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Unveränderter Text aus ZCT Heft 2, 1987 Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Enoxacin (GYRAMID) besitzt wichtige strukturelle Gemeinsamkeiten mit den neueren Fluorchinolonen wie Ofloxacin (TARIVID, vgl. "ZCT" 6:27,1985) und Ciprofloxacin (CIPROBAY, vgl. "ZCT" 7:43-44, 1986). Alle genannten Präparate weisen eine Fluorierung in Position 6 und eine Piperazin-Substitution in Position 7 auf. Diese Substituenten beeinflussen die antibakterielle Wirkung der Chemotherapeutika entscheidend. Vom Norfloxacin (BARAZAN, vgl. "ZCT" 5:21,1984) unterscheidet sich Enoxacin nur durch ein zusätzliches Stickstoffatom im Grundgerüst. Wirkungsmechanismus Enoxacin entfaltet seine bakterizide Wirkung ebenso wie die anderen Chinolone über eine Hemmung des bakteriellen Enzyms "Gyrase", das für die räumliche Anordnung ("Topoisomerase") und regelrechte Funktion der bakteriellen DNA verantwortlich ist. Wenn dieses für Bakterien lebenswichtige Enzym durch die Chemotherapeutika in seiner Funktion gestört wird, kann eine Transkription und Replikation der Nukleinsäure nicht ablaufen und die Zelle geht zugrunde. Antibakterielle Eigenschaften Der
Wirkungsschwerpunkt des Enoxacin liegt im gramnegativen Bereich.
Die minimalen Hemmkonzentrationen für typische Infektionserreger
wie
E. coli, P. mirabilis, H. influenzae oder N. gonorrhoeae liegen unter 1
mg/l. Die doppelte Konzentration ist notwendig, um P. aeruginosa zu
hemmen.
Insgesamt ist Enoxacin im gramnegativen Bereich ähnlich wirksam
wie
Ofloxacin, jedoch nicht so aktiv wie Ciprofloxacin. Pharmakokinetische Eigenschaften Enoxacin
wurde bisher nur an relativ kleinen Probandenkollektiven -
und damit nicht zufriedenstellend - hinsichtlich seiner
pharmakokinetischen
Eigenschaften untersucht. Nach Einzeldosen von 200, 400, 800, 1000,
1200
und 1600 mg an jeweils zwei (!) freiwilligen Versuchspersonen lagen die
berechneten Serumspitzenkonzentrationen zwischen 1,2 und 8,1 mg/l. Die
Eliminationshalbwertzeiten nahmen mit steigender Dosierung zu und lagen
zwischen 4,3 und 6,4 Stunden.2 Therapeutische Wirksamkeit Für
Enoxacin liegen zahlreiche kleinere, offen durchgeführte
klinische Studien vor, aus denen die therapeutische Effektivität
bei
Infektionen des Urogenitaltraktes, des Gastrointestinaltraktes, der
Haut
und der Atemwege ersichtlich ist. Dabei wurden Dosierungen zwischen 100
und 1600 mg pro Tag eingesetzt. Als Standard-Dosierung ist die Gabe von
zweimal täglich 400 mg anzusehen. Toxizität und Nebenwirkungen Die
Gesamt-Inzidenz der Nebenwirkungen während einer Enoxacin-Therapie
wird mit 6,3% der Behandlungen angegeben. Dabei stehen Symptome von
Seiten
des Gastrointestinaltraktes (Übelkeit, Erbrechen, Anorexie etc.)
und
des Zentralnervensystems (Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit,
Müdigkeit
etc.) im Vordergrund. Allergische und andere Reaktionen sind seltener.
Insgesamt scheinen sich Art, Häufigkeit und Ausmaß der
unerwünschten
Wirkungen nicht wesentlich von denen anderer Chinolone zu
unterscheiden. ZUSAMMENFASSUNG Enoxacin
(GYRAMID) ist ein neu zugelassenes Chinolonderivat, das - ähnlich
wie Ofloxacin
(TARIVID) und Ciprofloxacin
(CIPROBAY) - zur oralen Behandlung systemischer Infektionen geeignet
ist.
Der Wirkungsschwerpunkt der Substanz liegt im gramnegativen Bereich; es
wird mit einer Halbwertzeit von etwa fünf Stunden,
überwiegend
unverändert, im Urin ausgeschieden. Genauere Informationen zu
Kinetik
und Metabolismus wären wünschenswert. Da sich auch die
Nebenwirkungen
und Toxizitätsrisiken von Enoxacin nach dem derzeitigen
Wissensstand
nicht wesentlich von den Eigenschaften der beiden anderen
Präparate
unterscheiden, kann z.Zt. keine differential-therapeutische Empfehlung
für eine dieser Substanzen ausgesprochen werden. 1 WOLFSON
JS, HOOPER DC Antimicrob Agents Chemother 28:581-586, 1985 Nach einer Einteilung der Chinolone durch die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) wird Enoxacin in der Gruppe II aufgeführt (Naber et al., Classification of fluoroquinolones. Int. J. Antimicrob. Agents 1998; 10:255-257). Enoxacin weist jedoch eine ungünstigere Nutzen-Risiko-Relation auf als andere Fluorchinolone der Gruppe II (z. B. Ofloxacin, Ciprofloxacin) und ist nicht mehr zeitgemäß. Die antibakterielle Aktivität ist relativ gering und außerdem besitzt die Substanz ein hohes Interaktionspotential durch Hemmung der hepatischen Cytochrom P450-abhängigen Monooxygenasen.
Enoxacin
(ENOXOR) wurde in den 1980er Jahren entwickelt und unter dem Namen
GYRAMID in
Deutschland in den Handel gebracht. Ein therapeutisch relevanter
Vorteil dieses
Chinolons im Vergleich zu anderen Substanzen dieser Klasse, wie zum
Beispiel
Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) war bereits zum Zeitpunkt der
Markteinführung
nicht erkennbar.
International hat dieses Arzneimittel nie eine besondere Bedeutung
erlangt und
ist in der wissenschaftlichen Literatur schlechter dokumentiert, als
zum
Beispiel Ciprofloxacin oder andere häufig angewandte Chinolone. Bekanntlich
wurden zahlreiche Chinolone in den vergangenen Jahren wegen
ungünstiger
Nutzen-Risiko-Relation vom Markt genommen, so dass diese
Arzneimittelgruppe
sich bei rationaler Betrachtung auf die drei wesentlichen Substanzen
Ciprofloxacin, Levofloxacin (TAVANIC) und Moxifloxacin (AVALOX,
ACTIMAX)
reduziert. Mit Einschränkung erscheinen auch noch Norfloxacin
(BARAZAN u.a.)
und Ofloxacin (TARIVID u.a.) akzeptabel. Umso erstaunlicher ist die
Tatsache,
dass Enoxacin in Deutschland immer noch zur Therapie angeboten wird.
Wie sich
dem aktuellen „Arzneiverordnungsreport 2005“ entnehmen lässt,
wurden 0,4
Millionen Tagesdosen im Jahr 2004 verordnet. Die Tagestherapiekosten
liegen bei
mehr als fünf Euro und sind damit höher als bei einer
Behandlung mit
Norfloxacin oder Ofloxacin.1 Die
antibakterielle Aktivität von Enoxacin ist im Vergleich zu anderen
Fluorchinolonen
geringer. Entscheidend für die negative Bewertung dieses
Arzneimittels ist aber
das Nebenwirkungs- und Interaktionspotenzial der Substanz. Dabei muss
unter
anderem auf das relativ hohe phototoxische Potenzial hingewiesen werden.2
Bullöse Exantheme an belichteten Hautstellen müssen als
mögliche Nebenwirkung
berücksichtigt werden. Auch ZNS-Nebenwirkungen sind offenbar bei
Enoxacin
stärker ausgeprägt, als bei den heute üblichen
Chinolonen.3 Weitere
Risiken bei einer Anwendung von Enoxacin ergeben sich durch die
möglichen
Interaktionen der Substanz. Es hemmt in stärkerem Maße als
andere Chinolone das
Cytochrom-Isoenzym 1A2, das zum Beispiel am Metabolismus von
Theophyllin
(BRONCHO-EUPHYLLIN u.a.) beteiligt ist. Bei gleichzeitiger Gabe von
Enoxacin und
Theophyllin ist die Theophyllin-Doisis auf ein Viertel zu reduzieren,
sonst
besteht die Gefahr von ernsten Nebenwirkungen durch den
Bronchodilatator.4
Durch die Hemmung des Metabolismus wird auch der Spiegel von Coffein
erhöht,
was zu einer verstärkten ZNS-stimulierenden Wirkung des Coffeins
führen kann.
Eine Chinolon-verursachte Schlaflosigkeit kann durch diese Interaktion
noch
verstärkt werden. Aktuelle
Arbeiten zeigen, dass auch mit Psychopharmaka Interaktionen auftreten
können.
Der Metabolismus von Fluvoxamin (FLUVOXAMIN ratiopharm u. a.) wird zum
Beispiel
gehemmt, die Plasmakonzentration des Antidepressivums war bei
gleichzeitiger
Gabe von Enoxacin signifikant erhöht, Fluvoxamin-verursachte
Müdigkeit war
signifikant verstärkt.5 FAZIT:
Enoxacin (ENOXOR) weist eine ungünstigere Nutzen-Risiko-Relation
auf als andere
Fluorchinolone und ist nicht mehr zeitgemäß. Die
antibakterielle Aktivität ist
relativ gering und außerdem besitzt die Substanz ein hohes
Interaktionspotenzial durch Hemmung der hepatischen Cytochrom
P450-abhängigen
Monooxygenasen. 1. SCHWABE,
U., PAFFRATH, D. Arzneiverordnungsreport 2005 Brit. J.
Dermatol. 2003; 149: 1232 - 1241 J
Infect Chemother 2003; 9:
314 - 320 Ther
Drug Monit 2005; 27:
349-353 |