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ein neues Nukleosid zur antiretroviralen Therapie Originaltext aus ZCT 04-1999 ![]() Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes ![]() Strukturformel Abacavir Antivirale
Wirkung, Resistenz Als Voraussetzung
für die Hemmung der
reversen Transkriptase
muß diese Substanz – wie auch alle anderen Nukleoside –
zunächst
in ein Triphosphat umgewandelt werden. Darüber hinaaus wird der
Basenanteil
metabolisch verändert. Als biologisch aktives Stoffwechselprodukt
entsteht schließlich Carbovir-triphosphat.1 Es
wirkt in vitro synergistisch
mit einigen anderen Nukleosiden oder
Proteaseinhibitoren.
Auch über die Mechanismen der Resistenzentwicklung sind einige
Details
bekannt. So sind Veränderungen an Kodon 65, 74, 115 und 184 der
viralen
Transkriptase mit einer deutlichen Reduktion der Empfindlichkeit
verbunden.
Auch verwandte Nukleoside wie Zalcitabin
(HIVID) und Didanosin
(VIDEX) sind gegen solche Stämme weniger wirksam. Da sich bei
alleiniger
Gabe von antiretroviralen Chemotherapeutika rasch resistente Viren
entwickeln,
ist die Kombinationstherapie zwingend notwendig.
Pharmakokinetische
Eigenschaften
Klinische
Anwendung
Abacavir wird in Kombination mit anderen antiretroviral wirksamen Chemotherapeutika zur Therapie der HIV-Infektion eingesetzt. Wenn es als Bestandteil einer Dreifachtherapie zusammen mit Zidovudin und Lamivudin (EPIVIR) verordnet wird (zusammen in COMBIVIR, s. ZCT 1998; 19:42-43), müssen die Patienten morgens und abends nur jeweils zwei Tabletten einnehmen, was als Vorteil angesehen werden kann. Der therapeutische Stellenwert von Abacavir im Vergleich zu anderen Nukleosiden ist derzeit noch unklar. Einige laufende klinische Studien müssen erst abgeschlossen sein, bevor das Medikament genauer bewertet werden kann. Unerwünschte Wirkungen, Interaktionen Als wichtigste unerwünschte Wirkung tritt eine Überempfindlichkeitsreaktion bei etwa 5 % der Patienten auf. Zu den Symptomen gehören Fieber, Exanthem, Abgeschlagenheit und gastrointestinale Symptome. Die Beschwerden treten meist zwischen der ersten und vierten Behandlungswoche auf und sind nach Absetzen des Medikamentes innerhalb von ein bis zwei Tagen rückläufig. Abacavir darf danach nicht noch einmal verabreicht werden, weil innerhalb von ein bis zwei Stunden eine lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktion mit Blutdruckabfall auftreten kann. Ärzte und Patienten müssen über diese Risiken gut informiert sein, damit bei Auftreten der Symptomatik eine erneute Exposition vermieden wird. Neben weiteren gastrointestinalen Störungen und ZNS-Symptomen, die hinsichtlich eines Kausalzusammenhanges schwierig zu bewerten sind, kann es in seltenen Fällen auch zu einer Laktatazidose oder Hepatomegalie kommen. Da Abacavir über das Enzym Alkohol-Dehydrogenase abgebaut wird, können die Plasmakonzentrationen des Medikamentes erhöht sein, wenn gleichzeitig alkoholische Getränke genossen werden. Wechselwirkungen mit Zidovudin oder Lamivudin sind gering und wahrscheinlich nicht klinisch relevant. Interaktionen mit dem Cytochrom-P450-System sind nicht zu erwarten.2,4 ZUSAMMENFASSUNG Abacavir (ZIAGEN) ist das sechste Nukleosid-Analogon, das zur Therapie von HIV-infizierten Patienten verfügbar ist. Es muß in Kombination mit zwei anderen antiretroviralen Chemotherapeutika eingesetzt werden. Bei guter Bioverfügbarkeit ist eine zweimal tägliche Einnahme ausreichend. Der genaue Stellenwert des Medikamentes läßt sich derzeit noch nicht abschätzen. Dazu sind weitere klinische Studien notwendig. Bei 5% der Patienten führt die Substanz zu einer Überempfindlichkeitsreaktion. In diesen Fällen muß eine Reexposition unbedingt vermieden werden, da es sonst zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen kann. 1. FALETTO MB, MILLER WH et al. Unique intracellular activation of the potent anti-human immunodeficiency virus agent 1592U89. Antimicrob Agents Chemother. 1997 May;41(5):1099-107. 2. FOSTER RH, FAULDS D. Abacavir. Drugs. 1998 May;55(5):729-36; discussion 737-8. 3. KUMAR PN, SWEET DE et al. Safety and pharmacokinetics of abacavir (1592U89) following oral administration of escalating single doses in human immunodeficiency virus type 1-infected adults. Antimicrob Agents Chemother. 1999 Mar;43(3):603-8. 4. ZIAGEN, T.M. Informationen des Herstellers (Glaxo Wellcome, Hamburg)
Seit der Erstellung
und Veröffentlichung dieses Artikels
in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 4, 1999) sind
zahlreiche
weitere Arbeiten über Abacavir publiziert worden.
Insbesondere
soll an dieser Stelle auf die folgenden Arbeiten hingewiesen werden:
1. Rote-Hand-Brief zu
Ziagen®, Trizivir®, Kivexa® (Abacavir)
2. DANDO TM, SCOTT LJ. Abacavir plus lamivudine: a review of their combined use in the management of HIV infection. Drugs. 2005;65(2):285-302.
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