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Delavirdin
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ein
Hemmstoff der
reversen Transkriptase
Originaltext
aus ZCT 01-1999 
Aktuelle
Ergänzungen am Ende
des Textes
In den vergangenen Jahren
sind zahlreiche
antiviral wirksame
Chemotherapeutika zur Behandlung der HIV-Infektion zugelassen worden.
Mittlerweile
stehen ein Dutzend verschiedener Präparate aus drei verschiedenen
Arzneimittelgruppen zur Verfügung. Dabei handelt es sich um
Hemmstoffe
der viralen Protease [z.B. Indinavir
(CRIXIVAN), um Hemmstoffe der reversen Transkriptase
mit
Nukleosidstruktur [z. B. Lamivudin
(EPIVIR)] oder um nicht-nukleosidische Hemmstoffe der
reversen Transkriptase.
Wirkungsmechanismus, Resistenz
Delavirdin (RESCRIPTOR) ist
ein neuer
Inhibitor aus der
zuletzt genannten Gruppe und zeigt damit enge Verwandtschaft mit Nevirapin
(VIRAMUNE). Diese Substanzen hemmen das virale Enzym,
indem
sie sich an eine Stelle des Moleküls anlagern, die mit dem
katalytischen
Zentrum assoziiert ist. Typischerweise werden HI-Viren rasch resistent
gegen diese Wirkstoffe, wenn sie alleine zur Anwendung kommen. Die
Mutationen
der reversen Transkriptase betreffen in der Regel Kodon 103, 181 und
236.
Zwischen Delavirdin und den anderen Medikamenten dieser Substanzklasse (Nevirapin,
Efavirenz)
besteht eine fast 100%ige
Kreuzresistenz.
Delavirdin darf daher nur kombiniert mit anderen erprobten
antiretroviralen
Medikamenten eingesetzt werden.1
Strukturformel Delavridin
Pharmakokinetische Eigenschaften
Im Handel sind Tabletten mit
100 mg
Wirkstoff. Delavirdin
wird mit einer Bioverfügbarkeit von etwa 80% aus dem
Magen-Darmtrakt
resorbiert und zu etwa 98% an Plasmaeiweiß gebunden. Delavirdin
wird
jeweils etwa zur Hälfte über die Leber und über die
Niere
eliminiert. Die Eliminationshalbwertzeit ist dosisabhängig; bei
einer
Dosierung von 3 x 400 mg beträgt sie etwa 6 Stunden. Die
hepatische
Metabolisierung erfolgt durch die Cytochrom P450-abhängigen
Monooxygenasen
CYP3A und CYP2D6. Der Wirkstoff ist nicht nur Substrat für die
Monooxygenasen,
sondern kann die Aktivität dieser wichtigen metabolisierenden
Enzyme
auch hemmen.2, 3
Therapeutische Anwendung
Delavirdin wird in
Kombination mit anderen
antiretroviral
wirksamen Chemotherapeutika zur Therapie von HIV-infizierten Patienten
angewandt.
Unerwünschte Wirkungen
Es kann zu gastrointestinalen
Nebenwirkungen, wie z.B.
Übelkeit, kommen; auch Transaminasenerhöhungen sind
beobachtet
worden. Die wichtigste Nebenwirkung ist jedoch ein Exanthem, das bei
bis
zu 50% der Patienten auftreten kann. Das Exanthem tritt meist in der
zweiten
und dritten Therapiewoche vorzugsweise am Oberkörper und an den
Oberarmen
auf. Es ist häufiger bei Patienten mit niedrigen CD4-Werten. In
schweren
Fällen, in denen das Exanthem von systemischen Manifestationen wie
Fieber, Konjunktivitis, Muskel- und Gelenkschmerzen begleitet ist,
sollte
Delavirdin sofort abgesetzt werden.
Interaktionen
Wie die meisten anderen
antiretroviral
wirksamen Medikamente,
so kann auch Delavirdin erhebliche Interaktionen mit anderen
gleichzeitig
verabreichten Arzneimitteln verursachen. Wichtigste Ursache ist
sicherlich
die Hemmung von CYP 3A, das an der Verstoffwechselung zahlreicher
anderer
Arzneimittel beteiligt ist. Von besonderem Interesse sind dabei die
Interaktionen
mit Proteaseinhibitoren, da Delavirdin stets in Kombination mit anderen
Virustatika verabreicht werden muß. Die AUC-Werte der
Proteaseinhibitoren
steigen bei einer kombinierten Therapie mit Delavirdin auf ein
Mehrfaches
an. Gezielt durchgeführte Studien haben gezeigt, daß bei
einer
kombinierten Gabe zusammen mit Indinavir die Tagesdosis des
Proteaseinhibitors
offenbar reduziert werden kann. Bei diesen Studien bleibt allerdings
eine
wichtige Tatsache unberücksichtigt: da die hepatischen
Monooxygenasen
individuell in sehr unterschiedlichen Mengen in der Leber vorhanden
sind,
muß stets hinsichtlich der (beabsichtigten oder unbeabsichtigten)
Interaktionen mit einer erheblichen Variabilität gerechnet werden.
1. DE
CLERCQ E. The
role of non-nucleoside reverse transcriptase inhibitors (NNRTIs) in the
therapy of HIV-1
infection. Antiviral Res. 1998 Jun;38(3):153-79.
2. MORSE
GD, FISCHL MA et al. Single-dose
pharmacokinetics of delavirdine mesylate and didanosine in patients
with
human immunodeficiency virus infection. Antimicrob Agents Chemother. 1997
Jan;41(1):169-74.
3. FERRY
JJ, HERMAN BD et al.
Pharmacokinetic drug-drug interaction study of delavirdine and
indinavir in
healthy
volunteers.
J Acquir Immune Defic Syndr Hum Retrovirol. 1998 Jul 1;18(3):252-9.
Aktuelle
Ergänzungen (10.
Februar 2004)
Delavirdin (RESCRIPTOR) ist
in Deutschland
nicht im Handel.
| Hinweis:
Aktuelle Informationen in englischer Sprache über geeignete
Arzneimittel, Behandlungsrichtlinien, aktuelle klinische Studien und
andere Aspekte der antiretroviralen Therapie finden Sie unter www.aidsinfo.nih.gov |
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