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Stavudin
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ein weiteres Nukleosid-Analogon
zur Behandlung
der HIV-Infektion
Unveränderter Text aus ZCT
Heft 3, 1996
| Vor fast 10 Jahren
wurde Zidovudin
(= AZT, RETROVIR) vom damaligen BGA als das erste Nukleosid-Analogon
zur
Behandlung von HIV-infizierten Patienten zugelassen. Vor einigen
Monaten
hat nun der Ausschuß für Arzneimittel-Spezialitäten der
Europäischen Union (CPMP) den Zulassungsantrag für Stavudin
(ZERIT),
dem mittlerweile vierten Arzneimittel aus dieser Gruppe, positiv
bewertet.
Alle heute verfügbaren Nukleosid-Analoga weisen eine bedeutsame
strukturelle
Gemeinsamkeit auf: in der Position 3 am Zuckeranteil des Nukleosids
fehlt
die physiologisch wichtige Hydroxylgruppe. Dadurch kann der DNA-Strang
nicht fortgesetzt werden, wenn solch ein Baustein in die
Nukleinsäure
eingebaut wird und es kommt zum Abbruch des DNA-Moleküls.
Außerdem
hemmen diese Verbindungen die reverse Transkriptase - also jenes Enzym
des HI-Virus, welches die RNA des Erregers in DNA übersetzt, damit
die genetische Information in das Genom der Wirtszelle integriert
werden
kann. Voraussetzung für diese Wirkungen ist allerdings eine
vorherige
Umwandlung der Nukleoside in die entsprechenden Triphosphate.
In mehreren
In-vitro-Assays
wurde die
antiretrovirale Aktivität
von Stavudin nachgewiesen. Konzentrationen zwischen 0,05 und 0,5
µmol/L
führten dabei zu einer 50%igen Hemmung der Viren. Damit ist die
Substanz
in vitro etwa 5 bis 10 mal schwächer wirksam als Zidovudin. In
Kombination
mit anderen antiviralen Wirkstoffen konnten additive oder leicht
synergistische
Wirkungen beobachtet werden. In vitro wurde die Entwicklung
Stavudin-resistenter
HI-Viren nachgewiesen - auch in dieser Hinsicht besteht also eine
Gemeinsamkeit
zu den anderen HIV-wirksamen Arzneistoffen.
Pharmakokinetik
Die
Bioverfügbarkeit von Stavudin ist
gut. Etwa 90%
einer oral verabreichten Dosis werden resorbiert. Gleichzeitige
Nahrungsaufnahme
führt zwar zu einer verzögerten, aber insgesamt nicht zu
einer
geringeren Aufnahme. Nach Einnahme der Substanz in einer Dosierung von
40 mg werden im Plasma Spitzenkonzentrationen von etwa 0,8 bis 1,0 mg/l
erzielt. Im Liquor wurden Konzentrationen gemessen, die bis zu 70% der
entsprechenden Plasmakonzentrationen betrugen. Bei HIV-infizierten
Patienten
wurde eine Eliminationshalbwertzeit von 1,6 Stunden für Stavudin
bestimmt.
Die intrazelluläre Halbwertzeit des biologisch aktiven
Triphosphates
ist jedoch länger: sie wurde auf etwa 3,5 Stunden geschätzt.
Wirksamkeit
und Verträglichkeit
In einer umfangreichen
doppelblind
durchgeführten Studie
an insgesamt mehr als 800 Patienten wurden die klinische Wirksamkeit
und
Verträglichkeit von Stavudin (2-mal täglich 40 mg) mit denen
von Zidovudin
(3-mal täglich 200 mg) verglichen. Alle Patienten
waren
HIV-infiziert, befanden sich aber in verschiedenen Stadien der
Erkrankung
[von asymptomatischer Infektion (36%) bis zur Diagnose von AIDS (14%)].
Alle Teilnehmer waren zuvor im Mittel 20 Monate lang mit Zidovudin
behandelt
worden. In diesem klinischen Versuch war Stavudin dem
Vergleichspräparat
geringfügig überlegen. Beide Chemotherapeutika sind
bekannterweise
nicht in der Lage, die Infektion zu heilen, doch war zum Beispiel die
Zeitspanne
bis zur Feststellung des Therapieversagens in der Stavudingruppe
länger
(Medianwerte: 107 Wochen versus 81 Wochen). Die Anzahl der
CD4-positiven
Zellen im Blut der Patienten stieg bei Gabe des Stavudins für eine
kurze Zeit an, um dann - auf etwas höherem Niveau als in der
Zidovudingruppe
- parallel zu den Werten der Vergleichsgruppe abzufallen.
Trotz der engen
Verwandtschaft der beiden
Medikamente gibt
es hinsichtlich der Verträglichkeit deutliche Unterschiede
zwischen
Zidovudin und Stavudin. Während bei dem älteren Präparat
die Hämatotoxizität im Vordergrund steht, werden unter der
Behandlung
mit Stavudin häufiger Neuropathien beobachtet. Während der
Behandlung
mit Stavudin in Dosierungen von 2-mal 20 mg täglich oder 2-mal 40
mg täglich kam es bei 17% bzw. bei 23% der Patienten zur
peripheren
Neuropathie. Die Beschwerden waren so gravierend, daß die
Behandlung
bei 11% bzw. 13% der Patienten abgebrochen werden mußte.
Darüber
hinaus kommt es offenbar häufiger als bei der Gabe von Zidovudin
zu
einem Anstieg der Transaminasen.
Derzeit läßt
sich noch nicht
abschätzen,
welchen Stellenwert diese Substanz einmal als Alternative zu den
länger
bekannten Präparaten einnehmen wird. Attraktiv sind sicherlich
Kombinationsregime,
in denen mehrere Chemotherapeutika mit Anti-HIV-Aktivität
kombiniert
werden. Dadurch könnten vielleicht die großen Probleme der
Resistenzentwicklung
und mangelhaften Verträglichkeit verringert werden. Neben der
Möglichkeit
einer Kombination von mehreren Nukleosiden sind aber sicherlich auch
Kombinationen
mit Proteaseinhibitoren, die über andere Mechanismen ihre
antivirale
Wirkung entfalten, interessante therapeutische Konzepte. Mit der
Einführung
von Proteaseinhibitoren ist in Deutschland in den nächsten Monaten
zu rechnen.
ZUSAMMENFASSUNG
Mit Stavudin (ZERIT)
steht seit kurzem ein
weiteres Nukleosid-Analogon
zur Behandlung von HIV-infizierten Patienten zur Verfügung. Im
Prinzip
ist die Therapie mit dieser Substanz mit einer ähnlichen
Nutzen/Risiko-Relation
wie bei der Gabe von anderen Nukleosiden verbunden. Derzeit ist eine
abschließende
Bewertung nicht möglich. Wegen der unterschiedlichen
Toxizitätsprofile
der einzelnen Nukleoside ist es aber begrüßenswert,
daß
nun insgesamt vier Alternativen zur Verfügung stehen.
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| Hinweis:
Aktuelle Informationen in englischer Sprache über geeignete
Arzneimittel, Behandlungsrichtlinien, aktuelle klinische Studien und
andere Aspekte der antiretroviralen Therapie finden Sie unter www.aidsinfo.nih.go |
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