Sparfloxacin
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erstes
Fluorchinolon mit
Pneumokokken-Aktivität
Seit mehr als 10 Jahren haben sich die
Fluorchinolone
als eine wichtige Arzneimittelgruppe zur antibakteriellen Therapie
bewährt.
Substanzen wie
Ciprofloxacin
(CIPROBAY) oder
Ofloxacin
(TARIVID) zeichnen sich durch eine besondere Aktivität
gegenüber
gramnegativen Bakterien aus und sind bei Infektionen durch
entsprechende
Erreger unverzichtbare Therapeutika. Gegenüber Pneumokokken - den
wichtigsten Erregern von bakteriellen Infektionen der Atemwege - ist
ihre
Aktivität jedoch nur mäßig, und Fluorchinolone
gehören
daher bei Atemwegsinfektionen nicht zu den Mitteln der ersten Wahl. Mit
Sparfloxacin (ZAGAM) steht nun ein neues Chinolon zur Verfügung,
das
im Gegensatz zu den bisher üblichen Derivaten über eine
ausreichend
hohe Aktivität gegenüber S. pneumoniae und anderen wichtigen
Pneumonie-Erregern verfügt.

Strukturformel Sparfloxacin
Antibakterielle Aktivität
Sparfloxacin hemmt das bakterielle Enzym
"Gyrase" und
unterscheidet sich damit nicht von den anderen Fluorchinolonen.
Während
aber eine Konzentration von 4 mg Ofloxacin/ml notwendig ist, um S.
pneumoniae
zu erfassen (MHK
90), reicht vom
Sparfloxacin
bereits eine Konzentration von 0,5 mg/l aus, um 90% der Pneumokokken zu
hemmen. Von klinischer Bedeutung ist, daß auch solche Stämme
erfaßt werden, die gegenüber Makroliden und
ß-Laktamantibiotika
resistent sind. Ähnliche Aktivitätssteigerungen wurden in
vergleichenden
in vitro Untersuchungen bei Staphylokokken festgestellt;
Methicillin-resistente
S. aureus Stämme sind jedoch resistent. Sparfloxacin wirkt auch
gegen
Erreger von atypischen Pneumonien (Chlamydien, Mykoplasmen,
Legionellen)
bereits in niedrigen Konzentrationen. Darüber hinaus ist die
Aktivität
gegen die meisten gramnegativen Bakterien (H. influenzae, E. coli,
Klebsiellen
u. a.) nicht geringer, als die der länger bekannten
Fluorchinolone.
Gegen P. aeruginosa ist Ciprofloxacin allerdings die wirksamere
Substanz.
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Eine interessante Aktivität besteht gegenüber M. tuberculosis
(MHK: 0,5mg/l).
Pharmakokinetische
Eigenschaften
Maximale Konzentrationen von etwa 1,5 mg
Sparfloxacin/l
Plasma werden etwa drei bis fünf Stunden nach oraler Einnahme des
Präparates erreicht. Üblich ist die Verabreichung einer
Initialdosis
von 400 mg, mit nachfolgender Gabe von 1-mal 200 mg am Tag. Im
bronchopulmonalen
Gewebe wurden Konzentrationen gemessen, die höher als die
Konzentrationen
im Plasma waren und die Hemmwerte der relevanten Erreger deutlich
überschreiten
(z. B. etwa 10 mg/kg im Lungenparenchym). Die Konzentrationen in
Makrophagen
sind noch etwa 5-mal höher. Die Plasmaproteinbindung beträgt
45%.
Die terminale Eliminationshalbwertzeit
beträgt ungefähr
20 Stunden. Sparfloxacin wird in der Leber zum Teil glucuronidiert und
anschließend renal ausgeschieden; es wird nicht durch
Cytochrom-P450-abhängige
Monooxygenasen metabolisiert. Der überwiegende Anteil einer
verabreichten
Dosis wird unverändert mit den Faeces eliminiert. Bei Patienten
mit
Niereninsuffizienz (< 30 ml/min) ist die Elimination (HWZ: ca. 35 -
40 Stunden) durch Hydrolyse des Glucuronids verzögert; auch eine
Kumulation
des Glucuronids wurde beschrieben. Bei älteren Patienten oder
Patienten
mit eingeschränkter Leberfunktion wurden keine Veränderungen
der Pharmakokinetik festgestellt.
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Therapeutische
Anwendung
Die therapeutischen Möglichkeiten von
Sparfloxacin
bei bakteriellen Infektionen der Atemwege wurden in umfangreichen
klinischen
Prüfungen untersucht. Es war dabei mindestens ebenso wirksam oder
sogar besser wirksam als die Vergleichsmedikation.
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Unerwünschte Wirkungen, die durch Sparfloxacin hervorgerufen
werden
können (z. B. Phototoxizität, s. u.), haben einige
europäische
Zulassungbehörden jedoch bewogen, die Indikationen für dieses
Arzneimittel deutlich zu beschränken. In Deutschland ist die
Anwendung
vom BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel) auf Pneumonien durch
resistente
Pneumokokken beschränkt worden. Interessanterweise hat die FDA in
den USA die Risiken durch Sparfloxacin nicht als entsprechend
gravierend
angesehen und das Chinolon für eine breitere Palette von
Atemwegsinfektionen
zugelassen. Bei einer rationalen Abwägung von Nutzen und Risiken
kann
folgendes festgestellt werden: Bei bestimmungsmäßigem
Gebrauch
(d. h. keine Sonnenlichtexposition und keine Kombination mit
Antiarrhythmika)
ist das Risiko von Unverträglichkeitsreaktionen gering und
vertretbar.
Sparfloxacin sollte nicht als
primäres Mittel bei
leichten Infektionen der Atemwege angewandt werden. Das neue
Arzneimittel
füllt jedoch eine wichtige Lücke bei klinischen
Konstellationen,
bei denen mit resistenten Pneumokokken gerechnet werden muß (z.
B.
bei erfolgloser Vorbehandlung mit Standardantibiotika, vorangegangener
Hospitalisierung, Aufenthalt in Ländern mit hoher
Pneumokokkenresistenz)
oder bei denen ein sehr breites Wirkungsspektrum erforderlich ist (z.
B.
Pneumonien bei älteren Patienten mit Grunderkrankungen).
Die Inzidenzen der unerwünschten
Wirkungen von Sparfloxacin
liegen in der gleichen Größenordnung, wie die von anderen
Antibiotika,
mit denen das Präparat während der klinischen Prüfung
verglichen
wurde [überwiegend Amoxicillin mit und ohne Clavulansäure
(CLAMOXYL
u. a. bzw. AUGMENTAN u. a.) oder Erythromycin (ERYTHROCIN u.a.)]. Zu
den
häufigsten Nebenwirkungen gehörten gastrointestinale
Reaktionen,
die nach Sparfloxacin jedoch eher seltener auftraten, als nach den
vergleichend
untersuchten Antibiotika. Auch ZNS-Störungen - die nach anderen
Chinolonen
relativ häufig sind - stellten während der Therapie mit
Sparfloxacin
eher seltene Ereignisse dar.
Die Indikationen für Sparfloxacin
wurden vor allem
wegen der phototoxischen Wirkungen eingeschränkt. Die
Phototoxizität
der Chinolone ist seit den sechziger Jahren, als Nalidixinsäure
(NOGRAM)
angewandt wurde, bekannt. Alle bisher eingeführten Chinolone
besitzen
dieses Potential; bei Sparfloxacin ist das Risiko für photoxische
Reaktionen jedoch größer als bei anderen Chinolonen.
Während
der klinischen Prüfung wurden Erytheme nach Sonnenlichtexposition
bei etwa 2% der Patienten beobachtet. Schwere Sonnenbrand-ähnliche
Reaktionen mit Blasenbildung wurden in diesem Kollektiv nicht gesehen.
Reaktionen dieser Art sind aber nach der Zulassung des Präparates
in Frankreich in Einzelfällen unter starkem Einfluß von
Sonnenlicht
berichtet worden.
Anlaß zu genauen klinischen
Untersuchungen waren
kardiotoxische Befunde aus der präklinischen Prüfung des
Arzneimittels.
Sparfloxacin kann zu einer Verlängerung der QT-Zeit im EKG
führen.
Die Effekte waren ähnlich wie nach Gabe von Erythromycin. Die
Anwendung
von Sparfloxacin bei Patienten mit bekannter QT-Zeitverlängerung
oder
bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln mit
QT-zeitverlängernder
Wirkung (bzw. Torsades de Pointes-induzierender Wirkung) ist nicht
ratsam.
Sparfloxacin (ZAGAM) ist ein neues
Fluorchinolon, das
sich von den bereits bekannten Derivaten vor allem durch eine
verbesserte
Aktivität gegenüber Pneumokokken auszeichnet. Die kinetischen
Eigenschaften erlauben eine einmal tägliche orale Gabe (400 mg
initial,
dann täglich 200 mg). Ein im Vergleich zu anderen Chinolonen
relativ
ausgeprägtes phototoxisches Potential schränkt die
Anwendbarkeit
des Präparates ein. Insgesamt stellt die Entwicklung von
Sparfloxacin
jedoch einen therapeutischen Fortschritt dar, insbesondere unter dem
Aspekt
der auch in Deutschland zu erwartenden zunehmenden Resistenz von
Pneumokokken
und des sich verändernden Patientengutes. Bei multiresistenten
Tuberkulosen
könnte Sparfloxacin zu einer interessanten Alternative werden.
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