|
Josamycin - ein "neues"
Makrolid-Antibiotikum Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Die klinische Erprobung von Josamycin (WILPRAFEN) begann 1967 in Japan.1 17 Jahre später steht das Makrolid-Antibiotikum auch bei uns unter dem Handelsnamen WILPRAFEN zur Verfügung. Chemisch zeichnet es sich durch eine enge Verwandtschaft mit Erythromycin (ERYTHROCIN, ERYCINUM u.a.) aus, das sich seit langem besonders in der Pädiatrie bewährt hat und neuerdings eine gewisse "Renaissance" bei der Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonien erfahren hat. In dieser Situation erscheint es notwendig, die Eigenschaften der Neueinführung mit denen des Standardpräparates zu vergleichen. Mikrobiologie Beide Substanzen haben ein
sehr ähnliches antibakterielles Spektrum.
Neben grampositiven Erregern - S. pyogenes, Pneumokokken und
Staphylokokken
- werden auch H. influenzae, B. pertussis und Neisserien erfaßt.
Auch manche Anaerobier sowie Mykoplasmen sind empfindlich. In direkten
mikrobiologischen Vergleichsuntersuchungen war Erythromycin dem
Josamycin
überlegen: die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) waren im
allgemeinen
niedriger. So werden z.B. nach den Angaben einer amerikanischen
Publikation2
mehr als 90% der getesteten Staphylokokken-Stämme bereits durch
0,20
mg/l Erythromycin jedoch erst durch 1,56 mg/l Josamycin gehemmt. Unter
den restlichen Stämmen waren allerdings einige, welche besser auf
Josamycin ansprachen. Diese Eigenschaft - die bessere Wirksamkeit bei
Erythromycin-resistenten
Staphylokokken - kann als Vorteil des Josamycin angesehen werden.
Deutsche
Mikrobiologen3 zeigten allerdings
bereits
vor zehn Jahren, daß "Resistenz gegen Erythromycin bei 100
untersuchten
Staphylokokken-Stämmen oft auch zu erhöhter Unempfindlichkeit
gegen Josamycin führt". Auf der Basis dieser Befunde erscheinen
manche
Aussagen im Basisprospekt des Herstellers unhaltbar (z.B.:
"Überlegene
Wirksamkeit insbesondere bei Staphylococcus aureus"). Pharmakokinetik Das Antibiotikum wird nach oraler Gabe rasch resorbiert und erreicht maximale Serumspiegel nach 1-2 Stunden. Sein großes Verteilungsvolumen deutet auf eine Anreicherung in verschiedenen Geweben (Lunge, Tonsillen). Die Eliminationshalbwertzeit lag nach einmaliger Gabe bei 1,5 Stunden; sie verlängerte sich nach wiederholter Applikation auf 5,8 Stunden.4 Nach der Metabolisierung in der Leber erfolgt die Ausscheidung überwiegend biliär. Nur ein geringer Anteil (ca. 5%) wird renal eliminiert. Klinik Klinische Erfolgsquoten von 70, 80 oder sogar über 90% wurden beim Einsatz des Präparates bei zahlreichen Indikationen erzielt (HNO-Infekte, Infekte der Atemwege, dermatologische Infekte u.a.).4 Zu einigen Angaben der Einführungsbroschüre wären weitere Informationen wünschenswert. So wird z.B. der "klinische Erfolg" bei Otitis externa - einer Erkrankung, die häufig durch den Josamycin-resistenten Keim Pseudomonas aeruginosa verursacht wird - mit 96,9% angegeben. - Zuverlässige Informationen über die klinische Wirksamkeit neuer Substanzen können nur Vergleichsstudien mit etablierten Chemotherapeutika liefern. In einer prospektiven, randomisierten Studie wurde an je 20 Kindern, die wegen Atemwegsinfektionen stationär behandelt wurden, "die klinische Äquivalenz von Josamycin und Erythromycin" festgestellt.4 Ähnliche Schlußfolgerungen wurden auch in anderen Untersuchungen gezogen. Beide Antibiotika weisen eine geringe Nebenwirkungsrate auf. Sie wird für Josamycin mit 4,3% angegeben4 und betrifft in erster Linie leichte gastrointestinale Störungen. Da die Makrolid-Antibiotika ein potentielles Cholestase-Risiko aufweisen, wären genaue Angaben hierzu auch beim Josamycin sinnvoll. ZUSAMMENFASSUNG Josamycin (WILPRAFEN) ist ein
Makrolid-Antibiotikum mit ähnlichen
antibakteriellen Eigenschaften wie Erythromycin (ERYTHROCIN, ERYCINUM
u.a.).
Ein Vorteil der neuen Substanz kann in der geringfügig niedrigeren
Resistenzquote gegenüber Staphylokokken gesehen werden. Da
Makrolid-Antibiotika
jedoch nicht zu den Mitteln der ersten Wahl gehören, bleibt
abzuwarten,
ob sich auch in der praktischen Anwendung ein Vorteil erkennen lassen
wird.
Die bisher vorliegenden klinischen Vergleichsuntersuchungen lassen
keinen
therapeutischen Fortschritt erkennen. Die markigen Aussagen zu den
Eigenschaften
des Josamycin im Basisprospekt des Herstellers erscheinen
revisionsbedürftig. 1 KUCERS, A., BENNETT, N.M. 2 SHADOMY,
S. et al. 3 BOCK, D., RITZERFELLD, W. 4
WILPRAFEN-Einführungsbroschüre Aktuelle Ergänzungen (November 2000) Josamycin weist im Vergleich
mit Erythromycin keine Vorteile auf. Josamycin ist in Deutschland nicht mehr im
Handel.
|