
Strukturformel
Amprenavir
Antivirale Aktivität
Amprenavir hemmt die virale Protease von
HIV-1.
Der Wirkstoff
bindet an das aktive Zentrum des Enzyms und verhindert dadurch die
Spaltung
eines primär synthetisierten, inaktiven Proteinmoleküls in
aktive,
für die Virusausbreitung essentielle Proteine. In verschiedenen
Zellkultursystemen
läßt sich die antivirale Wirkung bereits bei Konzentrationen
von < 0,5 mM (=0,25 mg/l) nachweisen (IC50, 50-prozentige
Hemmwirkung).
Zu den entscheidenden Aspekten mit Blick auf den Nutzen eines
fünften
Proteaseinhibitors gehört die Frage nach der Kreuzresistenz
zwischen
den verwandten Substanzen. In einer umfangreichen Studie konnte gezeigt
werden, dass 37 % von 62 Proben von HIV-Patienten empfindlich
gegenüber
Amprenavir waren, obwohl Resistenz gegen die anderen vier
Proteaseinhibitoren
vorlag. Dies zeigt zumindest, dass eine nicht unbeträchtliche
Chance
besteht, durch Wechsel auf Amprenavir die Kombinationstherapie
wirksamer
zu machen. Allerdings können solche in vitro-Befunde nicht mit
ausreichender
Sicherheit den Therapieerfolg voraussagen.
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Pharmakokinetische
Eigenschaften
Nach oraler Gabe wird Amprenavir rasch und
fast
vollständig
resorbiert, dabei spielt die gleichzeitige Nahrungsaufnahme keine
wesentliche
Rolle; es sollte jedoch beachtet werden, dass ein hoher Fettanteil der
Mahlzeit die Resorption verringern kann. Eine Eliminationshalbwertzeit
von sieben bis 10 Stunden erlaubt eine zweimal tägliche Gabe. Die
mittlere maximale und minimale Konzentration im Plasma von
HIV-Patienten
nach dreiwöchiger Einnahme von zweimal täglich 1200 mg lagen
bei 5,4 und 0,3 mg/l. Da nur Kapseln mit 150 mg Wirkstoff im Handel
sind,
müssen die Patienten zweimal täglich acht Kapseln (!)
einnehmen,
um die für Erwachsene empfohlene Einzeldosis von 1200 mg zu
erreichen.
Der Wirkstoff wird zu etwa 90 % an Plasmaproteine gebunden, das
Verteilungsvolumen
wird mit etwa 430 l bei Erwachsenen angegeben.
2,4,5
Die hepatische Metabolisierung erfolgt überwiegend über
CYP3A4
(Cytochrom P450-abhängige Monooxygenasen), nur ein geringer Anteil
erscheint unverändert in den Faeces und im Urin. Bei
eingeschränkter
Leberfunktion sollte die Dosis reduziert werden; bei Patienten mit
ausgeprägter
Leberzirrhose waren die Plasmaspiegel etwa vier- bis fünfmal
höher
als bei gesunden Freiwilligen.
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Bei renaler Insuffizienz ist offenbar keine Dosisanpassung notwendig,
allerdings
liegen bisher keine ausreichenden Daten zur Kinetik bei Patienten mit
Niereninsuffizienz
vor.
Klinische Wirksamkeit
Amprenavir ist – wie die anderen
Proteaseinhibitoren auch
– in Kombinationen mit anderen Virustatika zur Therapie von Patienten
mit
einer Infektion durch HIV-1 geeignet. Die Indikation basiert auf den
beobachteten
Veränderungen an CD4-positiven Zellen und der RNA-Spiegel im Blut
von HIV-Infizierten. Bisherige Erfahrungen liegen nur für einen
Zeitraum
von etwa einem halben Jahr vor, so dass über die Langzeiteffekte
der
Therapie – etwa im Sinne einer Lebensverlängerung der Patienten -
derzeit keine Aussage gemacht werden kann. Zahlreiche klinische Studien
bei vorbehandelten und nicht-vorbehandelten HIV-Patienten werden zur
Zeit
durchgeführt. Dabei wird das Präparat in diversen
Kombinationen
mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen eingesetzt. Die
Zwischenauswertung
einer randomisierten Studie bei insgesamt über 500 Patienten
(PROAB3006),
in der die beiden Proteaseinhibitoren Amprenavir und
Indinavir
(CRIXIVAN)
jeweils in Kombination mit Nukleosidanaloga verglichen werden, zeigte,
dass beide Kombinationsregime bei etwa der Hälfte der Patienten zu
einem deutlichen Rückgang der Viruslast führten.
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Allerdings war die Rate der Therapieabbrüche aufgrund von
unerwünschten
Wirkungen bei den Amprenavir-behandelten Patienten mit 16 % doppelt so
hoch wie bei den Patienten, die Indinavir bekamen (8 %).
Unerwünschte
Wirkungen
Zu den häufigsten unerwünschten
Wirkungen von Amprenavir
zählen gastrointestinale Störungen, Parästhesien und
Hautreaktionen.
Exantheme traten bei insgesamt 28 % der Patienten während der
klinischen
Prüfung auf. Typischerweise war der Hautausschlag
makulopapulös
und gelegentlich mit Juckreiz verbunden. Bei 4 % der Patienten mit
Hautausschlag
(= 1 % der Behandelten) entwickelten sich lebensbedrohliche
dermatologische
Komplikationen, wie zum Beispiel ein Stevens-Johnson Syndrom. Auch
metabolische
Störungen, einschließlich Fettumverteilungsphänomene,
wurden
unter Amprenavir beobachtet.
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Amprenavir gehört aufgrund seiner chemischen Struktur zu den
Sulfonamiden.
Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber
Sulfonamiden
sollten daher mit der entsprechenden Vorsicht behandelt werden.
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Interaktionen
Wie andere Proteaseinhibitoren auch, kann
Amprenavir bei
gleichzeitiger Gabe anderer Medikamente eine Reihe von Interaktionen
verursachen.
Vor allem lipophile, ZNS-wirksame Medikamente, die über hepatische
Monooxygenasen abgebaut werden, wie zum Beispiel Benzodiazepine oder
Antidepressiva,
aber auch Antihistaminika und Antiarrhythmika, sollen nicht oder nur
unter
Vorsichtsmaßnahmen zusammen mit Amprenavir eingenommen werden.
Die
möglichen Interaktionen mit Amprenavir sind in der
US-amerikanischen
Produktinformation aufgeführt und über das Internet kostenlos
erhältlich.
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ZUSAMMENFASSUNG
Mit Amprenavir (AGENERASE) wird der
fünfte
Proteaseinhibitor
zur antiretroviralen Kombinationstherapie in den Handel gebracht. Ein
abschließendes
Urteil über den therapeutischen Stellenwert ist derzeit nicht
möglich.
Von Vorteil könnte die Tatsache sein, dass keine komplette
Kreuzresistenz
mit anderen Virustatika dieser Klasse besteht. Problematisch ist
sicherlich
die schlechte Verträglichkeit einschließlich des Risikos
für
schwere, lebensbedrohliche Hautreaktionen.