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Als Folge der
wachsenden Zahl von Patienten mit Immunsuppression konnte in den
vergangenen
Jahren eine Zunahme von invasiven Pilzinfektionen beobachtet werden.
Neben den
Infektionen mit den häufigsten Erregern Candida und Aspergillus
haben auch
früher selten diagnostizierte Pilzerkrankungen, wie Fusariose oder
Zygomykose,
an Bedeutung zugenommen. Die Möglichkeiten der oralen
antimykotischen Therapie
auch gegen diese seltenen Mykosen werden durch Posaconazol (NOXAFIL),
ein neu
entwickeltes Azol-Derivat, erweitert. Strukturell besteht eine
große
Ähnlichkeit mit Itraconazol (SEMPERA u.a.), die antimykotische
Aktivität ist
jedoch durch die Strukturmodifikationen deutlich verstärkt.1,2
![]() Strukturformel Posaconazol Antimykotische
Wirkung
Posaconazol
hemmt das Enzym Lanosterol-14α-Demethylase und damit einen wichtigen
Schritt
der Ergosterol-Biosynthese. Das Enzym gehört zu den Cytochromen (=
CYP51) und
wird vom ERG11 Gen kodiert. Als Folge
kommt es zu Störungen im Aufbau und in der Funktion der
Pilzzellmembran und
damit zum Untergang der Erreger. In vitro ist die Substanz vor allem
wirksam
gegen Candida (C. albicans, C. parapsilosis u. a.) und Aspergillus
Spezies (A.
fumigatus, A. flavus, A. niger u.a.), sowie gegen Coccidioides immitis
und
Species von Fusarium. Es treten sowohl fungistatische als auch
fungizide
Wirkungen auf. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass dieses Azol im
Vergleich zu
anderen Wirkstoffen dieser Klasse über eine ausgeprägte
Aktivität gegen
Zygomyceten verfügt. Durch Veränderungen der
Lanosteroldemethylase kann die
Empfindlichkeit der Erreger reduziert sein, entsprechende klinische
Isolate
sind bekannt. 2,3
Pharmakokinetische
Eigenschaften
Posaconazol
steht derzeit nur als Suspension zur oralen Behandlung zur
Verfügung. Das
Antimykotikum wird bei Einnahme zusammen mit einer Mahlzeit oder einem
Nahrungsergänzungsmittel langsam, aber ausreichend aus dem
Magendarmtrakt
resorbiert. Die Resorptionsrate nimmt mit steigender Dosis ab, so dass
trotz
langsamer Elimination eine Aufteilung der Tagesdosis auf mindestens
zwei
Einzeldosen notwendig ist. Bei nüchterner Gabe ist die Resorption
schlechter;
falls das Medikament nüchtern gegeben werden muss, wird eine
Aufteilung in vier
Einzeldosen empfohlen. Die gastrointestinale Absorption von Posaconazol
wird -
im Gegensatz zu der von Itraconazol - nicht durch Veränderungen
des pH-Wertes
im Magen beeinflusst.
Die Plasmakonzentrationen liegen während des gesamten Dosierungsintervalls oberhalb von 1 mg/l und übertreffen damit die minimalen Hemmkonzentrationen der meisten klinisch relevanten Erreger. Das apparente Verteilungsvolumen ist groß; je nach Dosierung wurden Werte von etwa 400 bis 800 Liter berechnet. Mehr als 98% der Substanz ist im Plasma an Albumin und andere Proteine gebunden.1,4 Posaconazol wird in der Leber hauptsächlich glukuronidiert, die Metaboliten werden überwiegend mit den Faeces ausgeschieden. Die terminale Halbwertzeit liegt bei etwa 15 bis 35 Stunden. Die renale Elimination spielt nur eine untergeordnete Rolle. Durch Hämodialyse wird Posaconazol nicht aus dem Organismus entfernt. Im Gegensatz zu anderen Azolen, wie zum Beispiel Itraconazol oder Voriconazol (VFEND), unterliegt Posaconazol nicht dem Phase-1-Metabolismus, d.h. es wird nicht durch Cytochrom P450-Isoenzyme (CYP) metabolisiert. Allerdings wirkt es trotzdem als Inhibitor des CYP3A4 und kann dadurch den Metabolismus von gleichzeitig gegebenen anderen Arzneistoffen blockieren. Andere Cytochrome werden nach den bisherigen Erfahrungen nicht gehemmt. In vitro erwies sich Posaconazol als ein Substrat für den Efflux-Transporter P-Glycoprotein (Pgp). Interaktionen Wechselwirkungen
mit anderen gleichzeitig verabreichten Arzneimitteln können
auftreten, wenn
diese über CYP3A4 metabolisiert werden. Daher ist die
gleichzeitige Gabe von
Terfenadin (TERFENADIN Stada u.a.) oder Pimozid (ORAP) und einigen
anderen
Medikamenten, die Torsades de pointes verursachen können,
kontraindiziert. Die
Therapie mit Statinen, wie Simvastatin (ZOCOR), Lovastatin (MEVINACOR)
und
Atorvastatin (SORTIS) muss während der Behandlung mit Posaconazol
unterbrochen
werden; die Dosierungen von Ciclosporin (SANDIMMUN u.a.) und Tacrolimus
(PROGRAF u.a.) müssen reduziert werden. Weitere, detaillierte
Informationen zu
den bisher bekannten Interaktionen von Posaconazol mit anderen
Arzneistoffen
sind über unsere Internetseite verfügbar
(Interaktionen).
Therapeutische Wirksamkeit Die Zulassung
in der Europäischen Union beruht in erster Linie auf den Daten
einer offenen
klinischen Studie zur Behandlung refraktärer invasiver
Pilzinfektionen. Die
klinischen Ergebnisse wurden mit denen einer externen Kontrollgruppe
(n=86),
die aus einer retrospektiven Bewertung ärztlicher Berichte
stammten,
verglichen.2 Eine komplette oder partielle Remission der
invasiven
Aspergillose wurde unter Posaconazol häufiger erzielt als in der
externen
Kontrollgruppe (42% vs. 26%). Die begrenzte Aussagekraft dieser Daten,
die sich
aus dem Studiendesign ergibt, muß berücksichtigt werden. In
einer Studie bei
Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion, bei denen eine
oropharyngeale
oder ösophagale Candida-Infektion bestand, die nicht auf
Fluconazol (DIFLUCAN
u.a.) oder Itraconazol angesprochen hatte, wurde ein Therapieerfolg bei
75% der
Patienten erzielt.1 Randomisierte Vergleichsstudien mit
anderen Antimykotika
liegen derzeit nicht vor.
Die insgesamt seltene, aber zunehmend häufigere Zygomykose (=Mukormykose) ist eine schwerwiegende, häufig tödlich verlaufende Infektion bei immunsupprimierten Patienten. Die Komplikation tritt zum Beispiel relativ häufig auf, wenn bei Patienten mit „graft-versus-host“-Erkrankung nach Stammzelltransplantation die immunsuppressive Therapie verstärkt werden muss. In einer Veröffentlichung über 24 Patienten mit dieser Erkrankung wird berichtet, dass 19 Patienten (=79%) mit Posaconazoltherapie die Infektion überlebten. Bei allen Patienten hatten sich zuvor diverse andere Antimykotika als unwirksam erwiesen oder es lagen Verträglichkeitsprobleme vor.5,6 Unerwünschte
Wirkungen
Die
Verträglichkeit des neuen Azols ist aufgrund der bisherigen
Erfahrungen bei
insgesamt 1770 Patienten bzw. Probanden gut. Am häufigsten waren
Übelkeit (6%)
und Kopfschmerzen (8%). Darüber hinaus traten bei der Behandlung
schwerkranker
Patienten auch Hautausschläge und Erbrechen sowie erhöhte
Leberwerte auf.
Sehstörungen, während der Behandlung mit Voriconazol
häufig berichtet, sind
während der Behandlung mit Posaconazol nicht beobachtet worden.2,6
ZUSAMMENFASSUNG
Posaconazol (NOXAFIL)
ist ein Azol-Antimykotikum, das zur oralen
Therapie
invasiver Pilzerkrankungen angeboten wird. Die antimykotische
Aktivität in
vitro ist gegen die meisten Erreger höher oder gleich gut wie die
von anderen
Azolen. Es wird langsam aus dem Magendarm-Trakt resorbiert, die
Tagesdosis muss
in zwei Einzeldosen bei Einnahme zusammen mit Nahrung bzw. vier
Einzeldosen bei
nüchterner Einnahme aufgeteilt werden. Die Elimination erfolgt
hepatisch durch
Glukuronidierung, das Verteilungsvolumen ist hoch. Es ist zur
Behandlung
invasiver Mykosen zugelassen, wenn die Erkrankung sich als
therapieresistent
oder die Standardtherapie sich als unverträglich erwiesen hat.
Bisher liegen
direkte Vergleichsstudien mit anderen Antimykotika nicht vor. Aufgrund
der
aktuell vorliegenden Daten war die Verträglichkeit des
Präparates gut.
Arzneimittelinteraktionen durch Hemmung des oxidativen
Stoffwechsels müssen
beachtet werden. Weitere klinische Erfahrungen mit Posaconazol sind
notwendig,
um seinen therapeutischen Stellenwert genauer definieren zu
können.
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