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Albendazol
(Eskazole) -
ein neues
Benzimidazol
zur Behandlung von Helminthosen
Unveränderter
Text aus ZCT Heft
1, 1991
Aktuelle
Ergänzungen am Ende
des Textes
In Europa spielt die Echinokokkose
klinisch die bedeutendste
Rolle unter den Helminthosen. Sie wird bei Menschen von Larvalstadien
verschiedener
Echinococcus-Arten hervorgerufen, die sich in inneren Organen
entwickeln.
Die Ansteckung des Menschen erfolgt durch die orale Aufnahme von Eiern
der unterschiedlichen Bandwurmarten. Obwohl es sich um seltene
Infektionen
handelt, dürfen sie nicht unterschätzt werden, denn die
alveoläre
Echinokokkose verläuft oft tödlich und auch die zystische
Form
kann zum Tode führen. Bisher ist die Operation die Therapie der
Wahl,
doch ist bei alveolärer Echinokokkose die Prognose ungünstig,
daher gewinnen chemotherapeutische Therapieansätze an Bedeutung.
Mit
Albendazol ist eine neue Substanz aus der Gruppe der Benzimidazole
eingeführt
worden, die die für Therapie dieser Erkrankungen indiziert ist.
Von
der chemischen Struktur unterscheidet es sich durch die substituierte
Thiogruppe
vom Mebendazol (VERMOX), einem anderen Anthelmintikum aus dieser Gruppe.
Der Wirkmechanismus der Benzimidazole ist
noch nicht genau
aufgeklärt, es werden aber verschiedene Mechanismen diskutiert. So
beeinflussen die Substanzen die Einlagerung von Tubulin in die
Mikrotubuli,
die Folge ist ein Verlust der zytoplasmatischen Mikrotubuli und damit
eine
Hemmung der Glukoseaufnahme. Weiterhin werden noch Enzyme wie die
Fumarat-Reduktase
und die zytoplasmatische und mitochondriale Malatdehydrogenase gehemmt.
Die anthelmintische Wirkung ist beschrieben
für
Echinococcus granulosus und E. multilocularis, ebenso ist Albendazol
wirksam
gegen Ascaris lumbricoides, Ancylostoma duodenale, Necator americanus
und
Trichuris trichuria. Auch gegen Nematoden wie Strongyloides stercolaris
zeigte die Substanz anthelmintische Wirkung.
Pharmakokinetische Eigenschaften
Nach oraler Gabe wird die Substanz nur
mäßig
resorbiert, so wurden nach Nüchterngabe von 400 mg Albendazol
Plasmaspitzenkonzentrationen
von 0,2 - 0,25 mg/l gemessen. Die Absorption kann durch gleichzeitige
Einnahme
mit einer fettreichen Mahlzeit gesteigert werden. Albendazol wird
hauptsächlich
zum Sulfoxid metabolisiert und nur dieser Metabolit erscheint in
meßbaren
Konzentrationen im Plasma. Neben dem Albendazol-Sulfoxid, das auch
antiparasitäre
Eigenschaften besitzt, werden noch weitere Metabolite gebildet, wie
z.B.
das 6-Hydroxy-Sulfoxid und Sulfonverbindungen. Der wichtigste
Ausscheidungsweg
ist der über die Galle, das Sulfoxid erscheint in der
Gallenflüssigkeit
in ähnlichen Konzentrationen wie im Plasma. Nur sehr geringe
Mengen
werden über den Urin ausgeschieden. Die Halbwertzeit für das
Albendazol-Sulfoxid liegt bei 8,4 Stunden. Angaben zur
Bioverfügbarkeit
liegen nicht vor. Die Substanz penetriert in die Zysten, z. B. bei der
Echinokokkose
und erreicht in der Zystenflüssigkeit Konzentrationen, die bei 5 -
25% der korrespondierenden Plasmakonzentrationen liegen.
Die Anwendung von Albendazol
beschränkt sich auf
einige wenige Indikationen. So ist es zugelassen zur Behandlung
inoperabler
Verlaufsformen der zystischen und alveolären Echinokokkose;
Albendazol
kann auch zur präoperativen Unterstützung der chirurgischen
Therapie
eingesetzt werden. Die Chemotherapie dieser Erkrankung ist noch recht
neu
und kann in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Bei dieser Indikation werden
die Patienten in 28-Tages-Zyklen mit 800 mg Albendazol täglich
behandelt.
Auch zur Behandlung der Trichinose kann Albendazol eingesetzt werden,
hierfür
liegen allerdings nur geringe Erfahrungen vor. Die Behandlung von
Infektionen,
die durch Nematoden (z. B. Strongyloides stercoralis) verursacht
werden,
ist auch möglich. Nach dreitägiger Behandlung mit einer
täglichen
Dosis von 400 mg Albendazol konnten hohe Heilungsraten erzielt werden.
Unter der langdauernden Behandlung mit
Albendazol kann
es zu hepatotoxischen Erscheinungen kommen. Bei 13% von 314 behandelten
Patienten kam es zu Veränderungen der Leberwerte. Weiterhin wurden
gastrointestinale Reaktionen wie Bauchschmerzen, Übelkeit,
Erbrechen
und Durchfall beobachtet. Es können auch Schwindel und
Kopfschmerzen
auftreten. In seltenen Fällen wurden Leukopenien und Panzytopenien
beobachtet. Weitere seltene Nebenwirkungen waren Haarausfall, Juckreiz
und Hautausschlag.
ZUSAMMENFASSUNG
Albendazol (ESKAZOLE)
besitzt eine anthelmintische Wirkung gegen unterschiedliche
Wurmspezies.
Die Substanz wird nach oraler Gabe in mäßigem Umfange
resorbiert,
die Wirkung wird hauptsächlich über den Hauptmetaboliten, das
Sulfoxid, entfaltet. Albendazol erweitert die therapeutischen
Möglichkeiten
zur Behandlung der Echinokokkose. Auch für die Therapie einiger
anderer
Wurmerkrankungen kann das Arzneimittel eingesetzt werden, es sollte
aber
bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse nur von Spezialisten angewandt
werden.
Aktuelle
Ergänzungen
(Oktober 2000)
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