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eine neue Therapieoption bei Hepatitis B Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Die
Moleküle der physiologischen Nukleoside bieten zahlreiche
Möglichkeiten für chemische Modifikationen. Mittlerweile sind
mehr als ein Dutzend
Nukleosid-Analoga zur Therapie von Virusinfektionen im Handel. Die
neueste
Substanz aus dieser Arzneimittelgruppe ist Entecavir (BARACLUDE), das
unlängst
zur Therapie der chronischen Hepatitis B zugelassen wurde.1
Es
unterscheidet sich vom physiologischen Guanosin nur geringfügig:
der
Zuckeranteil wurde durch einen substituierten Cyclopentylrest ersetzt.
Neben Lamivudin
(EPIVIR) und Adefovir
(HEPSERA) steht damit ein drittes
Nukleosid-Analogon zur oralen Therapie der chronischen Hepatitis B zur
Verfügung.2 Allen bisher bekannten Therapien der
chronischen
Hepatitis B ist gemeinsam, dass sie nur zu einer Unterdrückung der
viralen
Replikation führen. Eine Eradikation der Viren und damit Heilung
der Erkrankung
ist mit den derzeit verfügbaren Mitteln nicht erreichbar. Vor
diesem Hintergrund
kommt der prophylaktischen Gabe der Hepatitis B-Vakzine (ENGERIX u.a.)
eine
besondere Bedeutung zu. Sie wird seit 1995 von der STIKO für
Kinder und
Jugendliche unter 18 Jahren empfohlen.
Antivirale Aktivität Entecavir wird zum Triphosphat phosphoryliert und hemmt dann kompetitiv die Funktion der viralen Polymerase. Es blockiert die reverse Transkription des negativen DNA-Strangs aus der prägenomischen mRNA und die Synthese des positiven Strangs der HBV-DNA. Die intrazelluläre Halbwertzeit des Triphosphats beträgt etwa 15 Stunden. Entecavir ist in vitro deutlich aktiver als Lamivudin. Es hemmt die Synthese der HBV-DNA in HepG2-Zellen bereits bei einer Konzentration von 4 nM (EC50, 50% Reduktion), während für den gleichen Effekt 116 nM Lamivudin notwendig waren.3 Dementsprechend niedrig sind die empfohlenen Dosierungen des neuen Arzneimittels: es sind nur 0,5 bis 1,0 mg einmal täglich erforderlich. Entecavir wird schnell resorbiert, die Spitzenkonzentration im Plasma tritt nach etwa einer Stunde auf. Die Bioverfügbarkeit liegt bei mindestens 70 %. Ein „Steady-state“ wird zwischen sechs und zehn Tagen nach einmal täglicher Gabe erreicht. Die Spitzenkonzentrationen und Talspiegel im Steady-state wurden für eine Dosis von 0,5 mg mit 4,2 bzw. 0,3 ng/ml ermittelt. Die Gabe von 0,5 mg Entecavir zusammen mit einer Mahlzeit resultierte in einer Verringerung der Spitzenkonzentration um etwa 45% und einer Verringerung der AUC-Werte um ca. 20%. Die Proteinbindung ist niedrig (ca. 13%).1,4Entecavir ist kein Substrat, Inhibitor oder Induktor des CYP450 Enzymsystems. Die Substanz wird vorwiegend über die Nieren eliminiert, wobei es zu 75% unverändert mit dem Urin ausgeschieden wird. Nach Erreichen des Spitzenwertes verringern sich die Konzentrationen im Plasma mit einer terminalen Eliminationshalbwertszeit von 128 - 149 Stunden. Die Ausscheidung von Entecavir ist reduziert bei eingeschränkter Nierenfunktion (siehe Tabelle). Bei einer Kreatinin-Clearance von 30 – 49 ml/min wird die Hälfte der sonst üblichen Dosierung empfohlen. Für Dosierungen unter 0,5 mg steht eine Lösung des Wirkstoffes zur Verfügung. Eine Leberfunktionsstörung hatte keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik des Arzneistoffs. Die AUC war bei Frauen 14% höher als bei Männern und bei älteren Patienten 29% höher im Vergleich zu jüngeren Patienten, in beiden Fällen resultieren diese Veränderungen wohl hauptsächlich aus der unterschiedlichen Nierenfunktion und dem geringeren Körpergewicht. Klinische Studien Entecavir ist indiziert zur Behandlung der chronischen Hepatitis B-Virus-Infektion (HBV) bei Erwachsenen mit kompensierter Lebererkrankung und nachgewiesener aktiver Virusreplikation, persistierend erhöhten Serumspiegeln der Alaninaminotransferase (ALT) sowie mit dem histologischen Befund einer aktiven Entzündung und/oder Fibrose. Diese Indikation basiert auf Daten aus klinischen Studien bei Patienten mit HBeAg-positiver und HBeAg-negativer HBV-Infektion, sowie Patienten mit einer Lamivudin-refraktären Hepatitis B.5,6,7 In einer umfangreichen Doppelblindstudie wurden mehr als 600 HBeAg-positive Patienten, die nicht mit Nukleosidanaloga vorbehandelt waren („Nukleosid-naiv“), entweder mit 100 mg Lamivudin oder 0,5 mg Entecavir behandelt. Nach 48 Wochen war bei 72% der mit Entecavir und bei 62% der mit Lamivudin behandelten Patienten eine Besserung des histologischen Befundes erkennbar. Die Behandlung mit Entecavir führte bei zwei von drei Patienten zu einer Reduktion der Virusmenge im Blut unterhalb der Nachweisgrenze, eine entsprechende Wirkung war mit dem Vergleichspräparat nur bei 36% der Studienteilnehmer nachweisbar. Diese Unterschiede zwischen den Gruppen waren statistisch signifikant.3 Eine HBeAg-negative Hepatitis besteht als Folge von Virusmutanten im Bereich des Core-Gens (z. B. HBV-Präcore- oder Core-Promotor-Mutanten), welche die Bildung von HBeAg verhindern. Der Leberschaden ist in diesen Fällen meist stärker ausgeprägt. In einer sehr ähnlich konzipierten Doppelblindstudie wurden auch bei diesen Patienten mit Entecavir signifikant bessere Therapieergebnisse erzielt als mit Lamivudin. Resistente Virusmutanten wurden bei den mit Entecavir behandelten Patienten in beiden Studien nicht isoliert, in der Lamivudin-Gruppe zeigte sich die bekannte, relativ rasche Resistenzentwicklung der Viren. Innerhalb eines Jahres wurde bei 8% der mit Lamivudin behandelten Patienten ein Versagen der Virussuppression festgestellt. In der Mehrzahl dieser Fälle (80%) lag eine Mutation im HBV Polymerase-Gen im YMDD-Bereich vor (YMDD = Tyrosin, Methionin, Aspartat, Aspartat).4 Verträglichkeit Die Beurteilung der Nebenwirkungen basiert auf vier klinischen Studien mit insgesamt 1.720 Patienten mit chronischer Hepatitis B-Infektion, die in einem doppelblinden Therapieschema entweder 0,5 mg Entecavir pro Tag (n = 679), 1 mg Entecavir pro Tag (n = 183) oder Lamivudin (n = 858) für bis zu 107 Wochen erhielten.1 Die Sicherheitsprofile von Entecavir und Lamivudin, einschließlich Laborwertabweichungen, waren in diesen Studien ähnlich. Die häufigsten Nebenwirkungen mit einem möglichen oder wahrscheinlichen Zusammenhang mit Entecavir, waren Kopfschmerzen (9%), Müdigkeit (6%), Schwindel (4%) und Übelkeit (3%). Entecavir besitzt nach den bisherigen Erfahrungen also eine gute Verträglichkeit. Auch eine fortgesetzte Behandlung über eine mediane Dauer von 96 Wochen erbrachte keine neuen Sicherheitsaspekte. ZUSAMMENFASSUNG Entecavir (BARACLUDE) ist ein Nukleosidanalogon zur Behandlung der chronischen Hepatitis B. In vitro weist es eine höhere Aktivität als Lamivudin (EPIVIR) auf, die pharmakokinetischen Eigenschaften gestatten eine einmal tägliche orale Gabe. In umfangreichen Doppelblindstudien war es bei etwa gleicher Verträglichkeit besser wirksam als Lamivudin. Die Wirksamkeit erstreckte sich gegen Viren, die gegen Lamivudin oder Adefovir (HEPSERA) resistent waren. Insgesamt stellt Entecavir eine wesentliche Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten der chronischen Hepatitis B dar. Da eine Eradikation der Erreger nicht erfolgt, ist eine Heilung der Erkrankung allerdings auch mit diesem Arzneimittel nicht möglich. 1. INNAIMO, S. F. et al. Identification of BMS-200475 as a potent and selective inhibitor of hepatitis B virus. Antimicrob Agents Chemother 1997; 41: 1444 – 1448 J Antimicrob Chemother 2006; 57: 1030 – 1034 3. CHANG, T.-T. et al A comparison of entecavir and lamivudine for HBeAg-positive chronic hepatitis B. N Engl J Med 2006; 354: 1001 – 1010 4. LAI, C.-L. et al. Entecavir versus lamivudine for patients with HBeAg-negative chronic hepatitis B. N Engl J Med 2006; 354: 1011 – 1020 5. HOOFNAGLE, J. H. Hepatitis B--preventable and now treatable. N Engl J Med 2006; 354: 1074 - 1076 6. CHANG, T.T., LAI, C.-L. Hepatitis B virus with primary resistance to adefovir. Engl J Med 2006; 355:322-323 |
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| Kreatinin- Clearance (ml/min) |
Dosierung | |
| Nukleosidnaive Patienten |
Lamivudinrefraktär | |
| >
50 |
0,5
mg einmal täglich |
1
mg einmal täglich |
| 30
– 49 |
0,25
mg einmal täglich ODER 0,5 mg alle 48 Stunden |
0,5
mg einmal täglich |
| 10
– 29 |
0,15
mg einmal täglich ODER 0,5 mg alle 72 Stunden |
0,3
mg einmal täglich ODER 0,5 mg alle 48 Stunden |
| <
10 Hämodialyse oder CAPD |
0,05
mg einmal täglich ODER 0,5 mg alle 5 – 7 Tage |
0,1
mg einmal täglich ODER 0,5 mg alle 72 Stunden |
Aktuelle Ergänzungen (September 2007)