenwert des neuen Arzneimittels im Rahmen des breiten antiretroviralen Angebots genauer definieren zu können. 1. Viread, Full prescribing Information. Gilead 2001 2. HARRIGAN PR, MILLER MD et al. Phenotypic susceptibilities to tenofovir in a large panel of clinically derived human immunodeficiency virus type 1 isolates. Antimicrob Agents Chemother. 2002 Apr;46(4):1067-72. Seit der
Erstellung und Veröffentlichung
dieses Artikels
in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft
3, 2002) sind
zahlreiche
weitere Arbeiten über Tenofovir publiziert
worden.
Insbesondere soll
an dieser Stelle auf die folgenden Arbeiten
hingewiesen werden:
immunodeficiency virus infection.Pharmacotherapy. 2003 Jan;23(1):29-43.
Drugs. 2003;63(15):1597-608. 3. DE CLERCQ E. Clinical potential of the acyclic nucleoside phosphonates cidofovir, adefovir, and tenofovir in treatment of DNA virus and retrovirus infections. Clin Microbiol Rev. 2003 Oct;16(4):569-96. 4. GRIM SA, ROMANELLI F. Tenofovir disoproxil fumarate. Ann Pharmacother. 2003 Jun;37(6):849-59. 5. IZZEDINE H, LAUNAY-VACHER V et al. Antiviral drug-induced nephrotoxicity. Am J Kidney Dis.2005 May;45(5):804-17. 6. KEARNEY BP, FLAHERTY JF et al. Tenofovir disoproxil fumarate: clinical pharmacology and pharmacokinetics. Clin Pharmacokinet. 2004;43(9):595-612. 7. LYSENG-WILLIAMSON KA, REYNOLDS NA et al. Tenofovir disoproxil fumarate: a review of its use in the management of HIV infection. Drugs. 2005;65(3):413-32.
multiple drug interactions. Clin Infect Dis. 2006 Jan 15;42(2):283-90.
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