Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Infektionstherapie

Malarone -
ein Kombinationspräparat zur Malariatherapie
Originaltext aus ZCT 05-2000
Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes



Die Behandlung der Malaria wird durch eine Vielzahl von Resistenzen kompliziert. Daher sind neue Chemotherapeutika zur Prophylaxe und Therapie dieser häufigen Tropenkrankheit erforderlich.

Atovaquon (WELLVONE) ist ein Hydroxychinonderivat mit Aktivität gegen verschiedene Parasiten wie Toxoplasmen, Pneumozysten und auch Plasmodien.  Es hemmt die Atmungskette in den Mitochondrien der Parasiten.  Unter einer Monotherapie entwickeln sich jedoch rasch Resistenzen, die bei vielen Patienten zum Rezidiv führen.  Proguanil (PALUDRINE) wird zu Cycloguanil metabolisiert und wirkt vor allem in dieser Form als Inhibitor der Dihydrofolsäure-Reduktase.

Proguanil allein hat nur eine geringe Aktivität gegen Plasmodien und ist kaum in der Lage, eine Malaria zur Ausheilung zu bringen. Die Kombination beider Substanzen in einer Dosierung von 1000 mg Atovaquon und 200 mg Proguanil über drei Tage führte jedoch zu einer erfolgreichen Behandlung bei 90% von 140 erwachsenen Patienten, ohne dass ein Rückfall beobachtet worden wäre. Die Aktivität dieser Kombination gegen Plasmodium vivax, dem Erreger der Malaria tertiana, ist jedoch nicht ausreichend.1

Auch zur Prophylaxe der Malaria kann dieses Kombinationspräparat eingesetzt werden; für diese Indikation ist es jedoch in Deutschland bisher nicht zugelassen.  Zur Prophylaxe wird die tägliche Einnahme einer Tablette mit 250 mg Atovaquon und 100 mg Proguanil empfohlen.  Die Prophylaxe sollte eine Woche nach Verlassen der Malariagebiete fortgesetzt werden.2

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen dieser Kombination sind Übelkeit und Erbrechen, die bei rund 30% der Patienten auftreten, weiterhin Kopf- und abdominelle Schmerzen sowie Inappetenz, Diarrhö und Husten. Daneben können reversible Veränderungen der Leberfunktionswerte auftreten.3

Die Pharmakokinetik von Atovaquon ist durch die hohe Lipophilie charakterisiert. Die Bioverfügbarkeit ist mit rund 20% recht gering und zudem sehr variabel, lässt sich jedoch durch die Einnahme mit Milch oder einer Mahlzeit erheblich verbessern.  Atovaquon bindet zu 99% an Plasmaproteine, jedoch wurde bisher keine Verdrängung anderer Medikamente aus der Plasmaproteinbindung beobachtet.  Atovaquon wird kaum metabolisiert und überwiegend unverändert mit den Fäzes eliminiert.  Die Eliminationshalbwertzeit beträgt zwei bis drei, bei Kindern ein bis zwei Tage.4

Proguanil wird rasch und vollständig enteral resorbiert.  Es bindet zu 75% an Plasmaproteine und wird zu 60% metabolisiert, überwiegend zum pharmakologisch aktiveren Cycloguanil.  Die Metaboliten werden ebenso wie die Muttersubstanz renal mit einer Halbwertzeit von 12-15 Stunden eliminiert. Pharmakokinetische Interaktionen, die zu einer Verminderung der Plasmaspiegel von Atovaquon führen, treten unter gleichzeitiger Therapie mit Metoclopramid (PASPERTIN u.a.), Tetrazyklin (SUPRAMYCIN u.a.) und vor allem mit Rifampicin (EREMFAT u.a.) auf.4


ZUSAMMENFASSUNG

Die Kombination von Atovaquon mit Proguanil (MALARONE) stellt eine Alternative zur Behandlung der unkomplizierten resistenten Malaria bei Kindern und Erwachsenen dar.  Zur Chemoprophylaxe ist diese Kombination prinzipiell geeignet, in Deutschland jedoch nicht zugelassen.



Aktuelle Ergänzungen (September 2007)


Hinweis: Aktuelle Informationen von der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin über geeignete Arzneimittel, Behandlungsrichtlinien, aktuelle klinische Studien und andere Aspekte der Malaria-Therapie finden Sie unter http://www.dtg.org/malaria.html

Seit der Erstellung und Veröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 5, 2000) sind zahlreiche weitere Arbeiten über Malarone publiziert worden. Insbesondere soll an dieser Stelle auf die folgenden Arbeiten hingewiesen werden:


Neueinführungen ZCT-Homepage