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Emtricitabin
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Aktuelle
Ergänzungen am Ende des Textes
Alle derzeit bekannten
antiretroviral
wirksamen Arzneimittel
führen bei einer Monotherapie rasch zur Resistenzentwicklung von
HIV.
Konsequenterweise besteht die antiretrovirale Therapie stets aus einer
Kombination mehrerer Wirkstoffe, die oft mehrmals täglich
eingenommen
werden müssen. Die damit zusammenhängenden
Compliance-Probleme
sind häufig beschrieben und diskutiert worden. Ohne Zweifel ist
die
nur einmal tägliche Einnahme von möglichst nur einer Tablette
oder Kapsel pro Medikament ein erstrebenswertes Ziel.1
Dies gilt bei der antiretroviralen Therapie vor allem unter dem Aspekt,
dass die Compliance der Patienten und die Risiken der
Resistenzentwicklung
der Erreger eng miteinander verbunden sind. Eine neue Therapieoption,
bei
der die Voraussetzung für eine verbesserte Compliance gegeben ist,
besteht in der Verordnung von Emtricitabin (EMTRIVA), einem neuen
Präparat
zur Behandlung von HIV-Patienten, das nur einmal täglich
eingenommen
werden muss.
Antivirale
Wirkung
Emtricitabin ist ein
synthetisches
Nukleosid-Analogon
von Cytosin. Die Substanz kann auch als 5-fluoriertes Derivat von
Lamivudin
(EPIVIR) angesehen werden und zählt zu den nukleosidischen
Hemmstoffen
der reversen-Transkriptase (NRTI) von HIV-1 und HIV-2.2,3
Das Nukleosid wird
durch Phosphorylierung
aktiviert und
besitzt neben der antiretroviralen Wirkung auch eine hohe
Aktivität
gegen das Hepatitis B-Virus (HBV). Die Wirksamkeit gegen HBV ist in
vitro
und im Tiermodell ähnlich wie die von Lamivudin.4,5
Die in vitro-Aktivität von Emtricitabin gegen HIV war in den
meisten
Versuchsansätzen deutlich höher als die von Lamivudin. Je
nach
untersuchtem Isolat und den jeweiligen Versuchsbedingungen wurde die
IC50
(= Konzentration, bei der eine 50%ige Hemmung der Virusvermehrung in
der
Zellkultur eintritt) von Emtricitabin mit 0,0013 bis 0,5 µM
bestimmt
(Molekulargewicht der Substanz: 247; 1 µM = 0,25 mg/l).2,3
Stämme von HIV mit Resistenz gegen Emtricitabin wurden
beschrieben;
die entsprechende Mutation betrifft das Codon 184 der reversen
Transkriptase
und führt zu einem Austausch der Aminosäure Methionin gegen
Valin
oder Isoleucin im Enzym (M184V/I). Diese Viren zeigten Kreuzresistenz
zu
den anderen verfügbaren Cytidin-Analoga Lamivudin und Zalcitabin
(HIVID),
waren aber empfindlich gegenüber anderen Nukleosiden, wie zum
Beispiel
Didanosin
(VIDEX), Zidovudin
(RETROVIR), sowie Nevirapin
(VIRAMUN) oder
anderen nicht-nukleosidischen Hemmstoffen.6
Pharmakokinetische
Eigenschaften
Klinische
Studien
Unerwünschte
Wirkungen,
Interaktionen
In vitro zeigte Emtricitabin kein inhibierendes Potenzial auf diverse CYP450-Isoformen; der Wirkstoff führte auch nicht zu einer Hemmung der für die Glucuronidierung verantwortlichen Enzymsysteme. Erwartungsgemäß ließen sich keine Interaktionen nachweisen, als Emtricitabin zusammen mit Indinavir (CRIXIVAN), Zidovudin, Stavudin, Famciclovir (FAMVIR) oder Tenofovir (VIREAD) verabreicht wurde. ZUSAMMENFASSUNG Emtricitabin (EMTRIVA) ist ein neues Nukleosid zur antiretroviralen Therapie. Von Vorteil ist die relativ lange Halbwertzeit, wodurch eine einmal tägliche Verabreichung möglich ist. Die bisherigen klinischen Erfahrungen unterstreichen die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit der Substanz. Interaktionen durch Hemmung von Cytochrom-Enzymen, wie sie etwa bei Protease-Inhibitoren vorkommen, sind nicht zu erwarten. Insgesamt ist es durch das neue Arzneimittel möglich, die Dauertherapie der HIV-Infektion zu vereinfachen und damit Patienten-freundlicher zu machen. 1. ENA J, PASQUAU F. Once-a-day highly active antiretroviral therapy: a systematic review. Clin Infect Dis. 2003 May 1;36(9):1186-90. 2. Emtriva, Full prescribing Information, Gilead Sciences (www.emtriva.com) 3. Emtriva 200 mg Hartkapseln, Fachinfo, Gilead, UK 4. GISH RG, LEUNG NW et al. Dose range study of pharmacokinetics, safety, and preliminary antiviral activity of emtricitabine in adults with hepatitis B virus infection. Antimicrob Agents Chemother. 2002 Jun;46(6):1734-40. 5. BANG LM, SCOTT LJ. Emtricitabine: an antiretroviral agent for HIV infection. Drugs. 2003;63(22):2413-24; discussion 2425-6.
Aktuelle
Ergänzungen (Dezember 2005) Seit der Erstellung und Veröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 1, 2004) sind zahlreiche weitere Arbeiten über Emtricitabin publiziert worden. Insbesondere soll an dieser Stelle auf die folgenden Arbeiten hingewiesen werden: 1. GISH RG, TRINH H et al. Safety and antiviral activity of emtricitabine (FTC) for the treatment of chronic
hepatitis
B infection: a two-year study.
J Hepatol. 2005 Jul;43(1):60-6.
2. NUNEZ M, SORIANO V. Management of patients co-infected with hepatitis B virus and HIV. Lancet Infect Dis. 2005 Jun;5(6):374-82. 3. BENSON CA, VAN DER HORST C et al. A randomized study of emtricitabine and lamivudine in stably suppressed patients with HIV. AIDS. 2004 Nov 19;18(17):2269-76. 4. STEVENS RC, BLUM MR et al. Intracellular pharmacology of emtricitabine and tenofovir. Clin Infect Dis. 2004 Sep 15;39(6):877-8; author reply 878-9. 5. SAAG MS, CAHN P et al. Efficacy and safety of emtricitabine vs stavudine in combination therapy in antiretroviral-naive patients: a randomized trial. JAMA. 2004 Jul 14;292(2):180-9. 6. FENG JY, MURAKAMI E et al. Relationship between antiviral activity and host toxicity: comparison of the incorporation efficiencies of 2',3'-dideoxy-5-fluoro-3'-thiacytidine-triphosphate analogs by human immunodeficiency virus type 1 reverse transcriptase and human mitochondrial DNA polymerase. Antimicrob Agents Chemother. 2004 Apr;48(4):1300-6. 7. WANG LH, WIZNIA AA et al. Pharmacokinetics and safety of single oral doses of emtricitabine in human immunodeficiency virus-infected children. Antimicrob Agents Chemother. 2004 Jan;48(1):183-91. 8. SAAG MS. Emtricitabine, a new antiretroviral agent with activity against HIV and hepatitis B virus. Clin Infect Dis. 2006 Jan 1;42(1):126-31. 9. FRAMPTON JE, PERRY CM. Emtricitabine: a review of its use in the management of HIV infection. Drugs. 2005;65(10):1427-48. |