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Unveränderter Text aus ZCT Heft 6, 1981 Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes In der Bundesrepublik Deutschland wird seit November 1981 ein neues, oral zu applizierendes Antimykotikum mit dem Namen Ketoconazol (NIZORAL) angeboten. Dieser Wirkstoff ist - wie Miconazol (DAKTAR) vom gleichen Hersteller - ein Derivat des Imidazol. Es ist ein weißes, bis leicht beigefarbenes Pulver, das säurelöslich und unter normalen Lagerungsbedingungen stabil ist.6 Wirkungsmechanismus und antimykotische Aktivität Wie alle Imidazolderivate besitzt auch das Ketoconazol eine fungistatische
Wirkung durch Hemmung der Umwandlung von Lanosterol zu Ergosterol (Bestandteile
der Zellmembran).3,4 Lanosterol führt
bei Akkumulation zu Wachstumshemmung. Im Gegensatz zu den anderen Imidazolderivaten
fehlt jedoch eine direkte membranschädigende, rasch fungizid wirkende
Interaktion mit der Pilzmembran.7 Darüber
hinaus besitzt Ketoconazol eine zusätzliche synergistische Interaktion
mit Makrophagen bei der Phagozytose von Pilzzellen.2
Pharmakokinetik Ketoconazol wird nach oraler Applikation rasch aus dem oberen Gastrointestinaltrakt resorbiert. Nach 200 mg oral werden zwischen der 1. und 2. Stunde nach Applikation Serum-Höchstspiegel zwischen 4 und 9 mg/l erreicht. Im Serum ist Ketoconazol zu ca. 90% an Eiweiße gebunden.1 Nach den bisher vorliegenden Untersuchungen scheint die Penetration in den Liquorraum nur mäßig zu sein. Die Ausscheidung erfolgt vorwiegend über die Leber durch Metabolisierung und Exkretion der Metabolite über die Galle.5 Die renale Elimination kann vernachlässigt werden.1,6 Die initiale Eliminationshalbwertzeit beträgt ca. 2 Stunden, die terminale zwischen 6,5 und 9,6 Stunden.6 Sechs Stunden nach Applikation können im Serum noch Konzentrationen nachgewiesen werden, die über den minimalen Hemmkonzentrationen der klinisch wichtigsten Pilze liegen. Dosierung Aufgrund der guten Absorptionsverhältnisse sowie der relativ langen Halbwertzeit wird eine tägliche Gabe von 1-mal 200 mg Ketoconazol entweder während oder kurz vor den Mahlzeiten empfohlen.8 Antazida sowie H2-Rezeptorenblocker führen zu einer beträchtlichen Absorptionseinbuße, so daß diese erst 2 Stunden nach Ketoconazolgabe eingenommen werden sollten.5 Eine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz ist nicht notwendig. Bei vulvo-vaginaler Candidiasis wird eine Dosis von 2-mal 200 mg/Tag empfohlen. Indikation Unter Berücksichtigung der bisher vorliegenden Therapiestudien ist die Substanz bei Pityriasis versicolor, Dermatomykosen, Onychomykosem, bei Paracoccidioidomykose sowie Coccidioidomykose wirksam. Mit Erfolg wurde Ketoconazol bei systemischer Candidiasis, bei lokaler Candidiasis sowie Mundsoor, Soorösophagitis oder vulvo-vaginaler Candidiasis eingesetzt.8 ZUSAMMENFASSUNG Wie alle Imidozolderivate zeigt Ketoconazol (NIZORAL) ein breites antimykotisches
Spektrum, in dem die für unseren Kontinent klinisch wichtigsten Pilze
enthalten sind. Ein Fortschritt zu den herkömmlichen Präparaten
scheint die gute Bioverfügbarkeit nach oraler Applikation zu sein.
Von Vorteil ist auch, daß die Substanz nur 1-mal am Tag (200 mg)
gegeben werden muß; bei speziellen Indikationen kann höher dosiert
werden. Inwieweit aber Ketoconazol vom pharmakodynamischen Standpunkt aus
wirklich eine Weiterentwicklung darstellt, muß offen bleiben, da
für Ketoconazol im Gegensatz zu Clotrimazol (CANESTEN) und Miconazol
(DAKTAR) keine rasche fungizide Wirkung als Ausdruck eines direkten Angriffes
auf die Pilzzellwand nachgewiesen werden konnte.7 Noch
fehlen größere klinische Vergleichsstudien zu den herkömmlichen
Antimykotika Miconazol, 5-Flucytosin (ANCOTIL) und Amphotericin B (AMPHOTERICIN
B SQUIBB), um die Substanz in ihrer klinischen Effizienz endgültig
zu beurteilen. Insbesondere kann hinsichtlich der Prophylaxe und Behandlung
mykotischer Infektionen bei neutropenischen Patienten aufgrund der wenigen
vorliegenden Daten noch keine Therapieempfehlung gegeben werden.
1 BORELLI,
D. et al. Postgrad. Med. J. 55: 657-661, 1979
Ketoconazol war das erste oral anwendbare Azol-Antimykotikum (ein Imidazolderivat). Seine Bedeutung ist heute gering, da die neueren Azole ("Triazole") spezifischer wirken und eine günstigere Nutzen-Risiko-Relation aufweisen. Durch das relativ ausgeprägte Interaktionspotential von Ketoconazol - durch Hemmung der hepatischen, Cytochrom-P450-abhängigen Monooxygenasen - kommt es unter Ketoconazol zu Wechselwirkungen mit zahlreichen anderen Arzneimitteln und Hormonen. Seit der Erstellung und Veröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 6, 1981) sind zahlreiche weitere Arbeiten über Ketoconazol publiziert worden. Insbesondere soll an dieser Stelle auf die folgenden Publikationen hingewiesen werden: Heel
RC, Brogden RN, Carmine A, Morley PA, Speight TM, Avery GS.
Pont
A, Williams PL, Azhar S, Reitz RE, Bochra C, Smith ER, Stevens DA.
Tucker
WS Jr, Snell BB, Island DP, Gregg CR.
Lyman
CA, Walsh TJ. Systemically administered antifungal agents. A review of
their clinical
Como
JA, Dismukes WE. Oral azole drugs as systemic antifungal therapy.
Lomaestro
BM, Piatek MA.
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