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zur Therapie der Hepatitis B Originaltext aus ZCT 01-2000 ![]() Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Seit
mehr als drei Jahren steht Lamivudin
(ZEFFIX) zur Therapie von HIV-infizierten Patienten zur Verfügung
(vgl. ZCT 1996; 17:44 und ZCT 1998; 19: 42-43). Üblicherweise wird
das Nukleosidanalogon bei Erwachsenen in einer Dosierung von 2-mal
täglich
150 mg in Kombination mit anderen HIV-wirksamen Chemotherapeutika
verabreicht.
Bei dieser Indikation hat es sich - nicht zuletzt aufgrund der guten
Verträglichkeit
- bewährt und ist heute als ein Standardtherapeutikum anzusehen.
Unter
dem Handelnamen ZEFFIX wird die
Substanz nun für
eine andere Indikation auf den Markt gebracht: in einer täglichen
Dosierung von 100 mg ist es angezeigt zur Behandlung von Patienten mit
chronischer Hepatitis B und einer nachweisbaren Virus-Replikation mit
einer
dekompensierten Lebererkrankung oder mit einer histologisch
nachgewiesenen
aktiven Leberentzündung und / oder Fibrose. Pharmakologische
Grundlage
für diese Indikation ist die ausgeprägte in vitro
Aktivität
der Substanz gegen das Hepatitis B Virus. Es wird sowohl von
infizierten
als auch von nicht-infizierten Zellen zum Triphosphat metabolisiert,
dem
die eigentliche antivirale Aktivität durch Hemmung der
DNA-Polymerase
zukommt.1
Die pharmakokinetischen Eigenschaften des Arzneimittels erlauben die einmal tägliche, orale Verabreichung: es wird zu etwa 80% aus dem Magen-Darmtrakt resorbiert und mit einer Halbwertzeit von 5 bis 7 Stunden eliminiert. Die "intrazelluläre Halbwertzeit" des Triphosphates ist länger (bis zu 19 Stunden). Aufgrund der ganz überwiegend renalen Elimination muß die Dosierung bei Patienten mit Niereninsuffizienz reduziert werden. 1,2 Klinische Erfahrungen Die
klinische Anwendung basiert auf der
Auswertung serologischer
und histologischer Daten, die hauptsächlich aus Studien mit einer
Dauer von einem Jahr bei HBeAg-positiven Patienten mit kompensierter
Lebererkrankung
stammen. Über eine umfangreiche klinische Studie bei Patienten mit
Hepatitis B hatten wir bereits früher berichtet (ZCT 1998; 19:
46-47).
Diese Studie zeigte den Nutzen von Lamivudin im Vergleich zu Placebo -
gab aber keine Anworten auf die Fragen, ob die positiven Wirkungen auch
nach Absetzen des Medikamentes erhalten bleiben und wie die
therapeutischen
Möglichkeiten im direkten Vergleich mit Interferon alpha zu
bewerten
sind.2
In einer neueren Studie wurde die Überlegenheit des Virustatikums im direkten Vergleich mit Placebo bestätigt und es konnte gezeigt werden, daß die HBeAg Veränderungen nach Abschluß der einjährigen Therapie der Behandlung bei der Mehrzahl der Patienten einige Wochen anhielt.4 Verträglichkeit und Resistenzentwicklung Die
gute Verträglichkeit von
Lamivudin zeigte sich
in allen klinischen Studien. Die unerwünschten Symptome waren
meist
unspezifisch und unterschieden sich in ihrer Häufigkeit im
allgemeinen
nicht signifikant von der Häufigkeit derartiger Symptome
(Kopfschmerzen,
Mattigkeit etc.) in der Placebogruppe. Sie werden also offenbar eher
durch
die Erkrankung als durch das Medikament verursacht.
Die Empfindlichkeit der Viren kann unter der Therapie abnehmen, die klinische Bedeutung dieser Beobachtung läßt sich noch nicht abschließend beurteilen. Bei längerer Therapiedauer sind sogenannte YMDD-HBV-Mutanten (HBV-Subpopulationen mit einer reduzierten Empfindlichkeit) nachgewiesen worden. Deren Häufigkeit nimmt mit der Dauer der Behandlung zu (etwa 20% nach 1 Jahr, etwa 50% nach 3 Jahren) und kann bei immunsupprimierten Patienten höher liegen. Diese Mutanten scheinen jedoch weniger vermehrungsfähig zu sein und kehren überwiegend innerhalb einiger Monate nach Ende der Behandlung zum Wildtyp-Status zurück. ZUSAMMENFASSUNG Die orale Behandlung
mit
Lamivudin (ZEFFIX)
in einer relativ niedrigen Dosis ist bei Patienten mit chronischer
Hepatitis
B signifikant wirksamer als Placebo und stellt eine wichtige
Alternative
zur Therapie mit Interferon (ROFERON) dar. Lamivudin ist besser
verträglich
und kann oral verabreicht werden. Für eine Behandlung mit
Interferon
sprechen andererseits die kürzere Behandlungsdauer und das
geringere
Risiko für eine Resistenzentwicklung der Viren. Weitere klinische
Erfahrungen werden es erlauben, den Stellenwert beider
Behandlungsstrategien
besser zu definieren.
1. JARVIS B, FAULDS D. Lamivudine. A review of its therapeutic potential in chronic hepatitis B. Drugs. 1999 Jul;58(1):101-41. 2. JOHNSON MA, MOORE KH et al. Clinical pharmacokinetics of lamivudine. Clin Pharmacokinet. 1999 Jan;36(1):41-66. 3. LAI CL, CHIEN RN et al. A one-year trial of lamivudine for chronic hepatitis B. Asia Hepatitis Lamivudine Study Group. N Engl J Med. 1998 Jul 9;339(2):61-8. 4. DIENSTAG JL, SCHIFF ER et al. Lamivudine as initial treatment for chronic hepatitis B in the United States. N Engl J Med. 1999 Oct 21;341(17):1256-63.
Siehe auch: Kombinationspräparate
Lamivudin ist in verschiedenen Kombinationpräparaten erhätlich: |