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ein neues ß-Lactam-Antibiotikum zur oralen Behandlung Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Die Möglichkeit zur
halbsynthetischen
Herstellung
von Cephalosporinen ist seit Jahrzehnten bekannt. Tausende von
verschiedenen
Derivaten sind seitdem synthetisiert worden. Manchen ist es gelungen,
die
Hürden der ersten in vitro Untersuchungen zu überwinden, und
zahlreiche Cephalosporine sind zur Behandlung von bakteriellen
Infektionen
im Handel. Anfang der 80er Jahre wurden etliche Präparate zur
parenteralen
Applikation eingeführt. Der Anfang der 90er steht nun unter dem
Zeichen
einer Einführungswelle von Derivaten zur oralen Anwendung. Eine
Übersicht
über diese Arzneimittelgruppe hatten wir bereits in einer
früheren
Ausgabe der Zeitung (ZCT 13:25-26, 1992) gegeben. Ceftibuten (KEIMAX)
ist
das neueste Oralcephalosporin, das in Deutschland auf den Markt
gekommen
ist. Weitere werden bald folgen.
Antibakterielle Eigenschaften
Angesichts der Vielzahl von
Derivaten,
die
entwickelt
wurden, überrascht es nicht, daß die
Struktur-Wirkungsbeziehungen
in dieser Arzneimittelklasse gut bekannt sind. So weist auch das neue
Cephalosporin
bekannte Strukturkomponenten auf, die es als oral anwendbar (keine
Substitution
an C3) und als ß-laktamasefest mit Wirkungsschwerpunkt im
gramnegativen
Bereich ausweisen (Aminothiazolgruppe und Carboxylgruppe in der
Seitenkette
an C7). Während es gegenüber plasmidkodierten
ß-Laktamasen
stabil ist, wird es durch chromosomal kodierte ß-Laktamasen
inaktiviert
(z. B. in Enterobacter oder Bacteroides-Spezies). Staphylokokken,
Enterokokken
und Pseudomonaden sind wichtige Lücken im Spektrum der Substanz.
Gut
wirksam ist es dagegen bei E. coli, Klebsiellen, Proteus-Arten,
Haemophilus
influenzae, Streptococcus pyogenes und Streptokokken. Insgesamt
läßt
sich also für dieses Arzneimittel eine Aktivitätssteigerung
im
gramnegativen und eine reduzierte Aktivität im grampositiven
Bereich
feststellen. Es weist in dieser Hinsicht Ähnlichkeit mit Cefixim
(CEPHORAL)
auf.
Pharmakokinetische Eigenschaften Die Resorptionsrate nach
oraler Gabe von
Ceftibuten (Kapseln
oder Suspension) wird mit etwa 80% angegeben. Die Bioverfügbarkeit
ist bei Einnahme mit einer Mahlzeit reduziert; das Präparat sollte
nüchtern eingenommen werden. Die Spitzenkonzentration nach
Einnahme
von 400 mg liegt im Mittel bei 15,6 mg/l und die AUC ("Fläche
unter
der Konzentrations-Zeit-Kurve") wurde mit etwa 80 mg x h/l berechnet.
Die
Proteinbindung beträgt 62%. Etwa 10% einer Dosis von Ceftibuten -
das als cis-Isomer vorliegt - wird im Organismus in das trans-Isomer
umgewandelt
und renal eliminiert. Dieser Metabolit besitzt eine deutlich
schwächere
antibakterielle Wirkung.
Therapeutische Wirksamkeit Die übliche
therapeutische
Dosierung
von Ceftibuten
beträgt im ambulanten Bereich 1-mal täglich 400 mg (9 mg/kg
pro
Tag für Kinder). Bei schweren Infektionen und im Krankenhaus
sollten
bei nicht renalen Infektionen 2-mal 400 mg täglich gegeben werden.
Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 50
ml/min)
soll die Tagesdosis auf höchstens 200 mg reduziert werden.
Ceftibuten kommt zur Behandlung von Infektionen der Harnwege und der Atemwege in Frage. Bei Harnwegsinfektionen, Otitis media, purulenter Bronchitis und Pneumonie ist es etwa ebenso wirksam wie andere, häufig eingesetzte Antibiotika [z. B. Cotrimoxazol (BACTRIM u. a.), Cefaclor (PANORAL), Penicillin V (ISOCILLIN u. a.), Amoxicillin (AMOXYPEN u.a.)]. Bei mehreren hundert Kindern mit Tonsillopharyngitis wurde das neue Antibiotikum bei 1-mal täglicher Gabe von 9 mg/kg KG mit Penicillin V (3 x täglich 8 mg/kg) verglichen. Ceftibuten war bei 97% der Patienten erfolgreich, Penicllin V zeigte den gewünschten Heileffekt bei 89% der Patienten. Die Ergebnisse der mikrobiologischen Diagnostik unterstützen den beobachteten, statistisch signifikanten Unterschied. Allerdings wäre es sicherlich verfrüht, aufgrund dieses Ergebnisses die Penicillin-Behandlung der Tonsillopharyngitis als überholt anzusehen. Unerwünschte Wirkungen Gastrointestinale
Beschwerden sind die
häufigsten
unerwünschten Wirkungen, die während der klinischen Erprobung
von Ceftibuten registriert wurden. Erbrechen und Durchfall wurden bei
3%
der Patienten beobachtet. Die Häufigkeiten weiterer
Unverträglichkeitsreaktionen
lagen unterhalb von 1% (Kopfschmerzen, Hautreaktionen, Appetitlosigkeit
etc.). Ein abschließendes Urteil zur Verträglichkeit des
Ceftibuten
kann - wie bei jedem Arzneimittel zum Zeitpunkt der Einführung -
derzeit
noch nicht erfolgen. Die bisherigen Daten deuten auf eine ähnlich
gute Verträglichkeit hin, wie sie von anderen
ß-Laktamantibiotika
bekannt ist.
ZUSAMMENFASSUNG Ceftibuten (KEIMAX)
ist ein neues ß-Laktamantibiotikum, das ein ähnliches
Wirkungsspektrum
aufweist, wie andere neue Oralcephalosporine. Bei besserer
Aktivität
im gramnegativen Bereich ist die Wirkung gegen grampositive Bakterien
geringer.
Staphylokokken stellen eine wichtige Lücke im Spektrum der
Substanz
dar. Bei bakteriellen Infektionen der Atemwege und bei Infektionen des
Urogenitaltraktes erwies sich Ceftibuten bei 1-mal täglicher Gabe
als ebenso wirksam, wie die routinemäßig angewandten
Präparate.
Bei Tonsillopharyngitis zeigte sich eine leichte Überlegenheit im
Vergleich zu Penicillin V (ISOCILLIN u.a.). Nach den bisherigen
Erfahrungen
ist die Verträglichkeit des neuen Arzneimittels als gut anzusehen.
1. JONES, R. N. Pediatr.
Infect. Dis. J. 12:S37-S44, 1993
2. NEU, H. C. Pediatr. Infect. Dis. J. 12:S49-S54, 1993 3. FASSBENDER M, LODE H et al. Pharmacokinetics of new oral cephalosporins, including a new carbacephem. Clin Infect Dis. 1993 May;16(5):646-53. 4. WISE R, NYE K et al. Pharmacokinetics and tissue penetration of ceftibuten. Antimicrob Agents Chemother. 1990 Jun;34(6):1053-5. 5. Pichichero, M. E. Pediatr. Infect. Dis. J. 12:S64-S70, 1993 6. Kammer, R. B. Pediatr. Infect. Dis. J. 12:S92-S94, 1993 Seit der
Erstellung und Veröffentlichung dieses Artikels
in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 2, 1994) sind
zahlreiche
weitere Arbeiten über Ceftibuten publiziert worden. Insbesondere
soll
an dieser Stelle auf die folgenden Arbeiten hingewiesen werden:
1. JONES RN. Ceftibuten: a review of antimicrobial activity, spectrum and other microbiologic features. Pediatr Infect Dis J. 1995 Jul;14(7 Suppl):S77-83. 2. NEU HC. Ceftibuten: minimal inhibitory concentrations, postantibiotic effect and beta-lactamase stability--a rationale for dosing programs. Pediatr Infect Dis J. 1995 Jul;14(7 Suppl):S88-92. 3. OWENS RC Jr, NIGHTINGALE CH et al. Ceftibuten: an overview. Pharmacotherapy. 1997 Jul-Aug;17(4):707-20. 4. WISEMAN LR, BALFOUR JA. Ceftibuten. A review of its antibacterial activity, pharmacokinetic properties and clinical efficacy. Drugs. 1994 May;47(5):784-808. 5. BARR WH, AFFRIME M et al. Pharmacokinetics of ceftibuten in children. Pediatr Infect Dis J. 1995 Jul;14(7 Suppl):S93-101. 6. REIDENBERG BE. Worldwide safety experience with ceftibuten pediatric suspension. Pediatr Infect Dis J. 1995 Jul;14(7 Suppl):S130-3.
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