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SYNFLORIX
- neuer Konjugatimpfstoff gegen Pneumokokken-Infektionen Die
akute Otitis media ist eine häufig vorkommende Erkrankung des
Kindesalters mit unterschiedlicher
Ätiologie. Etwa zwei Drittel der Erkrankungen werden durch Streptococcus
pneumoniae und nicht-typisierbare Stämme von Haemophilus
influenzae verursacht. Obwohl zahlreiche Antibiotika
zur Verfügung
stehen, die zur Therapie einer Mittelohrentzündung in Frage
kommen, bereitet
die Erkrankung im ärztlichen Alltag doch immer wieder
Schwierigkeiten. Dies
liegt (1.) an den Problemen
einer exakten Diagnosestellung hinsichtlich
viraler
oder bakterieller Genese, (2.)
an der zunehmenden Resistenzentwicklung
der bakteriellen
Erreger und (3.) an den
häufig auftretenden Rezidiven bei
entsprechender individueller
Prädisposition des Patienten.
Seit
einigen
Monaten ist ein neuer Impfstoff verfügbar, der zehn Serotypen von
Streptococcus
pneumoniae enthält (Synflorix).
Er ist zugelassen zur aktiven Immunisierung gegen
Pneumokokken-verursachte
Infektionen und akute Otitis media bei Kindern von sechs Wochen bis zum
Abschluss des zweiten Lebensjahres.1 Gegenüber der
bereits
zugelassenen 7-valenten
Pneumokokken-Vakzine (Prevenar)
erfasst der neue Impfstoff zusätzlich
die Typen 1, 5 und 7F. Beide Vakzinen werden intramuskulär
injiziert. Sie enthalten
Pneumokokken-Polysaccharide, die an Trägerproteine gekoppelt sind
(abgewandeltes Diphtherietoxin oder Membranprotein aus Neisseria
meningitidis).
Säuglinge bis zum sechsten Monat erhalten zur Grundimmunisierung
jeweils drei
Dosen, Kinder bis zwei Jahren nur zwei. Für Kinder, die bereits im
Säuglingsalter
mit Synflorix geimpft wurden, wird eine Auffrischung im Alter von 12
bis 15
Monaten empfohlen.
Wirksamkeit Die Schutzwirkung von Synflorix gegen invasive Pneumokokken-Erkrankungen wurde nicht untersucht. Die Bewertung der potenziellen Wirksamkeit gegen invasive Pneumokokkenerkrankungen beruht auf einem Vergleich der Immunantwort auf die sieben gemeinsamen Serotypen, die in Synflorix und einem anderen Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (Prevenar) enthalten sind, und für den die Schutzwirkung bereits früher untersucht wurde. Die Immunantwort auf die zusätzlichen drei Serotypen in Synflorix wurde ebenfalls bestimmt. In
einer Vergleichsstudie mit Prevenar 7-valent wurde die
Nicht-Unterlegenheit der
Immunantwort von Synflorix für alle Serotypen außer 6B und
23F gezeigt. 65,9%
bzw. 81,4% der Säuglinge, die im Alter von 2, 3 und 4 Monaten
geimpft wurden,
erreichten einen Monat nach der dritten Dosis von Synflorix den
Antikörper-Schwellenwert gegen die Serotypen 6B bzw. 23F (versus
79,0% bzw.
94,1% nach drei Dosen von Prevenar 7-valent). Die klinische Relevanz
dieser
Unterschiede ist nicht bekannt.
Der Anteil der geimpften Säuglinge, die den Antikörper-Schwellenwert gegen die drei zusätzlichen Serotypen in Synflorix (1,5 und 7F) erreichten, betrug 97,3%, 99,0% bzw. 99,5% und war mindestens genauso gut wie die aggregierte Immunantwort von Prevenar 7-valent gegen die sieben gemeinsamen Serotypen (95,8%).2 In
einer weiteren großen Studie wurde geprüft, ob die Vakzine
die akute Otitis
media verhindern kann. Fast 5000 Säuglinge bekamen einen
11-valenten
Vorläuferimpfstoff (der alle zehn Serotypen von Synflorix
enthält) oder einen
Hepatitis-A-Impfstoff. Laut Fachinformation wurde jede dritte
Erkrankung
vermieden.1,3
Schmerzen,
Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, Schläfrigkeit,
Appetitlosigkeit
und Fieber waren die häufigsten unerwünschten Symptome, die
im Zusammenhang mit
der Vakzination beobachtet wurden. Bei gleichzeitiger Pertussisimpfung
(DTPw)
trat Fieber häufiger auf. Es ist sinnvoll, in diesen Fällen
prophylaktisch ein Antipyretikum
zu geben. Gleiches gilt für Kinder, die zu Krampfanfällen und
Fieberkrämpfen
neigen.
ZUSAMMENFASSUNG Ein neuer Impfstoff gegen Pneumokokken ist zur Prophylaxe der Otitis media zugelassen (SYNFLORIX). Im Vergleich zu dem bereits länger verfügbaren PREVENAR enthält der neue Impfstoff zusätzlich drei weitere Serotypen von Pneumokokken. Beide Impfstoffe zeigten eine ähnliche Wirksamkeit und Verträglichkeit. In den USA wurde unterdessen vom PREVENAR-Hersteller die Zulassung eines 13-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffs beantragt, der bereits Ende 2009 in den Handel kommen könnte. Der neue Impfstoff enthält unter anderem den Serotyp 19A, der vermehrt schwere Infektionen verursachen soll. 1. Fachinfo
SYNFLORIX,
2. SYNFLORIX, Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels ( prevention of acute otitis media caused by both Streptococcus pneumoniae and non-typable Haemophilus influenzae: a randomised double-blind efficacy study. Lancet. 2006 Mar 4;367(9512):740-8. |