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ein neues Virustatikum zur Behandlung von Herpes-Infektionen Unveränderter Text aus ZCT Heft 2, 1995 Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Penciclovir ist ein neu entwickeltes Nukleosid-Analogon mit antiviralen Eigenschaften. Die Bioverfügbarkeit dieses neuen Wirkstoffes ist jedoch nicht ausreichend, um ihn zur oralen Therapie einzusetzen. Daher wurde Famciclovir (FAMVIR), ein Prodrug des Wirkstoffes, entwickelt, der sich durch gute pharmakokinetische Eigenschaften auszeichnet und seit einigen Wochen nun auch in Deutschland zur Behandlung von Herpes-Infektionen angeboten wird.
R
= CH3-CO-Strukturformel Famciclovir Antivirale Eigenschaften Zum
antiviralen Spektrum von Penciclovir gehören
in erster Linie das Varizella-Zoster-Virus, Herpes simplex-Virus Typ 1
und Typ 2 und das Epstein-Barr-Virus. Auch gegenüber
Zytomegalie-Viren
und Hepatitis B-Viren ist die Verbindung in vitro wirksam.
Penciclovir
wird in Virus-infizierten Zellen durch die
virale Thymidinkinase in das entsprechende Penciclovir-Monophosphat
umgewandelt.
Anschließend erfolgt intrazellulär in weiteren
Phosphorylierungsschritten
die Umwandlung in das Triphosphat, welches den eigentlichen Wirkstoff
darstellt.
Penciclovir-Triphosphat hemmt kompetitiv die virale DNA-Polymerase und
führt nach Einbau in die DNA zum Kettenabbruch. Das antiviral
wirksame
Triphosphat besitzt in Zellen, die mit dem Varizella-Zoster-Virus
infiziert
sind, eine intrazelluläre Halbwertzeit von etwa 9 Stunden.
Der
molekulare Wirkungsmechanismus des Penciclovir ist
also mit dem Mechanismus von Aciclovir
(ZOVIRAX u.a.) und anderen Nukleosid-Analoga vergleichbar und im
Prinzip
identisch, doch zeichnet sich das biologisch aktive Triphosphat durch
eine
deutlich längere (ca. 10fache) intrazelluläre Halbwertzeit
aus.1
Pharmakokinetische Eigenschaften Da Penciclovir nicht in ausreichendem Maße aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert wird, ist Famciclovir entwickelt worden, aus dem im Organismus Penciclovir entsteht. Chemisch gesehen ist es das Diacetyl-5-deoxy-Analog des Penciclovir. Die Abspaltung der beiden Acetylreste sowie die Oxidation des Moleküls erfolgen rasch, so daß der Arzneistoff nach oraler Gabe des Medikamentes im Plasma oder Urin nicht, oder nur in sehr geringen Konzentrationen, nachweisbar ist. Die Bioverfügbarkeit von Famciclovir wurde mit 77% errechnet. Die Spitzenspiegel von Penciclovir werden nach etwa 45 Minuten erreicht, die Substanz wird mit einer Halbwertzeit von etwa 2 Stunden überwiegend renal eliminiert. Die Spitzenkonzentration nach Einnahme von 250 mg liegt bei 1,6 mg/l und die "Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve" wurde mit 4,3 mg x h/l berechnet. In einem Dosisbereich von 125 bis 750 mg Famciclovir verändern sich die pharmakokinetischen Parameter linear.2 Bei gleichzeitiger Verabreichung des Chemotherapeutikums mit einer Mahlzeit ergab sich keine signifikante Veränderung der Bioverfügbarkeit. Die Spitzenkonzentration im Plasma war zwar niedriger als bei nüchterner Einnahme, doch waren die AUC-Werte nicht signifikant unterschiedlich. Interaktionen In mehreren Studien an gesunden Probanden wurde überprüft, ob Famciclovir zu klinisch relevanten Interaktionen mit anderen gleichzeitig gegebenen Arzneimitteln führt. In diesem Zusammenhang muß bedacht werden, daß Famciclovir nicht nur durch Esterhydrolyse, sondern auch durch oxidative Schritte in den eigentlichen Wirkstoff umgewandelt werden muß. Da die Möglichkeit diskutiert wurde, daß das Enzym Xanthinoxidase an dieser Umwandlung beteiligt sei, wurde zunächst eine Interaktionsstudie mit Allopurinol (ZYLORIC u.a.) - einem Hemmstoff der Xanthinoxidase - durchgeführt; es ergab sich kein Anhalt auf eine relevante Beeinflussung der Pharmakokinetik von Famciclovir durch das Urikostatikum. Zu ähnlichen Resultaten führten weitere Interaktionsstudien mit Cimetidin (TAGAMET u.a.), Theophyllin (EUPHYLLIN u.a.) und Digoxin (LANICOR u.a.). In keinem Fall konnte eine relevante Interaktion festgestellt werden.3 Therapeutische Wirksamkeit In doppelblind durchgeführten klinischen Studien zur Therapie des akuten Herpes zoster bei immunkompetenten Patienten erwies sich die Behandlung mit 3 x 250 mg Famciclovir pro Tag hinsichtlich der Verkürzung der Hautsymptomatik als ebenso wirksam wie die tägliche Behandlung mit 5 x 800 mg Aciclovir.4 Auch die Gabe von Famciclovir muß möglichst rasch nach Auftreten der Symptomatik erfolgen (< 72 Stunden). Im Vergleich mit Aciclovir waren die mit Famciclovir behandelten Patienten signifikant schneller schmerzfrei, wenn die Therapie innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der Hautsymptome begonnen wurde. Die Frage, ob das neue Virustatikum einen positiven Effekt auf die Entwicklung postherpetischer Schmerzen hat, kann zur Zeit noch nicht abschließend beurteilt werden. Unerwünschte Wirkungen Während einer Doppelblindstudie erwies sich Famciclovir als ebenso gut verträglich wie Aciclovir. Am häufigsten wurden gastrointestinale Störungen und ZNS-Reaktionen gesehen. Die Gesamtrate der "unerwünschten Erscheinungen", die während dieser Untersuchung beobachtet wurden, lag bei 22% (Famciclovir) bzw. 21% (Aciclovir) der Patienten. Diese Angaben beinhalten auch jene Reaktionen, die hinsichtlich des kausalen Zusammenhanges mit dem jeweiligen Medikament nicht beurteilt werden konnten.4 ZUSAMMENFASSUNG Famciclovir (FAMVIR) wird im Organismus zu Penciclovir metabolisiert. Dieses Nukleosid-Analogon wirkt nach weiterer Umwandlung zum Triphosphat virustatisch. Da das Medikament eine deutlich bessere Bioverfügbarkeit besitzt als Aciclovir (ZOVIRAX u.a.) und der Wirkstoff intrazellulär eine wesentlich längere Verweildauer aufweist, kann das neue Arzneimittel in relativ niedriger Dosierung verabreicht werden (3 x täglich 250 mg). In klinischen Vergleichsstudien bei immunkompetenten Patienten mit Zoster war eine entsprechende Behandlung mindestens ebenso wirksam und gleich gut verträglich, wie die Behandlung mit 5 x 800 mg Aciclovir. Entscheidend ist jedoch bei beiden Medikamenten ein rascher Behandlungsbeginn. Weitere Studien werden derzeit weltweit durchgeführt, um die Indikationen für Famciclovir zu erweitern. Daher kann der genaue Stellenwert des neuen Virustatikums zur Therapie von Infektionen durch Herpes-Viren noch nicht abschließend beschrieben werden. Ganz sicher stellt es jedoch eine interessante Alternative zum Aciclovir bei Patienten mit Zoster dar. 1. HODGE
RA, PERKINS RM. Mode
of action of 9-(4-hydroxy-3-hydroxymethylbut-1-yl)guanine (BRL
39123) against herpes simplex virus in MRC-5 cells. Antimicrob Agents Chemother. 1989 Feb;33(2):223-9. 2 PUE, M.A., BENET, L.Z. Antiviral Chem. & Chemother. 4 (Suppl): 47-55, 1993 3. DANIELS, S., SCHENTAG, J.J. Antiviral Chem. & Chemother. 4 (Suppl): 57-64, 1993 4. DEGREEF, H. et al., Int.
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