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Metronidazol Unveränderter Text aus ZCT Heft 2, 2011 Der
Vorläufer von Metronidazol (CLONT u.a.) war Azomycin, ein
Antibiotikum mit
Nitroimidazol-Struktur, das aus Streptomyces-Arten isoliert wurde. Da
es sich
für eine klinische Verwendung als zu toxisch erwies, wurden besser
verträgliche
Derivate synthetisiert. Metronidazol wurde in den 1950er Jahren
zunächst zur
Behandlung von Infektionen durch Trichomonas
vaginalis entwickelt. Strukturformel
Metronidazol Wirkmechanismus,
Wirkungsspektrum Das
antimikrobielle Spektrum schließt neben T.
vaginalis auch eine Vielzahl anderer Protozoen mit ein (z.B. Entamoeba histolytica, Giardia lamblia),
und es wirkt rasch bakterizid gegen obligat anaerobe gramnegative
Bakterien,
wie z.B. Bacteroides fragilis. Auch
die grampositiven Anaerobier, wie Peptostreptokokken und Clostridien,
gehören
zum Spektrum, jedoch muss bei diesen Erregern mit resistenten
Stämmen gerechnet
werden. Therapeutische Bedeutung hat auch die Aktivität der
Substanz gegen Gardnerella vaginalis und gegen Helicobacter pylori.1,2 Voraussetzung
für
die antimikrobielle Wirkung der Substanz ist die Reduktion der
Nitrogruppe.
Die erforderlichen Elektronen können aus verschiedenen Quellen des
Stoffwechsels der Erreger stammen. Die bei diesen Vorgängen
entstehenden
reaktiven Zwischenprodukte führen zu einer Schädigung der DNA
und anderer
Makromoleküle (Proteine, Membranen etc.). Pharmakokinetische
Eigenschaften
Nach
oraler Gabe wird Metronidazol rasch und annähernd vollständig
resorbiert,
während die Bioverfügbarkeit nach intravaginaler Anwendung
mit etwa 20%
deutlich geringer ist. Nach einer Kurzinfusion von 500 mg liegen die
Serumspiegel
bei etwa 13 bis 15 mg/l, die Proteinbindung ist mit ca. 15% niedrig.
Metronidazol besitzt ein hohes Verteilungsvolumen, das mit etwa 0,5 bis
1,1
l/kg angegeben wird. Therapeutisch wirksame Konzentrationen werden in
den
Geweben und in Körperflüssigkeiten erreicht. Metronidazol
wird
bis zu 18 % unverändert und in Form von Metaboliten renal
eliminiert. Die
Eliminationshalbwertzeit liegt bei 7 bis 8 Stunden. Der
Hydroxymetabolit von
Metronidazol weist eine antimikrobielle Aktivität auf,
während die anderen
Abbauprodukte unwirksam sind. Bei renaler Insuffizienz ist eine
Dosisanpassung
im allgemeinen nicht erforderlich. Bei Patienten mit ausgeprägter
hepatischer
Insuffizienz kann die Halbwertzeit bis auf 30 Stunden verlängert
sein und die
Dosis sollte in diesen Fällen mindestens halbiert werden.3,4 Therapeutische
Anwendung
und Dosierung Metronidazol
ist
indiziert bei Anaerobier-Infektionen, wie zum Beispiel bei
Abszessen, bei
einer Peritonitis sowie bei Endometritis und anderen
gynäkologischen Infektionen.2
Da es sich in der Regel um Mischinfektionen handelt, ist eine
Kombination mit
Antibiotika erforderlich, die gegen aerobe Bakterien wirksam sind (z.B.
ein
Aminoglykosid oder Cephalosporin). Bei einer Aspirationspneumonie werden im Allgemeinen andere
Wirkstoffe eingesetzt [z.B. Clindamycin (SOBELIN u.a.) oder ein
Penicillin
zusammen mit ß-Laktamase-Inhibitor (UNACID u.a.)]. Weitere
Indikationen
sind Trichomoniasis und Vaginitis durch Gardnerella
vaginalis. Da diese Infektionen während der Schwangerschaft
zumindest bei bestimmten Risikopatienten mit einem erhöhten Risiko
für
Frühgeburten assoziiert sind, wird auch bei Schwangeren die orale
Therapie mit
Metronidazol empfohlen.5 Amöbenruhr und Darminfektionen
durch Giardia lamblia sind weitere Indikationen
für Metronidazol. Zusammen mit einem anderen Antibiotikum und
einem
Protonenpumpen-Inhibitor kann die Substanz zur Eradikation von Helicobacter pylori eingesetzt werden.
Die regional sehr unterschiedliche Resistenzlage muss aber vor allem
bei dieser
Indikation beachtet werden. Metronidazol kann zur Behandlung der
pseudomembranösen Kolitis eingesetzt werden, dabei stellt es eine
etwa gleich
gut wirksame und kostengünstigere Alternative zu Vancomycin
(VANCOMYCIN) dar. In der
Zahnheilkunde wird Metronidazol zusammen mit Amoxicillin bei
generalisierter,
aggressiver Parodontitis als Ergänzung zu zahnärztlichen,
mechanischen
Interventionen angewandt. Dosierung
von
Metronidazol
Unerwünschte
Wirkungen,
Kontraindikationen
und Risiken Gastrointestinale
Störungen,
wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen,
gehören zu den
häufigsten unerwünschten Wirkungen. Eine Pankreatitis ist
selten beobachtet
worden. Einige Patienten bemerken einen unangenehmen Metallgeschmack.
Auch
Reaktionen des Nervensystems (z.B. Benommenheit, Ataxie, Schwindel,
Krampfanfälle, Parästhesien) sind als unerwünschte
Wirkungen des Metronidazols
bekannt. Urtikaria, Exantheme, Juckreiz und eine reversible Neutropenie
wurden ebenfalls
berichtet. Durch Hemmung des Alkoholmetabolismus soll es zum sog.
„Antabus-Syndrom“ kommen, wie in Fallberichten beschrieben wurde. Bei
gesunden
Probanden führte die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und
Metronidazol allerdings
nicht zu einem Anstieg von Ethanol oder Acetaldehyd. Antabus-artige
Symptome
traten bei keinem der Probanden auf.6 Im
Tierexperiment erwies sich Metronidazol nach langfristiger
Verabreichung als kanzerogen.
Beobachtungen beim Menschen gaben bisher keinen Anhalt für ein
entsprechendes
Risiko. Es wird aber empfohlen, die Behandlungsdauer auf maximal zehn
Tage zu
begrenzen. ZUSAMMENFASSUNG:
Metronidazol
(CLONT u.a.) hat sich seit fünf Jahrzehnten als
wirksames Antibiotikum
bei parasitären und bakteriellen Infektionen bewährt. Zum
Spektrum gehören
unter anderem Trichomonas vaginalis, Entamoeba
histolytica,
Clostridium difficile
und Giardia lamblia. Es wirkt bakterizid gegen obligat anaerobe
gramnegative Bakterien, wie z.B. Bacteroides
fragilis. Die Eliminationshalbwertzeit liegt bei 7 bis 8 Stunden.
Nach
oraler Gabe wird Metronidazol rasch und annähernd vollständig
resorbiert, das
Verteilungsvolumen ist hoch. Metronidazol wird unverändert oder in
Form von
Metaboliten renal eliminiert. Metronidazol ist indiziert bei Abszessen,
bei
einer Peritonitis sowie bei Endometritis und anderen
gynäkologischen
Infektionen. Therapeutische Bedeutung hat die Substanz auch bei
Infektionen
durch Gardnerella vaginalis, Helicobacter
pylori und Clostridium difficile. Zu den häufigsten
unerwünschten Wirkungen
zählen Störungen des Gastrointestinaltraktes und Reaktionen
des Nervensystems. 1.
SALVATORE, M.,
MEYERS, B.R. Metronidazole. In: Mandell, Douglas, and Bennett's
Principles and
Practice of Infectious Diseases (Mandell GL, Bennett JE, Dolin R, eds).
7th Edition 2010, Vol 1,
Churchill Livingstone,
Clin
Inf Dis 2010; 50
(Suppl
1):S16-S23
Clin
Pharmacokinet 1999;
36: 353-373
Ann
Pharmacother
2002; 36:971-974 Aktuelle Ergänzungen ZCT 3/2011 Metronidazol-induzierte Enzephalopathie (in Kürze) |