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Anidulafungin -
ein neues Echinocandin-Antimykotikum Unveränderter
Text aus Heft 6, 2007
Antimikrobiell
wirksame Naturstoffe sind nur selten zur direkten Verwendung als
Arzneimittel
geeignet. In den meisten Fällen erfolgt eine halbsynthetische
Modifikation, um
typische Nachteile, wie Toxizität, mangelnde Löslichkeit oder
Instabilität in
wässrigen Lösungen zu beseitigen. Dies trifft auch für
die Echinocandine zu. Erste
Publikationen über die Naturstoffe erschienen bereits in den
1970er Jahren.1,2,3
Damals wurde Echinocandin B als ein Stoffwechselprodukt von Aspergillus
nidulans var. echinulatus beschrieben, einem Pilz
der
ursprünglich von Buchenblättern isoliert wurde. Heute steht
Anidulafungin (ECALTA)
als ein halbsynthetisches, gegenüber dem Ausgangsstoff
optimiertes,
Antimykotikum zur Verfügung.
Strukturformel
Anidulafungin
Es
weist wie andere Echinocandine eine zyklische Peptidstruktur auf,
charakteristisch für Anidulafungin ist ein
Alkoxytriphenyl-Substituent. Es ist
lipophil und praktisch unlöslich in Wasser. Zu den Echinocandinen
zählt
außerdem Caspofungin
(CANCIDAS), welches sich in den vergangenen
Jahren bereits
als eine geeignete Alternative zum schlechter verträglichen
Amphotericin
B
(AMPHOTERICIN) etabliert hat. Ein weiterer
Wirkstoff
aus dieser Gruppe ist Micafungin, das in den USA bereits seit 2005
zugelassen
und dort unter dem Namen MYCAMINE im Handel ist.
Antimikrobielle Eigenschaften Echinocandine
hemmen die Zellwandsynthese der Pilze. Angriffspunkt ist das Enzym
1,3-ß-D-Glucansynthase. Da Glucan in polymerer Form ein
essentieller
Bestandteil der Pilzzellwand ist, in Säugetierzellen aber nicht
vorkommt,
erklärt sich die selektive Wirkung auf Pilzzellen. Anidulafungin
wirkt fungizid
gegen klinisch relevante Candida-Arten, wie C. albicans, C. glabrata
oder C.
krusei.4 Auch Stämme mit Resistenz gegenüber
Fluconazol
(DIFLUCAN
u.a.) werden durch niedrige Konzentrationen erfasst. Bei
Aspergillus-Arten wurde
eine fungistatische Wirkung beschrieben. Ausreichende therapeutische
Erfahrungen liegen mit Anidulafungin bei Aspergillus-Infektionen
derzeit nicht
vor. Bei einer Beurteilung der in vitro ermittelten Hemmkonzentrationen
muss
berücksichtigt werden, dass die antimykotische Aktivität der
Echinocandine
durch Serum zum Teil erheblich reduziert wird.5,6
Pharmokokinetische Eigenschaften Anidulafungin
wird intravenös infundiert. Die empfohlene Dosierung beträgt
am ersten
Behandlungstag 200 mg, gefolgt von täglichen Dosen von jeweils 100
mg. Die maximale
Infusionsgeschwindigkeit liegt bei 1,1 mg pro Minute, bzw. 3,0 ml der
Infusionslösung. Die Infusion erfolgt über 1,5 bzw. am ersten
Behandlungstag über
3 Stunden.7
Anidulafungin verteilt sich rasch, das Verteilungsvolumen liegt bei etwa 30 bis 50 Litern und entspricht damit etwa dem Volumen des Gesamtkörperwassers. Bereits am zweiten Behandlungstag wird ein „steady state“ der Konzentrationen erreicht, die Spitzen- und Talkonzentrationen im Blut liegen dann bei 7 bzw. 3 mg/l, der AUC-Wert wurde mit 110 mg/l x h berechnet. Die Proteinbindung beträgt 99%, die in früheren Publikationen angegebenen niedrigeren Werte wurden revidiert. Informationen über Konzentrationen im ZNS oder anderen Geweben des Menschen liegen nicht vor. Eine hepatische Metabolisierung von Anidulafungin wurde nicht beobachtet. Es ist kein Substrat, Induktor oder Inhibitor von Cytochrom P450 (CYP) -abhängigen Monooxygenasen. Der Abbau des zyklischen Peptidmoleküls geschieht durch Öffnung des Ringes und anschließendem weiteren Abbau des Peptids durch Peptidasen. Die Elimination erfolgt überwiegend über die Galle. Die dominante Halbwertzeit wird mit etwa 24 Stunden angegeben, für die terminale Elimination wurde eine Halbwertzeit von ca. 40 bis 50 Stunden ermittelt.7,8 Bei
Patienten mit Niereninsuffizienz muss die Dosierung nicht angepasst
werden. Die
Konzentrationen unterschieden sich bei Personen mit terminaler
Niereninsuffizienz nicht von denen gesunder Probanden. Anidulafungin
ist nicht
dialysierbar und kann unabhängig vom Zeitpunkt der
Hämodialyse gegeben werden. Die
Plasmakonzentrationen des Antimykotikums wurden auch bei Patienten
mit
Leberinsuffizienz bestimmt (Child-Pugh-Klassen A, B und C); sie waren
unter
diesen Bedingungen im Vergleich zu Probanden nicht erhöht. 7,8
Therapeutische Wirksamkeit Anidulafungin
ist zur Behandlung der invasiven Candidiasis bei erwachsenen, nicht
neutropenischen Patienten zugelassen.7 Es wurde
zunächst bei
Patienten mit Candida-Infektion des Ösophagus im direkten
doppelblind
durchgeführten Vergleich zu oral verabreichtem Fluconazol
(DIFLUCAN u.a.)
untersucht. Die Dosierung lag bei 100 mg am ersten Behandlungstag und
wurde
dann auf 50 mg täglich reduziert. Es war unter diesen Bedingungen
gleich gut
wirksam und ähnlich gut verträglich wie Fluconazol, der
Therapieerfolg lag in
beiden Gruppen bei ca. 99%.9
In einer weiteren Doppelblindstudie wurde das Medikament im Vergleich zu Fluconazol (400 mg/d i.v.) bei Patienten mit Candidämie und invasiver Candidiasis untersucht.10 Eine Umstellung auf oral verabreichtes Fluconazol war in beiden Gruppen nach dem zehnten Behandlungstag möglich. Am Ende der intravenösen Behandlung wurde die Therapie bei 75,6% (Anidulafungin) bzw. bei 60,2% (Fluconazol) der Patienten als erfolgreich eingestuft. Die Überlegenheit war auch zwei Wochen nach Ende der Therapie noch erkennbar, Anidulafungin erwies sich damit in dieser Studie als signifikant besser wirksam als das Azol-Antimykotikum. Auch bei der Überlebensrate zeigte sich für Anidulafungin ein günstigeres, nach üblichen Kriterien allerdings nicht signifikant unterschiedliches Resultat (p = 0,1). Verträglichkeit Zur
Lösungsvermittlung des Wirkstoffes enthält die fertige
Zubereitung 24 Vol%
Ethanol, was 6 g Ethanol in der Erhaltungsdosis (100 mg) entspricht.
Der
Ethanolgehalt muss in der Nutzen-Risiko-Bewertung vor allem bei
alkoholabhängigen Patienten, Schwangeren, sowie Patienten mit
Leberschäden oder
Epilepsie berücksichtigt werden.7
Insgesamt wurden in klinischen Studien etwa 900 Patienten mit Anidulafungin behandelt. Das Arzneimittel erwies sich als gut verträglich.7,8 Hautrötungen bzw. Hitzewallungen wurden bei 2,3% der Patienten in Zusammenhang mit der Infusion beobachtet. Weitere, seltener auftretende Symptome waren Pruritus, Hautausschlag und Urtikaria. Darüber hinaus wurden ZNS-Reaktionen (Konvulsionen, Kopfschmerzen) und gastrointestinale Symptome (Durchfall, Erbrechen, Übelkeit) bei ca. 1 bis 2% der Patienten beobachtet.7,8 Im direkten Vergleich waren Erhöhungen der Leberenzyme unter Fluconazol signifikant häufiger als unter Anidulafungin (7,2% vs. 1,5%, p = 0,03). In der gleichen Studie erfolgte ein Abbruch der Behandlung aufgrund von unerwünschten Wirkungen signifikant häufiger in der Fluconazol- als in der Anidulafungin-Gruppe (3,2% vs. 0,8%).10 Da Anidulafungin nicht die metabolisierenden Cytochrom-Enzyme beeinflusst, sind entsprechende Interaktionen nicht zu erwarten. In Studien mit dieser Fragestellung wurden keine pharmakokinetischen Interaktionen bei gleichzeitiger Gabe von Voriconazol (VFEND), Ciclosporin (SANDIMMUN u.a.) oder Tacrolimus (PROGRAF) beobachtet, die eine Anpassung der Dosierung erforderlich machen würden. Bei gleichzeitiger Gabe mit Ciclosporin waren die Spiegel von Anidulafungin um etwa 20% erhöht, was nicht als klinisch relevant angesehen wird.11 Während der klinischen Prüfung erhielten einige Patienten neben Anidulafungin auch Metronidazol (FLAGYL u. a.). Obwohl Interaktionen zwischen diesem Anaerobiermittel und Alkohol beschrieben worden sind, traten Antabus-artige Symptome bei gleichzeitiger Gabe der Anidulafungin-haltigen Zubereitung, die 6 g Alkohol als Lösungsmittel enthält, nicht auf. Dies steht in Übereinstimmung mit anderen Arbeiten, in denen ein Nachweis der häufig als „allgemein bekannt“ angesehenen Interaktion zwischen Alkohol und Metronidazol nicht verifiziert werden konnte.12 ZUSAMMENFASSUNG Anidulafungin (ECALTA) ist ein Echinocandin-Antimykotikum zur Behandlung systemischer Candida-Infektionen. Es wirkt fungizid gegen Candida-Arten durch Hemmung der Zellwandsynthese der Erreger. Nach intravenöser Gabe verteilt es sich rasch und wird mit einer Eliminationshalbwertzeit von ca. 24 Stunden ausgeschieden. Der Abbau erfolgt über Öffnung der zyklischen Peptidstruktur und ist unabhängig von Cytochrom-abhängigen Monooxygenasen. Das Antimykotikum erwies sich im direkten Vergleich mit Fluconazol (DIFLUCAN u.a.) als signifikant besser wirksam bei Patienten mit invasiver Candidiasis. Auch hinsichtlich der Verträglichkeit ist es als günstiger einzustufen als das Azol. Neben Caspofungin (CANCIDAS) stellt Anidulafungin nun eine weitere Bereicherung der therapeutischen Möglichkeiten bei Patienten mit systemischen Pilzinfektionen dar. Angesichts der schlechten Verträglichkeit des Amphotericin B (AMPHOTERICIN) ist diese Entwicklung zu begrüßen. 1. BENZ, F. et al. Helv Chim Acta 1974;57:2459 - 2477. 2. DENNING DW. Echinocandin antifungal drugs. Lancet. 2003 Oct 4;362(9390):1142-51. 3. DE LA TORRE P, REBOLI AC. Anidulafungin: a new echinocandin for candidal infections. Expert Rev Anti Infect Ther. 2007 Feb;5(1):45-52. 4. OSTROSKY-ZEICHNER L, REX JH et al. Antifungal susceptibility survey of 2,000 bloodstream Candida isolates in the United States. Antimicrob Agents Chemother. 2003 Oct;47(10):3149-54. 5. SERRANO, M. C. et al. Diagn Microbiol Inf Dis 2003; 45:131 - 135. 6. ODABASI Z, PAETZNICK V et al. Effects of serum on in vitro susceptibility testing of echinocandins. Antimicrob Agents Chemother. 2007 Nov;51(11):4214-6. 7. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (SPC) ECALTA, Pfizer UK 8. VAZQUEZ JA, SOBEL JD. Anidulafungin: a novel echinocandin. Clin Infect Dis. 2006 Jul 15;43(2):215-22. 9. KRAUSE DS, SIMJEE AE et al. A randomized, double-blind trial of anidulafungin versus fluconazole for the treatment of esophageal candidiasis. Clin Infect Dis. 2004 Sep 15;39(6):770-5. 10. REBOLI AC, ROTSTEIN C et al. Anidulafungin versus fluconazole for invasive candidiasis. N Engl J Med. 2007 Jun 14;356(24):2472-82. 11. DOWELL JA, STOGNIEW M et al. Assessment of the safety and pharmacokinetics of anidulafungin when administered with cyclosporine. J Clin Pharmacol. 2005 Feb;45(2):227-33. 12. VISAPÄÄ JP, TILLONEN JS et al. Lack of disulfiram-like reaction with metronidazole and ethanol. Ann Pharmacother. 2002 Jun;36(6):971-4. |