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Levofloxacin -
die bessere
Hälfte von Ofloxacin
Originaltext
aus ZCT 02-1998 
Aktuelle Ergänzungen am Ende
des Textes
Ofloxacin
(TARIVID) ist seit mehr als 10 Jahren eines der am häufigsten
angewandten
Fluorchinolone. Chemisch gesehen stellt der Wirkstoff Ofloxacin ein
Gemisch
(Racemat) aus zwei optischen Enantiomeren dar: einer R- und einer
S-Form.
Da nur eine dieser beiden unterschiedlichen Verbindungen antibakteriell
wirksam ist, lag es nahe, den eigentlichen Wirkstoff zur Therapie
anzubieten.
Die S-Form aus dem Racemat Ofloxacin wird jetzt als Levofloxacin
(TAVANIC)
in den Handel gebracht. 1

Strukturformel Levofloxacin
Antibakterielle
Eigenschaften
Wie Ofloxacin besitzt auch Levofloxacin eine
gute bakterizide
Wirkung gegenüber klinisch wichtigen gramnegativen Bakterien. Dazu
gehören zum Beispiel Haemophilus influenzae sowie zahlreiche
Enterobacteriaceae,
wie Escherichia coli, Proteus mirabilis, Proteus vulgaris und
Klebsiella
pneumoniae. Erwartungsgemäß ist die Aktivität etwa
doppelt
so hoch, wie die des Ofloxacins. Trotzdem ist auch Levofloxacin
gegenüber
Pseudomonas aeruginosa etwas weniger wirksam als Ciprofloxacin
(CIPROBAY). Da Levofloxacin auch im grampositiven Bereich doppelt so
wirksam
ist wie Ofloxacin, sind Pneumokokken und andere grampositive Erreger
als
empfindlich eingestuft. Damit eröffnen sich neue therapeutische
Möglichkeiten.
Pharmakokinetische
Eigenschaften
Levofloxacin wird praktisch vollständig
aus dem
Magen-Darmtrakt resorbiert. Die maximale Plasmakonzentration nach
Einnahme
von 500 mg liegt bei etwa 5 mg/l und die "Fläche unter der
Konzentrations-Zeit-Kurve"
wurde mit 48 mg x
h/l berechnet. Etwas höhere Werte ergeben sich nach
intravenöser
Verabreichung (6,3 mg/l bzw. 55 mg x
h/l). Die Eliminationshalbwertzeit beträgt etwa 6 - 8 Stunden, das
Verteilungsvolumen wird mit etwa 1,2 l/kg angegeben, die Proteinbindung
ist mit Werten zwischen 24 und 38% relativ niedrig.2
Die Elimination von Levofloxacin erfolgt
fast ausschließlich
renal und ist daher von der Nierenfunktion abhängig. Bei einer
Kreatinin-Clearance
von 20 bis 50 ml/min beträgt die Eliminationshalbwertzeit zum
Beispiel
etwa 27 Stunden. Diese Zusammenhänge müssen
berücksichtigt
werden, um eine Kumulation zu vermeiden. Prinzipiell ist zu bedenken,
daß
bei jedem älteren Patienten mit einer physiologischen
Einschränkung
der renalen Elimination zu rechnen ist. Eine Dosisanpassung bei
eingeschränkter
Leberfunktion ist nicht erforderlich
Therapeutische
Wirksamkeit
Die übliche therapeutische Dosis von
Levofloxacin
beträgt einmal täglich 500 mg, bei Harnwegsinfektionen einmal
täglich 250 mg. Levofloxacin kann prinzipiell bei allen
Indikationen
angewandt werden, bei denen sich Ofloxacin als wirksam bewährt
hat.
Darüber hinaus kommt Levofloxacin auch zur Behandlung von ambulant
erworbenen Infektionen der Atemwege in Frage. Bei purulenter Bronchitis
und Pneumonie hat es sich als effektiv erwiesen. In einer großen
Studie war das neue Medikament im Vergleich zu einer
Cephalosporin-Therapie
besser wirksam. Damit steht Levofloxacin neben Sparfloxacin
(ZAGAM) und Grepafloxacin
(VAXAR) als ein weiteres Fluorchinolon für die Therapie von
Pneumokokken-verursachten
Infektionen zur Verfügung. Die Verträglichkeit der
Präparate
und ökonomische Aspekte werden entscheiden, welches dieser
Chinolone
bei Infektionen der Atemwege in Zukunft bevorzugt eingesetzt wird.
Gastrointestinale Beschwerden sind die
häufigsten
unerwünschten Wirkungen, die während der Therapie mit
Levofloxacin
registriert wurden. Daneben können zentralnervöse
Störungen
auftreten (Schlafstörungen, Benommenheit). In Vergleichsstudien
mit
Ofloxacin oder Ciprofloxacin erwies sich Levofloxacin als etwa gleich
gut
verträglich. Bekanntlich ist das phototoxische Potential von
Ofloxacin
(und damit auch das von Levofloxacin) gering, nur bei erheblicher
Einwirkung
von UV-Strahlung sind Hautreaktionen möglich. Auch hinsichtlich
möglicher
Interaktionen mit anderen Arzneimitteln, die durch hepatische
Monooxygenasen
abgebaut werden [z. B. Theophyllin (EUPHYLLIN u.a.)], besteht kein
Risiko
für klinisch relevante Effekte. Es muß jedoch beachtet
werden,
daß durch Komplexbildung mit di- oder trivalenten Kationen die
Bioverfügbarkeit
aller Chinolone deutlich reduziert wird. Eine gleichzeitige Einnahme
mit
mineralischen Antazida (z. B. MAALOX) muß daher vermieden werden.
Levofloxacin (TAVANIC) ist ein neues
Fluorchinolon, das
chemisch gesehen den mikrobiologisch aktiven Anteil von Ofloxacin
(TARIVID)
darstellt (S-Enantiomer). Die Substanz weist eine doppelt so hohe
antibakterielle
Aktivität wie das Racemat auf. Aufgrund dieser
Aktivitätssteigerung
werden jetzt auch Pneumokokken zuverlässig erfaßt, die
Substanz
kann damit bei Infektionen der Atemwege angewandt werden. Die
Empfehlung
für eine höhere Einzeldosis trägt ebenfalls zu einer
deutlich
verbesserten therapeutischen Wirksamkeit bei (500 mg Levofloxacin
entsprechen
1000 mg Ofloxacin!). Hinsichtlich der Verträglichkeit und des
Interaktionspotentials
sind Levofloxacin und Ofloxacin als vergleichbar anzusehen.
Aktuelle Ergänzungen (Dezember 2009)
Seit der Erstellung
und Veröffentlichung dieses Artikels
in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 2, 1998) sind
zahlreiche
weitere Arbeiten über Levofloxacin publiziert worden.
Insbesondere
soll an dieser Stelle auf die folgenden Arbeiten hingewiesen werden:
1.
LYNCH JP 3rd, FILE TM Jr et al. Levofloxacin
for the treatment of community-acquired pneumonia.
Expert
Rev Anti Infect Ther. 2006 Oct;4(5):725-42.
2. BUCANEVE
G, MICOZZI A et al. Levofloxacin
to prevent bacterial infection in patients with cancer and
neutropenia.
N
Engl J Med. 2005 Sep 8;353(10):977-87.
3. SHAMS
WE, EVANS ME. Guide
to selection of fluoroquinolones in patients with lower respiratory
tract
infections.
Drugs.
2005;65(7):949-91.
4. VAN
BAMBEKE F, MICHOT JM et al. Quinolones
in 2005: an update.
Clin
Microbiol Infect. 2005 Apr;11(4):256-80.
5. LODE
H, ELLER J et al. Levofloxacin
versus clarithromycin in COPD exacerbation: focus on
exacerbation-free
interval. Eur
Respir J. 2004 Dec;24(6):947-53.
6. HURST
M, LAMB HM et al. Levofloxacin:
an updated review of its use in the treatment of bacterial
infections.
Drugs.
2002;62(14):2127-67.
7. LANGTRY
HD, LAMB HM. Levofloxacin.
Its use in infections of the respiratory tract, skin, soft
tissues
and
urinary tract. Drugs.
1998 Sep;56(3):487-515.
8. ANDERSON
VR, PERRY CM.
Levofloxacin : a review of its use as a high-dose, short-course
treatment
for
bacterial infection. Drugs. 2008;68(4):535-65.
9. BRADLEY
JS, ARGUEDAS A et al. Comparative
study of levofloxacin in the treatment of children with
community-acquired
pneumonia. Pediatr Infect Dis J. 2007 Oct;26(10):868-78.
10. WOODHEAD M, BLASI F et al.
Guidelines for the management of adult lower respiratory tract
infections. Eur Respir J. 2005 Dec;26(6):1138-80.
11. GOTTSCHALKK
AW, BACHMAN JW. Death
following bilateral complete Achilles tendon rupture
in a
patient
on fluoroquinolone therapy: a case report. J Med CaseReports.
2009 Jan 6;3:1.
12. SENDZIK
J, LODE H et al. Quinolone-induced
arthropathy: an update focusing on new mechanistic and
clinical
data. Int J Antimicrob Agents. 2009 Mar;33(3):194-200.
13. KUO CH, HU HM et al. Efficacy
of levofloxacin-based rescue therapy
for Helicobacter pylori infection
after
standard triple therapy: a
randomized controlled trial.
J Antimicrob Chemother. 2009
May;63(5):1017-24.
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