|
Proguanil -
eine nicht so neue
Substanz zur Malariaprophylaxe
Unveränderter Text aus ZCT
Heft 4, 1993
Schon seit Jahren hat Proguanil
(PALUDRINE) einen festen
Platz in der Prophylaxe der Malaria, allerdings wurde der Arzneistoff
erst
kürzlich in Deutschland zugelassen. Damit entfällt die
Notwendigkeit
von langwierigen Bestellungen und Importen aus Nachbarländern.
Proguanil ist ein Prodrug und ein
schwacher Inhibitor
der Dihydrofolsäurereduktase der Plasmodien, erst die
Metabolisierung
zum Cycloguanil führt zu einer ausreichenden Wirkung gegen dieses
Enzym. Die Affinität zum entsprechenden Säugetierenzym ist
wesentlich
geringer.
Proguanil wirkt gegen Gewebsschizonten,
insbesondere von
P. falciparum, und gegen Blutschizonten. Die Substanz zeigt keine
Wirkung
gegen die sexuellen Formen. Die Einsatzmöglichkeiten werden durch
zunehmende Resistenzen von P. falciparum begrenzt.
Das Malariamittel kann nur oral
verabreicht werden; es
steht keine Zubereitung für die parenterale Anwendung zur
Verfügung,
daher kann die absolute Bioverfügbarkeit nicht angegeben werden.
Die
Resorption wird auf mehr als 90% geschätzt. Die
Spitzenkonzentrationen
im Plasma werden 3 Stunden nach Einnahme von 100 mg
Proguanilhydrochlorid
erreicht. In der Leber werden etwa 20% der Muttersubstanz zum aktiven
Cycloguanil
metabolisiert, dieser Prozentsatz variiert in der Gesamtpopulation und
es gibt Personen, die zu diesem Metabolisierungsschritt nicht in der
Lage
sind (4% der Kaukasier und 13% der Orientalen). Inwieweit dieser Mangel
zu einem Versagen der Prophylaxe führen kann, wird
gegenwärtig
untersucht. Die Plasmahalbwertzeit von Proguanil liegt bei 16 Stunden,
die des Metaboliten ist mit 2 Stunden deutlich kürzer.
Steady-State-Bedingungen
für das Cycloguanil werden 4 Tage nach täglicher Einnahme von
100 mg oder 200 mg Proguanil erreicht. Etwa 60% der Muttersubstanz
werden
unverändert über die Niere eliminiert.
Für einen therapeutischen Einsatz
ist die Freisetzung
des aktiven Metaboliten zu langwierig, daher hat Proguanil seinen Platz
nur in der Prophylaxe. Die Kombination von Proguanil und Chloroquin
wird
zur Langzeitprophylaxe gegen P. vivax und P. falciparum empfohlen,
Voraussetzung
ist allerdings eine ausreichende Empfindlichkeit der Plasmodien gegen
Proguanil.
Insbesondere in Südostasien ist diese Kombination nicht mehr
ausreichend.
In der Kombination können Proguanil und Chloroquin auch bei
Schwangeren
und Kindern zur Prophylaxe angewandt werden.
In prophylaktischen Dosierungen ist
Proguanil ein gut
verträgliches Medikament. Leichte gastrointestinale Störungen
können auftreten und selten wurde von Haarausfall, Hautreaktionen
und Mundulcera berichtet. Störungen des hämatopoetischen
Systems
wurden bei Patienten mit Nierenschäden beobachtet; daher ist bei
diesen
Patienten besondere Vorsicht geboten.
ZUSAMMENFASSUNG
Proguanil (PALUDRINE)
ist in Kombination mit Chloroquin (RESOCHIN u.a.) ein bewährtes
Mittel
zur Malariaprophylaxe, lokale Resistenzentwicklungen müssen
allerdings
berücksichtigt werden. Die Kombination aus Proguanil und
Chloroquin
eignet sich für eine Langzeitprophylaxe über Monate und ggf.
Jahre. Proguanil ist gut verträglich, aber bei Patienten mit
gestörter
Nierenfunktion ist Vorsicht geboten.
|