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Unveränderter Text aus ZCT Heft 2, 1984 Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes Mit Ceftazidim (FORTUM) kann ein neues Antibiotikum in die
lange Liste
der Cephalosporine eingereiht werden. Im Vergleich zu manchen anderen
in
der letzten Zeit neu eingeführten Substanzen besitzt Ceftazidim
einen
wichtigen Vorteil auf mikrobiologischem Gebiet: es zeichnet sich durch
eine ausgeprägte Aktivität gegen P. aeruginosa aus. Damit
wurde
unter Beibehaltung einer breiten Wirkung vorwiegend im gramnegativen
Bereich
eine traditionelle Lücke im antibakteriellen Spektrum der
Cephalosporine
geschlossen.
Strukturformel Ceftazidim
(Änderung 11.05.2011)
Ceftazidim ist hochwirksam gegen fast alle
Enterobakterien. Die in vitro
gemessenen Hemmkonzentrationen liegen im Vergleich zu den erreichbaren
Serumkonzentrationen mit durchschnittlich 0,06-0,25 mg/l
äußerst
niedrig und sind mit denen von Cefotaxim
(CLAFORAN) und Latamoxef (MOXALACTAM) vergleichbar. Hatten diese
genannten
Antibiotika bereits eine mäßige Wirkung gegen P. aeruginosa,
so besitzt Ceftazidim auch gegen diesen Erreger eine bisher nicht
erreichte
Aktivität, die auf Gewichtsbasis mit der der Aminoglykoside
vergleichbar
ist. Auch im Vergleich zu dem Pseudomonas-wirksamen Cephalosporin Cefsulodin
(PSEUDOCEF) und den Pseudomonas-wirksamen Penicillinen wie Azlocillin
(SECUROPEN),
Ticarcillin (AERUGIPEN), Apalcillin (LUMOTA) und Piperacillin (PIPRIL)
ist Ceftazidim in vitro günstiger zu bewerten. Neben der
"Enterokokkenlücke"
besteht auch eine Schwäche von Ceftazidim im grampositiven
Bereich.
Streptokokken und Pneumokokken sind mäßig sensibel, die
Wirksamkeit
gegen St. aureus muß als schwach eingestuft werden, während
Stämme von St. epidermidis häufig resistent sind. Ebenfalls
ungünstig
ist die schwache Wirkung gegen Anaerobier, die die Anwendung bei
Mischinfektionen,
besonders im abdominellen Bereich, einschränken dürfte. Pharmakokinetik Nach i.v. Gabe von 2 g Ceftazidim liegen die Serumkonzentrationen über einen Zeitraum von 12 Stunden nach Applikation über den minimalen Hemmkonzentrationen der meisten gramnegativen Erreger. Die Substanz wird mit einer Halbwertzeit von durchschnittlich 1,6 Stunden aus dem Serum eliminiert. Die Ausscheidung erfolgt fast ausschließlich renal, 70-90% der Dosis lassen sich in den ersten 24 Stunden nach Applikation im Urin nachweisen. Probenecid (BENEMID) ist ohne Einfluß auf die Pharmakokinetik, woraus man schließen kann, daß eine tubuläre Sekretion keine Rolle spielt. Bei gestörter Nierenfunktion ist die Halbwertzeit deutlich verlängert. Bei terminaler Niereninsuffizienz wurden 26,7 Stunden gemessen. Bei Hämodialyse-Patienten beträgt die adäquate Dosis 0,5 g alle 24-48 Stunden, die wegen guter Dialysierbarkeit im Anschluß an die Dialyse verabreicht werden sollte. Neugeborene haben ebenso wie ältere Patienten eine eingeschränkte Clearance für Ceftazidim, aus der eine mäßig verlängerte Halbwertzeit resultiert. Das Verteilungsvolumen entspricht dem Extrazellulärraum. Die Serumproteinbindung wurde konzentrationsunabhängig zwischen 10 und 20% bestimmt. Die biliäre Ausscheidung liegt unter 1% der Dosis; in der Choledochusgalle und in der Gallenblasenwand ließen sich therapeutische Konzentrationen nachweisen. Ein Metabolismus von Ceftazidim ist nicht bekannt. Die Penetration in den Liquor cerebrospinalis ist vom Entzündungsgrad der Meningen abhängig. Während bei nicht entzündeten Meningen Liquorkonzentrationen unter 1 mg/l gemessen wurden, lagen bei Meningitis überwiegend höhere Konzentrationen vor. Therapeutisch wirksame Konzentrationen fanden sich auch in den meisten anderen Geweben und Körperflüssigkeiten. Klinik Während der klinischen Prüfung wurden
therapeutische Erfahrungen
mit Ceftazidim bei mehreren tausend Patienten gewonnen. Es handelte
sich
dabei überwiegend um Infektionen der Atemwege, Harnwege, um Sepsis
sowie chirurgische Infektionen. Die Therapieerfolge entsprachen mit ca.
80% denen, die mit einem modernen Antibiotikum erwartet werden
können.
Von 541 P. aeruginosa-Infektionen konnten 60% erfolgreich behandelt
werden.
In Einzelfällen muß mit Resistenzentwicklung unter der
Therapie
gerechnet werden. Trotz der nur mäßigen in
vitro-Aktivität
konnte die Mehrzahl der St. aureus-Infektionen erfolgreich behandelt
werden,
doch muß auf Therapieversager bei schweren Infektionen mit diesem
Erreger hingewiesen werden. Vergleichsuntersuchungen mit
Aminoglykosiden
bei Harnwegsinfektionen und mit Kombinationen von Cefazolin (ELZOGRAM,
GRAMAXIN) und Tobramycin (GERNEBCIN) bei respiratorischen Infektionen
ergaben
keine wesentlichen therapeutischen Unterschiede. Die meisten
Infektionen
wurden mit Tagesdosen zwischen 1 und 6 g behandelt, besonders bei
Harnwegsinfektionen
ließen sich mit höheren Dosen im Vergleich zu 0,25 und 0,5 g
zweimal täglich keine besseren Behandlungsergebnisse erzielen. Die Verträglichkeit von Ceftazidim muß als überwiegend gut bezeichnet werden. Die üblichen Unverträglichkeitsreaktionen von ß-Laktam-Antibiotika wie gastrointestinale Störungen (2,4%) und Hypersensitivitätsreaktionen (2,7%) wurden registriert. Ein Anstieg der Leberfermente wurde bei 7% der Patienten beobachtet und liegt damit in der gleichen Größenordnung wie bei anderen ß-Laktam-Antibiotika. Alkoholunverträglichkeit und Blutungskomplikationen sind bisher nicht bekannt und lassen sich aufgrund der chemischen Struktur, der renalen Ausscheidung und der fehlenden Beeinflussung der fäkalen anaeroben Flora auch nicht erwarten. ZUSAMMENFASSUNG Ceftazidim (FORTUM) besitzt eine hohe Aktivität gegen
gramnegative
Enterobakterien und eine bisher für ein Cephalosporin nicht
erreichte
Pseudomonas-Wirksamkeit. Als nachteilig muß die schwache
Aktivität
im grampositiven Bereich (besonders Staphylokokken) sowie gegen
Anaerobier
gewertet werden. Die Ausscheidung erfolgt renal, die Halbwertzeit liegt
bei 1,6 Stunden. Bei Niereninsuffizienz ist Dosisanpassung
erforderlich.
Den bisher vorliegenden guten Behandlungsergebnissen kann eine
unproblematische
Verträglichkeit zur Seite gestellt werden. Nach den
durchgeführten
pharmakokinetischen, mikrobiologischen und klinischen Untersuchungen
kann
eine Tagesdosis von 1-2 g 2-mal täglich empfohlen werden, bei
immunkomprimierten
und vital bedrohten Patienten sollte die Dosis auf 3-mal 2 g
erhöht
werden. Hauptanwendungsgebiete sind schwere gramnegative Infektionen. Ceftazidim zählt zu den häufig angewandten parenteralen Cephalosporinen der sogenannten "3. Generation" oder "Gruppe 3b" nach einer Einteilung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (NN, Cephalosporine zur parenteralen Applikation. Chemother. J. 1994; 3:101-115) Seit der Erstellung und Veröffentlichung dieses
Artikels in der
Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 2, 1984) sind zahlreiche
weitere
Arbeiten über Ceftazidim publiziert worden. Insbesondere soll an
dieser
Stelle auf die folgenden Publikationen hingewiesen werden: Rains
CP,
Bryson
HM,
Peters
DH.
Ceftazidime. An update of its antibacterial
activity,
pharmacokinetic properties and therapeutic efficacy. Richards
DM,
Brogden
RN.
Ceftazidime.
A
review of its antibacterial activity,
pharmacokinetic
properties and therapeutic use. |