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weiterer Zuwachs in der Gruppe der Proteaseinhibitoren Originaltext aus ZCT 04-1998 ![]() Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Strukturformel Nelfinavir
Antivirale Wirkung
Pharmakokinetik
Klinische
Wirksamkeit
Unerwünschte
Wirkungen,
Interaktionen
Nelfinavir hemmt die hepatischen Monooxygenasen und kann über diesen Mechanismus zu zahlreichen klinisch relevanten Interaktionen mit anderen Arzneimitteln führen. Auch in dieser Hinsicht besteht also kein grundsätzlicher Unterschied zu den anderen drei Proteaseinhibitoren. Gewarnt wird unter anderem vor der gleichzeitigen Anwendung der folgenden Medikamente: Astemizol (HISMANAL), Cisaprid (PROPULSIN u.a.), diversen Benzodiazepinen, Ergot-Alkaloiden und einigen Antiarrhythmika. Ausführliche Listen der wichtigsten, bisher bekannten Arzneimittelinteraktionen mit Nelfinavir werden im VIRACEPT- Fachinfo angegeben oder sind im Internet verfügbar.3, 4, 5 ZUSAMMENFASSUNG
1. PERRY
CM, BENFIELD P. Nelfinavir.
Drugs. 1997 Jul;54(1):81-7. 2. MARKOWITZ M, CONANT M et al. A preliminary evaluation of nelfinavir mesylate, an inhibitor of human immunodeficiency virus (HIV)-1 protease, to treat HIV infection. J Infect Dis. 1998 Jun;177(6):1533-40.
Aktuelle
Ergänzungen (Juli 2008) Eine
Kombination von Nelfinavir mit
Ritonavir in niedriger Dosierung ist nicht sinnvoll, da keine
wesentlich
erhöhten Spiegel
resultieren. In einigen klinischen Studien war es im direkten Vergleich
mit
anderen Therapeutika wie zum Beispiel Lopinavir therapeutisch
unterlegen.
Nelfinavir –
Rückrufaktion wegen
Kontamination mit kanzerogener Chemikalie KUROWSKI M, KAESER B et al. Low-dose ritonavir moderately enhances nelfinavir exposure. Clin Pharmacol Ther. 2002 Aug;72(2):123-32 WALMSLEY S, BERNSTEIN B et al. Lopinavir-ritonavir versus nelfinavir for the initial treatment of HIV infection. Rückrufaktion
von Viracept (19. 9.
2007)
Die Firma Roche Pharma hat im Juni 2007 ihr Präparat Viracept® mit dem Wirkstoff Nelfinavir in allen 27 Mitgliedstaaten der EU und einigen anderen Ländern zurückgerufen.1,2 Die Marktzulassung ruht aufgrund einer Entscheidung der europäischen Zulassungsbehörde EMEA. In den USA wird der Wirkstoff von der Fa. Pfizer hergestellt und vertrieben. Das entsprechende Produkt ist von der hier diskutierten Problematik offenbar nicht betroffen. Patienten, die mit Nelfinavir behandelt worden waren, mussten nach dem Rückruf auf andere Therapien umgestellt werden. Der Proteaseinhibitor war etwa 10 Jahre im Handel und lange Zeit eine der am meisten eingesetzten Substanzen in der antiretroviralen Therapie. Die Rückrufaktion wurde notwendig, weil das Arzneimittel mit hohen Konzentrationen von Methansulfonsäureethylester (= Ethylmethansulfonat, EMS) kontaminiert war. Dies war zunächst durch einen unangenehmen Geruch der Tabletten aufgefallen. Die Chemikalie alkyliert die DNA und wirkt damit mutagen bzw. potenziell krebserregend. Zu der Kontamination ist es offenbar aufgrund der Unachtsamkeit eines Mitarbeiters bei der Reinigung eines Tanks im Laufe des Herstellungsprozesses gekommen. Die höchste in den Tabletten gemessene Konzentration an EMS lag bei 960 ppm (also knapp 1‰), während die Konzentration in früheren Chargen meist nur etwa 1 ppm betrug. Es wurde berechnet, dass die maximale Dosis der Chemikalie, die durch Einnahme verunreinigter VIRACEPT Tabletten eingenommen worden sein kann, etwa 0,06 mg/kg beträgt. Dies liegt deutlich unter den im Tierexperiment benutzten Dosierungen, die Tumoren verursachen können. Trotzdem bleibt angesichts des erheblichen toxischen Potenzials der Chemikalie eine gewisse Unsicherheit bestehen.3 Zwischen der EMEA und Roche wurde daher die Einrichtung von zwei Patientenregistern vereinbart. Das erste Register fokussiert auf die Rate maligner Tumore bei den Patienten, die mit den kritischen Chargen der Medikamente behandelt wurden. Betroffen sind zahlreiche Patienten in europäischen und außereuropäischen Ländern. Das zweite Register schließt alle Frauen ein, die das Präparat während der Schwangerschaft eingenommen haben, sowie deren Kinder. Das betrifft Patientinnen aus allen Ländern in denen VIRACEPT von Roche seit 1998 vertrieben wird. Ferner werden in diesem Register alle Patienten erfasst, die in einem Alter von unter 18 mit dem Präparat behandelt wurden. Aufgrund der relativ schlechten Verträglichkeit dieses Proteaseinhibitors (Diarrhöen!) und einer im Vergleich zu „geboosterten“ Proteaseinhibitoren schwächeren Wirkung wurde Nelfinavir in Europa in den letzten Jahren kaum noch verwendet (vgl. ZCT 2007;28:15-18). Es ist nicht anzunehmen, dass nach diesem Rückruf Nelfinavir wieder in den Handel kommt bzw. dass es den Stellenwert wieder erlangt, den es vor Jahren einmal hatte. 1. Rote Hand Briefe Roche Pharma vom 11. Juni 2007 und vom 12. Juli 2007 2. EMEA Pressemitteilung vom 6. Juni 2007 3. N.N. HIV-Report August 2007, S. 2 - 8 Seit der Erstellung und Veröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 4, 1998) sind zahlreiche weitere Arbeiten über Nelfinavir publiziert worden. Insbesondere soll an dieser Stelle auf die folgende Arbeit hingewiesen werden: PERRY CM, FRAMPTON JE et al. Nelfinavir: a review of its use in the management of HIV infection. Drugs. 2005;65(15):2209-44.
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