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Palivizumab - monoklonaler Antikörper zur Prophylaxe von Infektionen durch RS-Viren (Unveränderter Text aus Heft 3, 2005) Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Respiratory-Syncytial-Viren
(=
RS-Viren) sind RNA-Viren, die zu den Paramyxoviren gezählt werden.
Sie sind
wichtige Erreger von Pneumonien und Bronchiolitiden bei Säuglingen
und
Kleinkindern. Epidemien treten jährlich in den Wintermonaten auf,
bereits im 2.
Lebensjahr ist die Durchseuchung der Kinder abgeschlossen. Das Virus
kann in
jedem Lebensalter Erkrankungen der Atemwege verursachen, besonders
gefährdet
sind jedoch Frühgeborene mit vorgeschädigter Lunge, sowie
Kinder mit
angeborenen Herzfehlern oder mit Immundefekten. Erkranken Patienten
nach
Knochenmarktransplantation ist das Risiko letal verlaufender Pneumonien
mit 50%
ebenfalls hoch. Zur Therapie wird bei Kindern Ribavirin
(VIRAZOLE)
als Feinpartikelaerosol inhalativ
verabreicht. Insgesamt sind die therapeutischen Möglichkeiten als
begrenzt
anzusehen, und da auch keine sichere Impfung zur Verfügung steht,
besteht ein
Bedarf für eine wirksame Prophylaxe. Hygienemaßnahmen, wie
Händewaschen nach
und vor jedem Patientenkontakt, können nachweislich das
Infektionsrisiko
deutlich senken und sollten deshalb strikt eingehalten werden.
Palivizumab
(SYNAGIS) ist ein
humanisierter monoklonaler Antikörper (IgG), der das A-Epitop des
Fusionsproteins des RS-Virus bindet.1 Der Antikörper
setzt sich aus
humanen (95%) und murinen (5%) Antikörpersequenzen zusammen. Er
besitzt eine
Aktivität gegen die beiden RSV-Untertypen A und B, indem er durch
Bindung an
das virale Fusionsprotein die Verschmelzung mit der Zellmembran der
Schleimhautepithelzelle verhindert. Sowohl durch in vitro Experimente
als auch
in Tiermodellen ließen sich bei längerer Behandlung mit dem
Antikörper resistente
Virusmutanten nachweisen. Die klinische Bedeutung dieser Beobachtungen
ist
derzeit noch nicht klar.2
Palivizumab wird einmal
monatlich in
einer Dosierung von 15 mg/kg Körpergewicht intramuskulär
verabreicht,
vorzugsweise in die anterolaterale Seite des Oberschenkels. Bei
Frühgeborenen
und Kindern mit bronchopulmonaler Dysplasie betrug die
Eliminationshalbwertzeit
des Antikörpers etwa 20 Tage und zeigte damit ein ähnliches
pharmakokinetisches
Verhalten wie ein physiologischer IgG-Antikörper. Die
Konzentrationen im Serum
lagen in einem Bereich zwischen etwa 40 und 90 mg/l und damit oberhalb
des
Bereiches, der im Tiermodell zu einer 99%igen Reduzierung der
pulmonalen
RSV-Replikation führte.1 In einer umfangreichen
Doppelblindstudie („IMpact-RSV Study“) an insgesamt 1502 Kindern wurde
die
Wirksamkeit des Präparates mit einer Placebozubereitung verglichen.3
Jedes Kind erhielt fünf Monate lang entweder Palivizumab oder
Placebo, die
Nachbeobachtungszeit lag bei weiteren fünf Monaten. Der Erfolg
wurde unter
anderem beurteilt anhand der Häufigkeit von schwerwiegenden
Infektionen der
unteren Atemwege. Palivizumab führte zu einer deutlichen,
statistisch
signifikanten Reduktion der Krankenhausbehandlungen: in der
Placebogruppe
mussten 10,6% der Teilnehmer stationär behandelt werden, in der
Verumgruppe
waren es nur 4,8%, dies entspricht einem 55%igen Rückgang in der
Häufigkeit der
Infektionen. Besonders deutlich war die positive Wirkung bei den
Frühgeborenen:
die Häufigkeiten der Krankenhausbehandlungen wurden mit 8,1% und
1,8%
berechnet.4
Palivizumab (SYNAGIS) ist ein monoklonaler Antikörper, der durch Bindung an Proteine der RS-Viren eine Infektion durch diese Erreger verhindern kann. Das Medikament wird einmal pro Monat intramuskulär verabreicht. Die Effektivität dieser Vorgehensweise wurde in einer placebokontrollierten Studie nachgewiesen. Die Verträglichkeit ist gut. Eine sorgfältige Indikationsstellung unter Berücksichtigung der Empfehlungen der Pädiatrischen Fachgesellschaften ist notwendig. 1.
SYNAGIS Information für
Fachkreise,
September 2004 (www.fachinfo.de)
2. ZHAO X, SULLENDER WM. In vivo selection of respiratory syncytial viruses resistant to palivizumab. J Virol. 2005 Apr;79(7):3962-8. 3. IMpact-RSV Study Group. Pediatrics 1998; 102: 531 - 537 (PDF) (Abstract) 4. SIMONES EA, GROOTHUIS JR. Respiratory syncytial virus prophylaxis--the story so far. Respir Med. 2002 Apr;96 Suppl B:S15-24.
Seit der Erstellung
und Veröffentlichung dieses Artikels
in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 3, 2005) sind
zahlreiche
weitere Arbeiten über Palivizumab publiziert worden. Insbesondere
soll an dieser Stelle auf die folgenden Arbeiten hingewiesen werden:
AFGHANI B, NGO T et al.
The effect of an interventional program on adherence to the american
academy of pediatrics guidelines for palivizumab prophylaxis. Pediatr Infect Dis J. 2006
Nov;25(11):1019-24.
LEUNG AK, KELLNER JD et al. Respiratory syncytial virus bronchiolitis. J Natl Med Assoc. 2005 Dec;97(12):1708-13. |