|
Unveränderter Text aus ZCT Heft 1, 1985 Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Bei den Chinolonderivaten ("Gyrasehemmer") zeichnet sich für die nächste Zeit eine ähnlich stürmische Entwicklung ab, wie seit Jahren bei den ß-Lactam-Antibiotika beobachtet werden kann. Die bisher zugelassenen Chinolone sind überwiegend jedoch nur zur Therapie von Harnwegsinfektionen geeignet. Das gilt für Nalidixinsäure (NOGRAM), die älteste Substanz dieser Gruppe, ebenso wie für Cinoxacin (CINOBACTIN), das Anfang der siebziger Jahre beschrieben wurde und seit kurzem in der Bundesrepublik auf dem Markt ist. Mikrobiologie Cinoxacin hemmt alle wichtigen gramnegativen Harnkeime - mit Ausnahme von Pseudomonas aeruginosa - durch Hemmung des bakteriellen Enzyms "DNA-Gyrase". Grampositive Bakterien wie Staphylokkoken und Enterokokken sind resistent. Die antibakterielle Aktivität der Neueinführung entspricht in etwa der der Nalidixinsäure. Bei E. coli liegen die MHK90-Werte - also die Konzentrationen, bei denen mindestens 90% der Stämme gehemmt werden - bei 4 bis 8 mg/l. Proteus, Citrobacter und Enterobacter sind weniger empfindlich: die minimalen Hemmkonzentrationen betragen 16 mg/l für Nalidixinsäure und 16 bis 64 mg/l für Cinoxacin. Diesen Derivaten gegenüber ist das modernere Norfloxacin (BARAZAN; vgl. "ZCT" 5: 21, 1984) um Größenordnungen aktiver: die entsprechenden Konzentrationen liegen bei 0,25 bis 0,5 mg/l. Pharmakokinetik Pharmakokinetisch besitzt Cinoxacin einige günstige Eigenschaften: es wird nahezu vollständig nach oraler Gabe absorbiert. Im Serum ist die Substanz zu 65% an Eiweiß gebunden. Die Gewebegängigkeit ist - wie bei den anderen Substanzen auch - schlecht. Im Urin werden dagegen recht hohe Spiegel erzielt (im Mittel 590 mg/l nach einer 500 mg-Dosis), denn das Chinolon wird mit einer Halbwertzeit von 1 bis 1,5 Stunden überwiegend glomerulär filtriert und tubulär sezerniert. Probenecid (BENEMID) interferiert in unerwünschter Weise mit Cinoxacin, indem die Halbwertzeit verlängert und die Urinspiegel gesenkt werden. Bei Einschränkung der Kreatinin-Clearance auf Werte zwischen 25 und 65 ml/min wird anstatt der 2-mal täglich 500 mg-Dosierung nur 1 Kapsel alle 24 Stunden verordnet. Bei stärkerer Einschränkung der Nierenfunktion (5-25 ml/min) kann das Applikationsintervall auf 48 Stunden verlängert werden. In noch weiter fortgeschrittenen Stadien der Niereninsuffizienz (unter 5 ml/min) soll Cinoxacin nicht gegeben werden. Klinik Cinoxacin ist ein wirksames Chemotherapeutikum bei Infektionen der Harnwege.
Es stellt damit eine Alternative zu anderen Chinolonderivaten, zu Cotrimoxazol
(BACTRIM, COTRIM-TABLINEN u.a.), Aminopenicillinen und Nitrofurantoin (FURADANTIN,
URO-TABLINEN u.a.) dar. Dabei ist zu bedenken, daß keine wirksamen
Gewebespiegel, sondern ähnlich wie bei dem zuletzt genannten Präparat,
nur antibakteriell wirksame Konzentrationen im Harn erreicht werden.
ZUSAMMENFASSUNG Mit Cinoxacin (CINOBACTIN) wurde ein weiteres Präparat aus der
Gruppe der Gyrasehemmer in der Bundesrepublik zugelassen. Es hemmt vor
allem die gramnegativen Erreger aus der Gruppe der Enterobacteriaceen.
Pseudomonas, Staphylokokken und Enterokokken stellen wichtige Lücken
im Spektrum dar. Nach oraler Gabe wird Cinoxacin zwar gut resorbiert, jedoch
lassen sich nur im Urin ausreichende, antibakteriell wirksame Konzentrationen
erreichen. Über seine zukünftige Position innerhalb der zahlreichen
Harnwegschemotherapeutika werden auch die Verträglichkeit und das
Preisniveau mitentscheidend sein.
SISCA,
S. et al. Drugs 25: 544-569, 1983
Cinoxacin ist von historischem Interesse, Fluorchinolone der Gruppe I oder II nach PEG sollten bevorzugt angewandt werden. In der Einteilung der Chinolone der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für
Chemotherapie (PEG) wird Cinoxacin nicht mehr aufgeführt (Naber
et al., Classification of fluoroquinolones. Int. J. Antimicrob. Agents
1998; 10:255-257).
|