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Ertapenem
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ein neues ß-Laktamantibiotikum Unveränderter Text aus ZCT Heft 4, 2002 ![]() Aktuelle Ergänzungen (Nov. 2006) am Ende des Textes Carbapeneme
zeichnen sich durch ein
breites antibakterielles
Spektrum aus. Die bisher verfügbaren Substanzen aus dieser Gruppe,
Imipenem
(ZIENAM) und Meropenem
(MERONEM), haben sich seit ihrer Einführung
als wichtige Reserveantibiotika zur klinischen, parenteralen Therapie
schwerer
Infektionen bewährt. Mit Ertapenem (INVANZ) steht nun ein neues
Antibiotikum
zur stationären, parenteralen Therapie von ambulant erworbenen
Mischinfektionen
zur Verfügung.1
Als
ß-Laktamantibiotikum hemmt
Ertapenem die Synthese
der Zellwand von Bakterien durch Bindung an Penicillin-bindende
Proteine
(PBP). Zumindest bei E. coli ist die Affinität zu den PBP 2 und 3
am höchsten. Es wirkt, wie die anderen Carbapeneme, gegen ein
breites
Spektrum von gramnegativen und grampositiven Erregern sowie gegen
Anaerobier
einschließlich B. fragilis. Im direkten Vergleich mit Imipenem
erwies
sich Ertapenem als wirksamer gegen gramnegative Bakterien, war aber
etwas
schwächer wirksam gegen Streptokokken, Staphylokokken, Anaerobier
und P. aeruginosa. Die minimalen Hemmkonzentrationen lagen jedoch
höchstens
bei 0,5 mg/l und weisen das Antibiotikum damit als sehr wirksam aus.2,3,4
Pharmakokinetische Eigenschaften
Ertapenem
wird einmal täglich in
einer Dosis von
1,0 g intravenös infundiert. Am Ende einer 30-minütigen
Infusion
von 1 g Ertapenem lagen die mittleren Plasmakonzentrationen bei
gesunden
Erwachsenen bei 155 mg/l; sie waren nach 12 Stunden auf 9 mg/l und nach
24 Stunden auf 1 mg/l gefallen. Die Eliminationshalbwertzeit
beträgt
etwa vier Stunden und ist damit deutlich länger als bei den bisher
bekannten Carbapenemen. Die Proteinbindung der Substanz ist mit 92 bis
95% relativ hoch, das Verteilungsvolumen wurde mit 8 Litern berechnet.
Die Ausscheidung erfolgt überwiegend renal, im Urin wird die
Substanz
etwa zu gleichen Anteilen als unveränderte Substanz oder in Form
eines
Metaboliten gefunden. Die Metabolisierung besteht in einer
Dehydropeptidase-vermittelten
Hydrolyse des ß-Laktamringes.
Bei Patienten mit
leichter
Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance
31 - 59 ml/min/1,73 m2) sind die AUC-Werte im Vergleich zu gesunden
Erwachsenen
etwa 1,5 bis 1,8 mal größer; diese Veränderung der
Kinetik
erfordert keine Dosisanpassung. Ausreichende Daten, die eine
Dosierungsempfehlung
bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz ermöglichen
würden, liegen zur Zeit noch nicht vor. Das gleiche gilt für
Hämodialyse-Patienten und Patienten mit Leberinsuffizienz.5
Indikationen
Ertapenem
ist zur Behandlung folgender
Infektionen zugelassen,
wenn diese durch empfindliche Erreger verursacht sind: (1)
intraabdominelle
Infektionen, (2) ambulant erworbene Pneumonien und (3) akute
gynäkologische
Infektionen. Die Gleichwertigkeit des Carbapenems mit
Standardtherapeutika
wurde bei diesen Indikationen während der klinischen Prüfung
nachgewiesen.
In einer umfangreichen
Doppelblind-Studie
an mehr als
500 Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie in Südamerika
wurde
Ertapenem mit Ceftriaxon
(ROCEPHIN)
verglichen.
Patienten mit vermuteter atypischer Ätiologie ihrer Pneumonie
wurden
nicht in die Studie eingeschlossen. Beide Antibiotika wurden einmal
täglich
in einer Dosierung von 1,0 g intravenös verabreicht; die Dauer der
intravenösen Behandlung lag bei etwa vier Tagen (Medianwert).
Anschließend
wurden die meisten Patienten mit oral verabreichtem Coamoxiclav
(AUGMENTAN
u.a.) weiterbehandelt. Die Therapie zeigte in beiden Gruppen einen
gleich
guten klinischen Erfolg bei mehr als 90% der Patienten in beiden
Gruppen.
Auch hinsichtlich der Verträglichkeit ergaben sich keine
Unterschiede.6
Unerwünschte Wirkungen Das
ß-Laktamantibiotikum erwies sich
in der klinischen
Prüfung als gut verträglich. Am häufigsten wurden
Diarrhö
(4,8%), Übelkeit (2,8%) und Komplikationen an der Infusionsstelle
(4,5%) beschrieben. Auch Haut-Reaktionen (Exantheme, Juckreiz) und
ZNS-Reaktionen,
wie Kopfschmerzen, Verwirrtheitszustände und Krampfanfälle,
wurden
während der Behandlung beobachtet. Nur bei 1,3% der Patienten
musste
die Therapie aufgrund von unerwünschten Wirkungen abgebrochen
werden.
Wechselwirkungen
zwischen Ertapenem und
anderen gleichzeitig
verabreichten Arzneimitteln sind bisher nicht bekannt. Da Carbapeneme
die
Serum-Konzentrationen von Valproinsäure (ERGENYL u.a.) senken
können,
wird eine Spiegelbestimmung des Antiepileptikums empfohlen, wenn beide
Medikamente gleichzeitig gegeben werden sollen.
ZUSAMMENFASSUNG Ertapenem (INVANZ) ist ein neues Carbapenem-Antibiotikum zur parenteralen Behandlung schwerer Infektionen durch gramnegative oder grampositive Erreger, einschließlich Anaerobier. Im Gegensatz zu den bisher verfügbaren Präparaten dieser Gruppe kann Ertapenem aufgrund der längeren Halbwertzeit einmal täglich verabreicht werden. In der klinischen Prüfung erwies es sich als gut verträglich, über etwaige selten auftretende unerwünschte Wirkungen lässt sich zur Zeit noch keine Aussage machen. Weitere Erfahrungen mit dem neuen ß-Laktamantibiotikum sind notwendig, um den genauen therapeutischen Stellenwert besser definieren zu können. 2. LIVERMORE,
D. M. et al. In vitro activities of ertapenem (MK_0826)
against recent clinical bacteria
collected in Europe and Australia Antimicrob Agents Chemother 2001; 45:1860-1867 3. FUCHS, P. C. et al. In vitro activities of ertapenem (MK-0826) against clinical bacterial isolates from 11 North American medical centers. Antimicrob Agents Chemother 2001; 45: 1915-1918 4. GOLDSTEIN, E. J. et al. Comparative In vitro activities of ertapenem (MK-0826) against 1,001 anaerobesisolated from human intra-abdominal infections. Antimicrob Agents Chemother 2000; 44:2389-2394 5. Fachinfo INVANZ, MSD Haar 6. ORTIZ-RUIZ, G. et al. A study evaluating the efficacy, safety, and tolerability of ertapenem versus ceftriaxone for the treatment of community-acquired pneumonia in adults. Clin Inf Dis 2002; 34:1076-1083
Seit der
Erstellung und
Veröffentlichung dieses Artikels in der "Zeitschrift für
Chemotherapie" (Heft 4, 2002) sind zahlreiche weitere Arbeiten
über Ertapenem publiziert worden: Insbesondere soll an dieser
Stelle auf die folgenden Publikationen hingewiesen werden:
1. Curran M. et al. Ertapenem:
a review of its use in the management of bacterial infections.
Drugs 2003; 63(17):1855-1878 2. Nix
D.E. et al. Effect
of ertapenem protein binding on killing of bacteria.
J Antimicrob Chemother 2004; 53(2):ii23-28 3. Teppler H. et al. Safety and tolerability of ertapenem. J Antimicrob Chemother 2004; 53(2):ii75-81 4. Wexler H.M. In vitro activity of ertapenem: review of recent studies. J Antimicrob Chemother 2004; 53(2):ii11-21 5. LIPSKY BA, ARMSTRONG DG et al. Ertapenem versus piperacillin/tazobactam for diabetic foot infections (SIDESTEP): prospective, randomised, controlled, double-blinded, multicentre trial. Lancet. 2005 Nov 12;366(9498):1695-703 6. KEATING GM, PERRY CM. Ertapenem: a review of its use in the treatment of bacterial infections. Drugs. 2005;65(15):2151-78 7. DINUBILE MJ, CHOW JW et al. Acquisition of resistant bowel flora during a double-blind randomized clinical trial of ertapenem versus piperacillin-tazobactam therapy for intraabdominal infections. Antimicrob Agents Chemother. 2005 Aug;49(8):3217-215. 8. MISTRY GC, MAJUMDAR AK et al. Pharmacokinetics of ertapenem in patients with varying degrees of renal insufficiency and in patients on hemodialysis. J Clin Pharmacol. 2006 Oct;46(10):1128-38 |