Ciclopiroxolamin - ein neues Antimykotikum zur lokalen
Therapie
Unveränderter Text aus ZCT Heft 6, 1981
Aktuelle Ergänzungen am Ende
des Textes
Das reichhaltige Angebot an lokalen Antimykotika wurde vor einigen Monaten
durch Ciclopiroxolamin (BATRAFEN) ergänzt1,2,
das einer neuen Substanzklasse angehört ("Hydroxypyridone"), und das
als "Mehrbereichs-Breitspektrum-Antimykotikum" in der Werbung angepriesen
wird. Es eignet sich jedoch ebenfalls nur zur lokalen Therapie. Nach oraler
Gabe erfolgt eine rasche Inaktivierung der Substanz durch Glucuronidierung.
Die Metaboliten werden überwiegend renal eliminiert. Während
die Resorptionsquoten bei dermaler Applikation sehr gering sind, muß
nach vaginaler Anwendung "auch beim Menschen eine hohe Resorption angenommen
werden."2
Unter der Prüfbezeichnung HOE 296 wurden die antimykotischen Eigenschaften
der Substanz 1973 erstmalig beschrieben. Zu seinen positiven Eigenschaften
gehören ein gutes Penetrationsvermögen in verhornte Hautgebilde
und eine gute Wirksamkeit gegen ein breites Spektrum hautpathogener Pilzarten.
Dabei liegen die minimalen Hemmkonzentrationen sehr nahe beieinander, 1
bis 4 µg/ml. Im Gegensatz zu den Imidazol-Antimykotika erfolgt bei
Ciclopiroxolamin der Übergang von wirksamen zu nicht-wirksamen Konzentrationen
in einem engen Bereich. Dies gilt besonders bei Testung in eiweißhaltigen
Medien, die wegen des hohen Proteingehaltes verhornter Hautschichten den
in vivo-Bedingungen näher kommen sollen.
Die Labortestung erfolgt jedoch in der Regel in Medien, die frei vom
hohen Skleroproteingehalt der Hornschichten und reich an leicht verwertbaren
Substanzen sind. Daraus resultiert eine Wachstumsgeschwindigkeit, die in
vivo niemals vorkommt. Über den Wert einer neuen Zubereitung kann
letztlich nur der klinische Versuch einen zuverlässigen Nachweis bringen.
Neben einigen offenen Studien, die eine gute Wirksamkeit des neuen
Präparates belegen, gibt es auch einige Doppelblind-Studien über
Ciclopiroxolamin im Vergleich mit Clotrimazol (CANESTEN u.a.) und Tolnaftat
(TONOFTAL u.a.). In einer zusammenfassenden Beurteilung mehrerer Studien,
die teilweise schon vor Einführung der Imidazol-Antimykotika [Clotrimazol,
Miconazol (DAKTAR u.a.)] durchgeführt wurden, wird allen untersuchten
Präparaten bei jeweils empfindlichen Erregergruppen "ein ähnlicher
Wirksamkeitsgrad" bescheinigt.2
ZUSAMMENFASSUNG
Ciclopiroxolamin (BATRAFEN) ist ein neues Lokalantimykotikum, das gegen
ein breites Spektrum hautpathogener Pilzstämme wirksam ist. Ein therapeutischer
Fortschritt ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt durch Einführung
des Chemotherapeutikums nicht zu erkennen, da es im klinischen Doppelblindversuch
keinen Vorteil gegenüber den heutigen Standardpräparaten zeigte.
1 RIETH, H. Pharm. in uns. Zeit 9: 1-19, 1980
2 Supplement: "Ciclopiroxolamin" Arzn.-Forsch./Drug Res. 31: 1309-1386,
1981
Aktuelle Ergänzungen
(November
2000)
Seit der Erstellung und Veröffentlichung dieses Artikels in der
Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 6, 1981) sind zahlreiche weitere
Arbeiten über Ciclopiroxolamin (= Ciclopirox) publiziert worden.
Insbesondere soll an dieser Stelle auf die folgenden Publikationen hingewiesen
werden:
Jue
SG, Dawson GW, Brogden RN. Ciclopiroxolamine 1% cream. A preliminary review
of its antimicrobial activity and therapeutic use. Drugs. 1985;29:330-341
Gupta
AK, Einarson TR, Summerbell RC, Shear NH. An overview of topical antifungal
therapy in dermatomycoses. A North American perspective. Drugs. 1998;55:645-674
Niewerth
M, Korting HC. Management of onychomycoses. Drugs. 1999;58:283-296