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Doripenem -
ein
Carbapenem zur parenteralen Therapie schwerer Infektionen
Unveränderter
Text aus Heft 5, 2008
Thienamycin
- der Vorläufer der Carbapeneme - wurde Mitte der 1970er Jahre aus
Streptomyces cattleya isoliert. Die
Bezeichnung „cattleya“ für diese Streptomycesart wurde
gewählt, weil die
Kulturen des Mikroorganismus farblich an Orchideenblüten der
Gattung Cattleya
erinnern.1 Thienamycin ist aufgrund seiner Instabilität
nicht als
Arzneimittel geeignet, daher ist der Naturstoff durch chemische
Modifikationen kontinuierlich
weiter entwickelt worden. Während das klassische Imipenem
(ZIENAM)
nur zusammen
mit Cilastatin als „Stabilisator“ angewandt werden konnte, sind mit Meropenem
(MERONEM) und Ertapenem
(INVANZ) mittlerweile auch zwei Carbapeneme
erhältlich,
die nicht durch Dehydropeptidasen in der menschlichen Niere abgebaut
werden.
Mit Doripenem (DORIBAX) steht nun ein weiteres Carbapenem zur
Verfügung, das
für die Behandlung von schweren, oft lebensbedrohlichen
Infektionen zugelassen
ist. Auch dieses Molekül weist eine 1-ß-Methylgruppe am
Grundgerüst auf (s.
Abbildung), die der Substanz Stabilität gegenüber einer
Hydrolyse durch die
Dehydropeptidase verleiht.2,3
Der
Pfeil markiert die 1-ß-Methylgruppe, die der Substanz
Stabilität gegenüber der
Dehydropeptidase verleiht.
Antimikrobielle
Aktivität
Die
charakteristische Eigenschaft der Carbapeneme ist ihr breites
antibakterielles
Wirkungsspektrum gegen grampositive und gramnegative, aerobe und
anaerobe
Bakterien.4 Doripenem ist im grampositiven Bereich etwa so
wirksam
wie Imipenem und gegen gramnegative Bakterien etwa so wirksam wie
Meropenem. Nicht
zum Spektrum gehören Methicillin-resistente Staphylokokken und E.
faecalis. Bemerkenswert
ist vor allem die verbesserte Aktivität gegen Pseudomonas
aeruginosa. Alle
während einer klinischen Studie bei beatmeten Patienten mit
nosokomialer
Pneumonie isolierten Stämme von P. aeruginosa wurden durch
Konzentrationen von höchstens
4 mg Doripenem / l gehemmt; dies traf bei Imipenem nur auf 19 von 25
Stämmen
zu, bei drei Stämmen wurde eine MHK von 8 mg/l und bei weiteren
drei Stämmen
eine MHK von ≥16 mg/l bestimmt.5 Von Interesse ist auch die
hohe
Aktivität gegen Acinetobacter baumannii und andere Erreger, die
ß-Laktamasen
mit erweitertem Spektrum bilden (ESBL).
Pharmakokinetische
Eigenschaften
Doripenem
wird in einer Dosierung von 500 mg alle acht Stunden über eine
Stunde infundiert;
aufgrund der relativ hohen Stabilität bei Raumtemperatur ist mit
Doripenem auch
eine verlängerte Infusion bis zu vier Stunden möglich.
Dadurch verlängert sich die
Zeit, in denen die Plasmaspiegel von Doripenem über der MHK der
jeweiligen
Erreger liegen. Die „Zeit über der MHK“ ist der entscheidende
pharmakologische
Parameter für die bakterizide Wirkung der
ß-Laktamantibiotika. Die längere
Infusionsdauer kann gerade bei komplizierten Infektionen geeignet sein,
da auch
weniger empfindliche Erreger erfasst werden können. Nach
einstündiger Infusion
lag die Spitzenkonzentration im Plasma bei 23 mg/l, der AUC-Wert wurde
mit 36
mg/l x h berechnet.2,6
Doripenem
verteilt sich gut in Körperflüssigkeiten und Geweben, die
Plasmaproteinbindung
ist mit ca. 8,1% niedrig. Das Carbapenem wird durch Öffnung des
ß-Laktamringes
zu einem mikrobiologisch inaktiven Metaboliten hydrolysiert. Doripenem
wird
vorwiegend unverändert über die Nieren ausgeschieden; ca. 20%
lassen sich im
Urin in Form des Metaboliten nachweisen. Die mittlere
Eliminations-Halbwertzeit
aus dem Plasma bei gesunden Erwachsenen ist kurz, sie beträgt etwa
eine Stunde;
für den Metaboliten wurde eine Eliminationshalbwertzeit von 2,5
Stunden
ermittelt.6 Bei Personen über 66 Jahre ist die AUC etwa
50% höher
als bei jüngeren Probanden. Dies ist in erster Linie auf eine
geringere Kreatinin-Clearance
(CrCl) im Alter zurückzuführen.
Bei
Patienten mit mäßigen bis schweren Störungen der
Nierenfunktion ist in
Abhängigkeit von der Kreatinin-Clearance eine Dosisreduktion
und/oder eine
Verlängerung des Applikationsintervalls erforderlich.Bei einer
Kreatinin-Clearance
von 30 bis 50 ml/ min soll die Dosierung halbiert werden (250 mg alle
acht
Stunden), bei einer CrCl < 30 ml/ min wird diese reduzierte Dosis
nur alle
12 Stunden infundiert.2
Klinische
Wirksamkeit
Die
klinische Wirksamkeit von Doripenem bei nosokomialen Pneumonien wurde
in zwei
offenen Studien an insgesamt 979 Patienten überprüft
(DORI-09, DORI-10).
Doripenem erwies sich dabei als mindestens gleich gut wirksam wie die
Vergleichsantibiotika Imipenem oder Piperacillin
/ Tazobactam
(TAZOBAC). Die
klinischen Heilungsraten der 531 beatmeten Patienten in der DORI-10
Studie lagen
bei 68% (Doripenem) und 64% (Imipenem), ein größerer
Unterschied war bei Infektionen
durch P. aeruginosa erkennbar: hier betrug die Heilungsrate
unter
Doripenem 80% (16 von 20 Patienten) und unter Imipenem 42,9% (6 von 14
Patienten), der Unterschied war jedoch nicht statistisch signifikant.5
Die mittlere Krankenhaus-Verweildauer war in dieser Studie unter
Doripenem mit
22 Tagen signifikant kürzer als unter Imipenem mit 27 Tagen
(p=0,01). Patienten
in der Doripenem-Gruppe mussten nur sieben Tage beatmet werden, die
Beatmungsdauer in der Imipenem-Gruppe lag dagegen bei zehn Tagen
(p=0,034). Die
Liegedauer auf der Intensivstation war in beiden Gruppen vergleichbar.7
In
zwei
Doppelblindstudien wurden 946 erwachsene Patienten mit komplizierten
intraabdominellen Infektionen mit Doripenem (500 mg i.v. über eine
Stunde alle acht
Stunden) oder Meropenem
(1.000 mg i.v. Bolus-Injektion alle acht
Stunden)
behandelt. Nach mindestens drei Tagen parenteraler Therapie war ein
Wechsel auf
eine orale Behandlung mit Coamoxiclav (AUGMENTAN u.a.) erlaubt.
Doripenem war sowohl
nach klinischen als auch nach mikrobiologischen Kriterien vergleichbar
gut
wirksam wie Meropenem. Die Heilungsraten lagen jeweils bei ca. 85%.8
In
zwei
weiteren Studien wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von
Doripenem bei
Patienten mit komplizierten Harnwegsinfektionen einschließlich
Pyelonephritis
überprüft. In einer Doppelblindstudie wurden die Patienten
zum Vergleich mit
Levofloxacin
(TAVANIC, 250 mg alle 24 Stunden) behandelt. Die
Behandlung
dauerte zehn
Tage
mit der Option, auf eine orale Levofloxacin-Therapie
nach mindestens drei Tagen i.v.-Therapie zu wechseln. Doripenem erwies
sich auch
bei dieser Indikation als nicht-unterlegen gegenüber Levofloxacin
hinsichtlich
mikrobiologischer Eradikationsraten oder der klinischen Heilungsrate.9
Unerwünschte
Wirkungen, Interaktionen
In den
klinischen
Studien wurde Doripenem gut vertragen. Als unerwünschte Wirkungen
wurden am
häufigsten Kopfschmerzen (10 %), Diarrhö (9 %) und
Übelkeit
(8 %) registriert. Ferner traten Pruritus, Hautausschlag,
Phlebitis, orale
Candidose, Pilzinfektionen der Vulva und Erhöhungen der
Leberenzyme auf. Krampfauslösende
Wirkungen wurden nur sehr selten beobachtet. Nur bei 0,1% der Patienten
kam es
zu einem Nebenwirkungs-bedingten Abbruch der Therapie.2
Bei
gleichzeitiger Gabe von Valproinsäure (ERGENYL u.a.) mit Meropenem
oder anderen
Carbapenemen sind die Plasmakonzentrationen des Antiepileptikums
deutlich
reduziert und es kann zu Krampfanfällen kommen.10,11
Valproinsäure
wird überwiegend durch Glukuronidierung verstoffwechselt, der
Metabolit wird
anschließend teilweise aber auch wieder hydrolytisch gespalten.
Offenbar hemmen
die Carbapeneme die Hydrolyse des Glukuronids und dadurch liegt weniger
freie
Valproinsäure im Plasma vor. Die Serumspiegel von
Valproinsäure müssen daher
kontrolliert und die Dosierung eventuell angepasst werden, wenn
Doripenem oder
ein anderes Carbapenem gleichzeitig verabreicht wird.
Zusammenfassung
Mit Doripenem (DORIBAX) steht ein neues Carbapenem
zur
parenteralen Therapie schwerer Infektionen zur Verfügung. Das
Antibiotikum ist
in vitro aktiv gegen ein breites Spektrum grampositiver und
gramnegativer,
aerober und anaerober Bakterien einschließlich Pseudomonas und
ESBL-Bildner. Die
übliche Dosis von 500 mg wird dreimal täglich als Infusion
über eine Stunde
verabreicht. Aufgrund seiner guten Stabilität in wässrigen
Lösungen kann es
auch über vier Stunden infundiert werden. Die Elimination erfolgt
mit einer
Halbwertzeit von etwa einer Stunde renal, bei Niereninsuffizienz muss
die Dosis
reduziert werden. In umfangreichen, teils doppelblind
durchgeführten klinischen
Prüfungen erwies es sich als wirksam bei Patienten mit
nosokomialen Pneumonien,
einschließlich Pneumonien bei beatmeten Patienten, sowie bei
komplizierten
abdominellen Infektionen und komplizierten Harnwegsinfektionen
einschließlich
Pyelonephritis. Das Antibiotikum war gut verträglich. Bei
gleichzeitiger Gabe
von Valproinsäure (ERGENYL u.a.) müssen die Spiegel des
Antiepileptikums
kontrolliert werden, da mit Interaktionen aufgrund der Erfahrungen mit
anderen
Carbapenemen gerechnet werden muss.
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