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Micafungin
- ein weiteres Arzneimittel zur Behandlung von Candida-Infektionen Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Die
Zahl der Patienten mit einem hohen Risiko
für systemische
Pilzinfektionen nimmt
seit Jahren zu. Im Vordergrund stehen dabei
Patienten mit
Immunsuppression als
Folge von Krebserkrankungen,
Organtransplantationen oder
Autoimmunerkrankungen.
Hinsichtlich der Häufigkeit steht Candida
heute an Platz vier der
aus dem Blut
isolierten Erreger bei nosokomialen
Infektionen. Vor diesem Hintergrund
ist die
Entwicklung neuer Antimykotika zur Behandlung
systemischer
Pilzinfektionen zu
begrüßen. Seit der Einführung
von Caspofungin
(CANCIDAS) im Jahre 2002 haben
sich Echinocandine als besser
verträgliche Alternative zum Amphotericin
B
(AMPHOTERICIN B u.a.) bewährt und werden
zunehmend häufig
angewandt. Diese
Wirkstoffgruppe wurde durch Anidulafungin
(ECALTA) einige Jahre
später
erweitert. Seit kurzem ist Micafungin
(MYCAMINE) als ein drittes
Echinocandin
auf dem europäischen Markt. In den USA
ist es bereits seit 2005
verfügbar.1,2,3
Chemische
Struktur, antimykotische Wirkung
Micafungin ist
ein zyklisches Hexapeptid mit einer
langen Seitenkette, die im Rahmen der
halbsynthetischen Herstellung
modifiziert
wird. Die Ausgangsverbindung wurde bereits 1989
entdeckt; sie
unterscheidet
sich von anderen Echinocandinen durch eine
Sulfatgruppe, die dem
Molekül eine
ausreichende Wasserlöslichkeit verleiht. Im
Präparat MYCAMINE
liegt der
Wirkstoff als Natriumsalz vor.
Es wirkt entweder fungistatisch oder fungizid durch Hemmung des Enzyms 1,3-β-D-Glucansynthase. 1,3-β-D-Glucan ist ein wesentlicher Bestandteil der Pilzzellwand, der im Säugetierorganismus nicht vorkommt. Die Hemmung des Enzyms führt zur Destabilisierung der Zellwandstruktur und schließlich zur Lyse der Pilzzelle. Strukturformel von Micafungin Zum
Wirkungsspektrum von Micafungin gehören
Candida-Arten (C.
albicans,
C.
glabrata, C. tropicalis, C. krusei
u.a). Die minimalen
Hemmkonzentrationen
dieser Erreger liegen ganz überwiegend
deutlich unter 1 mg/l. Auch
Isolate mit
Resistenz gegen Fluconazol
(DIFLUCAN u.a.) werden erfasst. Die
Wachstumszonen
der Hyphen von Aspergillus-Arten werden
ebenfalls beeinflusst, gegen
diese
Pilze wirkt Micafungin fungistatisch.
Hinsichtlich der antimykotischen
Aktivität unterscheidet sich Micafungin
damit praktisch nicht von
den anderen
beiden Echinocandinen.
Pharmakokinetische
Eigenschaften
Micafungin wird
einmal täglich als einstündige
Infusion verabreicht. Die empfohlene Dosierung
beträgt bei einem
Körpergewicht
von mehr als 40 Kilogramm und einmal
täglicher Gabe 50 mg
(Prophylaxe von
Candida-Infektionen), 100 mg (invasive
Candidiasis) beziehungsweise 150
mg
(ösophageale Candidiasis). Eine
Dosisanpassung bei Patienten mit
eingeschränkter
Nierenfunktion ist nicht erforderlich. Der
Wirkstoff liegt im Blut zu
mehr als
99 Prozent an Plasmaproteine, hauptsächlich
an Albumin, gebunden
vor. Das
Verteilungsvolumen wurde mit 18 bis 19 l
berechnet. Es wurden mehrere
Metaboliten
der Substanz nachgewiesen. Durch das Enzym
Arylsulfatase entsteht der
Metabolit
M-1, der anschließend durch die
Catechol-O-methyltransferase in
die Methoxyform
(M-2) überführt wird. In
vitro ist der Wirkstoff ein Substrat
von CYP3A, die
Hydroxylierung zählt jedoch nicht zu den
Hauptstoffwechselwegen
von Micafungin.
Die mittlere terminale Halbwertzeit liegt bei 10
bis 17 Stunden. Die
Substanz
wird ganz überwiegend extrarenal
eliminiert.
Therapeutische
Wirksamkeit
Die
Wirksamkeit von Micafungin wurde
in mehreren Studien im Vergleich mit anderen
Antimykotika
untersucht.4,5,6,7
Im direkten Vergleich konnten in einer
dreiarmigen Doppelblindstudie an
insgesamt 595 Patienten mit systemischer
Candida-Infektion keine
Unterschiede
in der Wirksamkeit zwischen Caspofungin und
Micafungin festgestellt
werden.
Caspofungin wurde in der üblichen Dosierung
von 50 mg (initial 70
mg)
verabreicht, Micafungin war in täglichen
Dosierungen von 100 mg
und 150 mg
gleichwirksam wie Caspofungin.
In
einer
weiteren
Doppelblindstudie war Micafungin bei insgesamt
fast
400 Patienten mit Candidämie und invasiver
Candidiasis ebenso
wirksam wie
liposomales Amphotericin
B (AMBISOME). Der primäre Endpunkt
(klinisches und
mykologisches Ansprechen am Ende der Therapie)
wurde in beiden Gruppen
in knapp
90 Prozent der Fälle erreicht. Im Vergleich
von Micafungin (150
mg) und Fluconazol
(200
mg) bei der Behandlung der ösophagealen
Candidiasis wurden in
beiden Gruppen Ansprechraten
von jeweils etwa 87 Prozent beobachtet. Bei der
Prävention einer
Mykose bei 882 erwachsenen und
pädiatrischen Patienten, die eine
Knochenmarktransplantation
erhielten, war Micafungin in
einer Dosierung für Erwachsene von 50 mg
täglich wirksamer
als Fluconazol in
einer Dosierung von 400 mg. Kinder erhielten
Dosierungen von 1 mg/kg
bzw. 8
mg/kg Körpergewicht. Unter Micafungin
entwickelten 80 Prozent der Patienten keine
Mykose gegenüber 73,5
Prozent der
Patienten, die Fluconazol erhielten.
Interaktionen, Verträglichkeit, Toxizität Die
Behandlung mit Micafungin ist mit einem geringen
Risiko für
Cytochrom-P450-vermittelte
Arzneimittelinteraktionen verbunden. Zum
Beispiel
sollen die Patienten bei gleichzeitiger
Behandlung mit Sirolimus
(RAPAMUNE),
Nifedipin (ADALAT u.a.) oder Itraconazol
(SEMPERA u.a.) hinsichtlich
toxischer
Wirkungen dieser Arzneistoffe überwacht
werden, weil die
Exposition gegenüber
diesen Stoffen im Mittel um ca. 20% erhöht
ist. Gegebenenfalls ist
die
Dosierung von Sirolimus, Nifedipin oder
Itraconazol zu reduzieren.
Bei
der
Entscheidung zur Therapie mit dem neuen
Echinocandin sollte laut
Fachinformation MYCAMINE „in Betracht gezogen
werden, dass ein Risiko
zur Lebertumorbildung
besteht“. Das Präparat ist daher nur
anzuwenden, wenn
andere
Antimykotika nicht geeignet sind. Die Relevanz
des hepatokarzinogenen
Potenzials für die therapeutische Anwendung
beim Menschen ist
nicht bekannt.
Bedenklich erscheint, dass die Exposition im
Tierexperiment an dem
vermutlichen
Schwellenwert für Tumorentwicklung im
selben Bereich lag, wie die
klinische
Exposition. Die Behandlungsdauer in der
Toxizitätsstudie an Ratten
war zwar
länger als die übliche Dauer einer
antimykotischen Therapie,
aber mit drei bzw.
sechs Monaten kürzer, als in
Standard-Kanzerogenitätsstudien.
Die Tumore wurden
mehrere Monate nach Ende der Behandlung
beobachtet.
Die
Gesamthäufigkeit unerwünschter
Wirkungen auf die Leber
bei mit Micafungin behandelten Patienten in
klinischen Prüfungen
betrug 8,6
Prozent (260/3028). Nur bei wenigen Patienten
musste die Behandlung
aufgrund
einer hepatischen Symptomatik abgebrochen
werden. Während der
Behandlung mit
Micafungin muss die Leberfunktion
sorgfältig überwacht
werden. Bei einem
Anstieg der Leberenzyme muss die Therapie
beendet werden. Vor allem bei
Patienten mit bereits bestehenden
Lebererkrankungen darf das
Antimykotikum nur
nach sorgfältiger
Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden.
Die
häufigsten während der klinischen
Prüfung beobachteten
Nebenwirkungen des neuen Arzneimittels sind
Störungen des
Gastrointestinaltraktes
(Übelkeit, Erbrechen, Durchfall,
Bauchschmerzen),
Elektrolytstörungen (Hypokaliämie,
Hypomagnesämie), sowie Kopfschmerzen,
Venenentzündungen an
der Infusionsstelle,
Ausschlag und Fieber. Auch
Blutbildveränderungen (Leukopenie,
Anämie) können
auftreten. In Einzelfällen wurden Patienten
beschrieben, die
während der
Behandlung mit Micafungin aufgrund massiver
Hämolyse ein
Nierenversagen
entwickelten.
ZUSAMMENFASSUNG
Micafungin
(MYCAMINE) ist ein
weiteres Antimykotikum aus der Gruppe der
Echinocandine zur Behandlung systemischer
Pilzinfektionen. Es hemmt das
Enzym
1,3-β-D-Glucansynthase und stört dadurch
einen regelrechten Aufbau
der Zellwand
der Erreger. Gegenüber Candida-Arten wirkt
es fungizid oder
fungistatisch. Nach
intravenöser Verabreichung wird es in der
Leber metabolisiert; die
Abbauprodukte werden überwiegend mit dem
Stuhl eliminiert. Die
Eliminationshalbwertzeit liegt bei 10 bis 17
Stunden. In mehreren
Doppelblindstudien wurde die therapeutische
Wirksamkeit bei
systemischen
Candida-Infektionen gezeigt; bei
Aspergillus-Infektionen ist das
Präparat nicht
geprüft und nicht zugelassen. Die
wichtigsten unerwünschten
Wirkungen betreffen
den Gastrointestinaltrakt. Die Leberfunktion
muss kontrolliert werden.
Daneben
wurden Blutbildveränderungen und
Hautreaktionen beobachtet. Bei
der
Nutzen-Risiko-Abwägung einer Therapie mit
dem Antimykotikum muss
das
tierexperimentell festgestellte,
hepatokanzerogene Potenzial der
Substanz
berücksichtigt werden.
1. HASHIMOTO
S.
Micafungin:
a
sulfated
echinocandin.
J Antibiot (Tokyo). 2009 Jan;62(1):27-35. 2. Fachinfo MYCAMINE Astellas Pharma, Leiderdorp (Niederlande) 3. CROSS SA, SCOTT LJ. Micafungin: a review of its use in adults for the treatment of invasive and oesophageal candidiasis, and as prophylaxis against Candida infections. Drugs. 2008;68(15):2225-55. 4. KUSE ER, CHETCHOTISAKD P et al. Micafungin Invasive Candidiasis Working Group. Micafungin versus liposomal amphotericin B for candidaemia and invasive candidosis: a phase III randomised double-blind trial. Lancet. 2007 May 5;369(9572):1519-27. 5. DE WET NT, BESTER AJ et al. A randomized, double blind, comparative trial of micafungin (FK463) vs. fluconazole for the treatment of oesophageal candidiasis. Aliment Pharmacol Ther. 2005 Apr 1;21(7):899-907. 6. VAN BURIK JA, RATANATHARATHORN V et al. Micafungin versus fluconazole for prophylaxis against invasive fungal infections during neutropenia in patients undergoing hematopoietic stem cell transplantation. Clin Infect Dis. 2004 Nov 15;39(10):1407-16. 7. NANRI T, IWANAGA E et al. Micafungin-induced immune hemolysis attacks. Int J Hematol. 2009 HORN DL, NEOFYTOS D et al. Epidemiology and outcomes of candidemia in 2019 patients: data from the prospective antifungal therapy alliance registry. Clin Infect Dis. 2009 Jun 15;48(12):1695-703. |