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Sulbactam/Ampicillin - ein neues
Kombinationspräparat
aus ß-Laktamaseinhibitor plus Antibiotikum
Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Zahlreiche Bakterien sind bekanntlich in der Lage, Enzyme zu produzieren, die die verschiedenen Penicillinderiate, Cephalosporine und andere ß-Laktam-Antibiotika hydrolytisch spalten können (sog. Penicillinasen, Cephalosporinasen oder allgemein: ß-Laktamasen). Um auch diese Erreger zu erfassen - historisch gesehen handelte es sich zunächst um Staphylokokken - wurden bereits zu Beginn der Antibiotika-Ära "Penicillinase-feste Penicilline" entwickelt, die zur Behandlung entsprechender Keime eingesetzt werden konnten, da sie gegenüber den inaktivierenden, bakteriellen Enzymen stabil sind (vgl. "ZCT" 8, S.47). Unabhängig von dieser Entwicklung wurde schon frühzeitig nach Substanzen gesucht, die lediglich die ß-Laktamasen hemmen ("ß-Laktamaseinhibitor") und die deshalb als Kombinationspartner für bewährte Antibiotika - quasi als "Begleit-Schutz" - in Frage kommen - auch wenn das Antibiotikum selbst ß-Laktamase-labil ist. Die erste therapeutisch verwandte Substanz dieser Art war Clavulansäure, die in der Bundesrepublik in fixer Kombination mit Amoxicillin (AUGMENTAN) oder Ticarcillin (TIMENTIN) im Handel ist (vgl. "ZCT" 3:35-36,1982; "ZCT" 5:33-34,1984; "ZCT" 6:44-45,1985). ß-Laktamase-Hemmung durch Sulbactam Mit Sulbactam wurde jetzt ein weiterer Hemmstoff
zugelassen, der in
Kombination mit Ampicillin unter dem Namen UNACID angeboten wird.
Sulbactam
hemmt die meisten bakteriellen ß-Laktamasen - nur bei Enzymen der
Gruppe I (Nomenklatur nach Richmond) ist das Ausmaß der
Inhibition
variabel. Auf Gewichtsbasis ist Sulbactam nicht ganz so aktiv wie
Clavulansäure;
es verfügt andererseits aber offenbar über eine bessere
physikalisch-chemische
Stabilität und kann höher dosiert werden.
Antibakterielle Eigenschaften Das antibakterielle Spektrum der Kombination entspricht mit einigen Erweiterungen im wesentlichen dem bekannten Spektrum des Ampicillin. Sulbactam hat zwar auch eine ß-Laktamgrundstruktur, besitzt aber selbst nur eine schwache antibakterielle Aktivität. In vitro ist die Substanz jedoch in der Lage, die Empfindlichkeit von ß-Laktamase-produzierenden grampositiven und gramnegativen Bakterien gegenüber Ampicillin zu erhöhen. So wirkt die 1:2-Kombination der beiden ß-Laktamverbindungen hemmend gegenüber Stämmen von S. aureus, H. influenzae und Bacteroides spezies, die sich gegenüber dem Penicillin allein resistent verhalten. Die "minimalen Hemmkonzentrationen (MHK-Werte)" werden um mehrere Verdünnungsstufen gesenkt. Pharmakokinetische Eigenschaften Das Präparat wird derzeit nur zur parenteralen
Applikation angeboten.
Beide Kombinationspartner verhalten sich in pharmakokinetischer
Hinsicht
sehr ähnlich und erfüllen damit eine wesentliche
Voraussetzung
für ein sinnvolles Kombinationspräparat. Es konnte keine
gegenseitige
Beeinflussung im pharmakokinetischen Verhalten der Substanzen
festgestellt
werden. Nach einer 15minütigen intravenösen Infusion von 1 g
Sulbactam plus 2 g Ampicillin wurden bei gesunden Freiwilligen mittlere
Spitzenkonzentrationen im Plasma von etwa 60 und 120 mg/l gemessen. Das
Verteilungsvolumen lag für beide Substanzen bei 17 Litern. Die
Eliminationshalbwertzeit
wurde mit einer Stunde bestimmt. Auch Sulbactam wird - ganz
ähnlich
wie Ampicillin - überwiegend unverändert über die Niere
sowohl durch glomeruläre Filtration als auch durch tubuläre
Sekretion
ausgeschieden. Die gleichzeitige Gabe von Probenecid (BENEMID)
verlängert
die Halbwertzeit; ähnliches gilt bei Niereninsuffizienz oder bei
Frühgeborenen.
Bei schwangeren Frauen wurde die vom Ampicillin schon seit Jahren
bekannte
raschere Elimination auch für Sulbactam nachgewiesen: gegen Ende
der
Schwangerschaft wurden Halbwertzeiten von nur 30 bis 40 Minuten
bestimmt.
Therapeutische Wirksamkeit Erwartungsgemäß konnte die therapeutische
Wirksamkeit des
Kombinationspräparates in zahlreichen Studien bei infektiösen
Erkrankungen in mehreren Fachgebieten nachgewiesen werden. Bevorzugt
eingesetzt
wurde die Kombination bei abdominellen und gynäkologischen
Infektionen,
bei denen mit einer anaerob/aeroben bakteriellen Mischflora gerechnet
werden
muß.
Verträglichkeit In den bisher durchgeführten klinischen Studien wurde immer wieder die ausgesprochen gute Verträglichkeit dieser Kombination deutlich; nur bei 13 von 1764 erfaßten Patienten (0,7%) mußte die Behandlung wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen abgebrochen werden. Die am häufigsten gemeldete Nebenwirkung betraf nach intramuskulärer Injektion Schmerzen an der Injektionsstelle (3,6%); bei 1,2% der Patienten wurde eine Phlebitis nach i.v.-Verabreichung festgestellt. Die Diarrhö-Frequenz wird mit 1,9% der Patienten angegeben. Unter den Laborwerten wurden vorübergehende Veränderungen der Transaminasen und der LDH ermittelt. Interessanterweise wurden Exantheme nur bei 0,7% der Patienten bemerkt. ZUSAMMENFASSUNG Mit der Zulassung der 1:2-Kombination aus Sulbactam
und Ampicillin
(UNACID) steht ein neues Präparat aus einem Aminopenicillin und
einem
ß-Laktamase-Hemmstoff zur Verfügung. Da viele Bakterien
durch
ß-Laktamaseproduktion gegenüber Penicillinen resistent
werden,
zeigt die Kombination in vitro die erwartete Wirkungssteigerung
gegenüber
entsprechenden Erregern. Beide ß-Laktamverbindungen haben ein
sehr
ähnliches pharmakokinetisches Verhalten: sie werden nach
parenteraler
Applikation überwiegend unverändert renal eliminiert. In der
klinischen Erprobung konnte die Wirksamkeit bei diversen Infektionen
durch
aerobe und anaerobe Bakterien gezeigt werden. Klinische
Vergleichsstudien
werden in Zukunft zeigen, welche Position das neue Arzneimittel neben
den
zahlreichen anderen, alten und neuen Antibiotika einnehmen wird.
Aufgrund
seiner guten Verträglichkeit könnte seine Anwendung vor allem
in den Bereichen sinnvoll sein, in denen heute noch Chemotherapeutika
mit
höherem toxischen Potential zum Einsatz kommen.
CAMPOLI-RICHARDS,
D.M., BROGDEN, R.N. Drugs 33:577-609, 1987 (113 Ref)
Sulbactam / Ampicillin Die Kombination aus Ampicillin und Sulbactam wird heute häufig zur oralen (s.: Sultamicillin) oder parenteralen Behandlung bei Infektionen durch entsprechende Erreger angewandt. Seit der Erstellung und Veröffentlichung dieses
Artikels in der
Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 6, 1987) sind zahlreiche
weitere
Arbeiten über Sulbactam in Kombination mit Ampicillin publiziert
worden.
Insbesondere soll an dieser Stelle auf die folgenden Publikationen
hingewiesen
werden:
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