Strukturformel
Lamivudin
Wirkungsmechanismus
Lamivudin
wird
intrazellulär in das
entsprechende 5'-Triphosphat
umgewandelt. In dieser biologisch
aktiven Form kann es in die virale
DNA
eingebaut werden und führt dann
zum Abbruch der DNA-Synthese.
Außerdem
wird die reverse Transkriptase - ein
virusspezifisches Enzym - gehemmt.
Hinsichtlich der prinzipiellen
molekularen Wirkmechanismen
unterscheidet
sich diese Substanz also nicht von den
bereits bekannten
Nukleosid-Analoga.
HI-Viren werden in vitro und in vivo
rasch resistent, wenn eine
Exposition
gegenüber Lamivudin erfolgt,
wobei gezeigt werden konnte,
daß
im Molekül der reversen
Transkriptase die Aminosäure
Methionin
in der Position 184 durch Valin
ersetzt wird. Die Resistenzentwicklung
bleibt unter einer gleichzeitigen Gabe
von Zidovudin aus. Beide
Substanzen
entfalten eine synergistische Wirkung.
Pharmakokinetik
Die
Bioverfügbarkeit von Lamivudin
nach oraler Gabe
beträgt etwa 80%. Die maximalen
Serumkonzentrationen liegen nach
üblicher
Dosierung (2-mal täglich 2 mg/kg
KG) bei 1,5 bis 1,9 mg/l. Bei
gleichzeitiger
Nahrungsaufnahme wird die
Bioverfügbarkeit nicht
signifikant
beeinflußt.
Das Verteilungsvolumen wird mit 1,3
l/kg KG angegeben. Der Arzneistoff
wird mit einer Halbwertzeit von 5 bis
7 Stunden überwiegend
unverändert
renal eliminiert. Die Bindung an
Plasmaproteine ist gering. Bei renaler
Insuffizienz (Clearance < 50
ml/min) wird eine Dosis von 150 mg nur
alle 24 Stunden verabreicht; falls die
Nierenfunktion in höherem
Maße
eingeschränkt ist, soll die
Einzeldosis zunächst halbiert und
dann entsprechend der individuellen
Situation weiter angepaßt
werden.
Klinische
Wirksamkeit
Die
therapeutische
Wirksamkeit des
Lamivudin wurde bei HIV-infizierten
Personen in Kombination mit Zidovudin
untersucht. Es wurden jeweils
zwei
kontrollierte Studien an
Zidovudin-vorbehandelten und
nicht-vorbehandelten
Patienten durchgeführt1,2,3,4.
Zu den wesentlichen Ergebnissen dieser
Prüfungen gehört die
Beobachtung,
daß die kombinierte Gabe der
beiden Nukleosid-Analoga zu einem
deutlich
besseren Ergebnis führt, als die
Monotherapie mit Zidovudin. Dies
wurde anhand der Viruskonzentration
und des Anstieges der CD4-positiven
Zellen im Blut der Patienten
beurteilt. Die Kombination
Lamivudin/Zidovudin
war einer Kombination
Lamivudin/Zalcitabin überlegen.
Eine
Anwendung
von Lamivudin als Monotherapeutikum
wird generell nicht empfohlen.
Aufgrund
der klinischen Prüfung ist
Lamivudin in Kombination mit anderen
antiretroviralen
Arzneimitteln bei HIV- infizierten
Personen mit fortschreitender
Immunsuppression
indiziert (Zahl der CD4-positiven
Zellen < 500 / µl
Blut).
Verträglichkeit
/
Interaktionen
Die neue
Substanz ist
offenbar recht gut
verträglich.
Es ergaben sich keine signifikanten
Unterschiede hinsichtlich
unerwünschter
Wirkungen in der antiretroviralen
Behandlung zwischen Patienten, die
nur
mit Zidovudin behandelt wurden und
jenen, die zusätzlich Lamivudin
erhielten. Am häufigsten traten
unter der Kombinationstherapie
gastrointestinale
Symptome (Übelkeit) oder
Beschwerden wie
Schwächegefühl
und Kopfschmerzen auf. Bei jenen
Patienten, die beide Medikamente
erhielten,
wurde die Behandlung nicht
häufiger abgebrochen, als unter
Zidovudin
allein. Einige Fälle von
peripherer Neuropathie zeigten einen
leichten
Verlauf.
Da Lamivudin nicht über
hepatische
Monooxygenasen (CYP3A)
verstoffwechselt wird, sind
Wechselwirkungen mit
Proteaseinhibitoren
oder
anderen hepatisch metabolisierten
Arzneistoiffen unwahrscheinlich.
Trimethoprim
[Bestandteil von Cotrimoxazol (BACTRIM
u. a.)] führt jedoch zu
einer
etwa 40%igen Erhöhung der
Plasmakonzentrationen von Lamivudin.
Ursache
ist wahrscheinlich die Wechselwirkung
an einem aktiven Transportsystem
der Niere, welches bei der Elimination
organischer Kationen eine Rolle
spielt. Bei prophylaktischer Gabe von
Cotrimoxazol (Pneumocystis
carinii
Pneumonie!) ist jedoch keine Anpassung
der Dosierung von Lamivudin
notwendig,
solange die Nierenfunktion nicht
eingeschränkt ist.
ZUSAMMENFASSUNG
Lamivudin
(EPIVIR) ist
ein neues
Nukleosid-Analogon (3TC),
das in Kombination mit Zidovudin
(RETROVIR) bei HIV-infizierten
Patienten
eingesetzt werden kann. Die klinische
Wirksamkeit der Kombination ist
besser,
als die der Monotherapie mit
Zidovudin. Die Substanz ist offenbar
gut
verträglich.
Unerwünschte Wirkungen traten
unter der Kombinationstherapie nicht
häufiger auf, als bei einer
Monotherapie. Derzeit werden Studien
durchgeführt,
in denen eine Dreierkombination von
Zidovudin und Lamivudin mit einem
Hemmstoff
der viralen Protease untersucht wird.
Aufgrund erster Ergebnisse dieser
Untersuchungen zeichnen sich weitere
Verbesserungen der therapeutischen
Möglichkeiten bei HIV-infizierten
Patienten ab.
Hinweis:
Aktuelle Informationen in
englischer Sprache über
geeignete
Arzneimittel,
Behandlungsrichtlinien,
aktuelle klinische Studien und
andere Aspekte der
antiretroviralen Therapie
finden Sie unter www.aidsinfo.nih.go
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