
|
Originaltext aus ZCT 03-2001 Etwa 700.000 Menschen sind in
Deutschland
mit dem Hepatitis
C Virus infiziert. Bei bis zu einem Drittel der Patienten kommt es nach
10 bis 20 Jahren zur Leberzirrhose mit dem Risiko der Entwicklung eines
hepatozellulären Karzinoms. Mittel der Wahl zur Behandlung der
chronischen
Infektion ist Interferon-a-2 (ROFERON-A,
INTRON-A),
das in einer Dosierung von 3 x 3 Mio. IE pro Woche in Kombination mit
oral
verabreichtem Ribavirin
(REBETOL)
verordnet
wird. Diese Kombinationstherapie hat sich in mehreren
Doppelblindstudien
als wirksam erwiesen. Der genaue Wirkungsmechanismus ist
im Detail nicht
geklärt. Er erklärt sich aber offenbar aus einer Hemmung der
viralen Replikation im Zusammenspiel mit einem Schutz der Hepatozyten
vor
einer de-novo-Infektion.
Als Nachteil des üblichen Interferons muß die relativ kurze Halbwertzeit angesehen werden. Etwa 16 bis 20 Stunden nach einer subkutanen Injektion liegen keine ausreichenden Plasmaspiegel mehr vor. Kontinuierliche Wirkspiegel wären jedoch angesichts der hohen Replikationsrate des Erregers vor allem zur Vermeidung einer Selektion von Mutanten wünschenswert. Durch kovalente Bindung von Polyethylenglykol an das Interferon-Molekül („Pegylierung“) läßt sich die Halbwertzeit des Moleküls deutlich verlängern. Zwei Präparate mit dieser chemischen Modifikation wurden entwickelt: 1.
Peginterferon a2b
(PEGINTRON,
Firma Essex) und Während das erste Präparat in
Deutschland bereits
zur Verfügung steht, wird mit der Einführung von PEGASYS in
den
nächsten Monaten gerechnet. Die beiden Interferon-Abkömmlinge
unterscheiden sich nur geringfügig: die Seitenkette ist entweder
unverzweigt
(PEGINTRON) oder verzweigt (PEGASYS), dies hat aber durchaus einen
gewissen
Einfluß auf das pharmakokinetische Verhalten der Arzneimittel. In
beiden Fällen resultiert ein erhöhtes Molekulargewicht,
wodurch
die Resorption und Elimination verzögert werden. Während die
Eliminationshalbwertzeit des unveränderten Interferons mit etwa 3
bis 6 Stunden angegeben wird, beträgt sie nach Gabe von
Peginterferon a2b
etwa 30 Stunden. Damit lassen sich relativ konstante Wirkspiegel
über
mehrere Tage erreichen, weshalb nur eine subkutane Injektion pro Woche
notwendig ist. Allerdings ist die biologische Aktivität des
pegylierten
Moleküls geringer als die des unveränderten Interferons. Bei
entsprechenden Dosierungen (z.B. 1 x pro Woche 1 µg Peginterferon
a2b
/ kg vs. 3 x pro Woche 3 Mio. IE Interferon a2b)
konnte im Vergleich zu dem Ausgangsprodukt eine etwa doppelt so gute
Ansprechrate
mit pegyliertem Interferon errreicht werden.
Bei
Behandlung mit Peginterferon a2b
treten dosisabhängig eine Reihe von unerwünschten Wirkungen
auf.
Neben lokalen Reaktionen an der Injektionsstelle kommt es vor allem zu
allgemeinem körperlichem Unwohlsein und grippeartigen Symptomen
(Fieber,
Kopfschmerzen, Schüttelfrost etc.). Auch Symptome von seiten des
Magen-Darmtraktes
(z.B. Übelkeit) und des Muskel-Skelettsystems (Arthralgien) treten
bei mehr als 10% der Patienten auf. Myalgien werden sogar von jedem
zweiten
Patienten beklagt. Nicht selten kommt es zu psychiatrischen
Störungen
(Depression, Angst, Schlafstörungen), gelegentlich wurden
Störungen
der Schilddrüsenfunktion beobachtet (Hypothyreose, Hyperthyreose).
Angesichts der problematischen Verträglichkeit der Interferone
sollte
die Therapie zumindest initial nur von spezialisierten Ärzten
durchgeführt
werden.
Mit Peginterferon a2b (PEGINTRON) wurde das bisher zur Therapie der Hepatitis angewandte Interferon a2b (INTRON A) pharmakokinetisch verbessert. Aufgrund der längeren Halbwertzeit ist eine einmal wöchentliche Gabe möglich. Das Medikament kann bei Patienten mit Hepatitis C angewandt werden, wenn eine Unverträglichkeit gegen Ribavirin (REBETOL) vorliegt. Ausreichende Erfahrungen mit einer Kombinationstherapie aus dem modifizierten Interferon und dem Nukleosid liegen noch nicht vor. Peginterferon stellt gegenüber dem herkömmlichen Interferon einen therapeutischen Fortschritt dar. Unverträglichkeitsreaktionen treten jedoch häufig auf.
2. HEINTGES,
T. et al. Pegyliertes
(PEG-) Interferon : Eine neue Therapieoption bei chronischer Hepatitis C |