Staphylococcus haemolyticus
(aus ZCT 3-2004)
Staphylococcus haemolyticus gehört zu den Koagulase-negativen Staphylokokken (KNS). Es besteht eine nahe Verwandtschaft zu S. epidermidis. S. haemolyticus gehört wie andere KNS zur Normalflora der Haut und Schleimhäute des Menschen. Meist lassen sich bei einem Individuum nur ein oder zwei Stämme nachweisen.
Krankheitsbilder
S. haemolyticus wird mit verschiedenen Krankheitsbildern
in Verbindung gebracht, z. B. Bakteriämie/Sepsis, Wundinfektionen,
Harnwegsinfektionen und Konjunktivitis. Der Anteil an allen Infektionen
durch KNS liegt unter 15%.
Der Name S. haemolyticus resultiert aus der Fähigkeit zur Hämolyse. Die produzierten Hämolysine sind aber wahrscheinlich nicht mit den klassischen Hämolysinen von S. aureus verwandt. Die hämolytische Aktivität von S. haemolyticus ist deutlich geringer als die von S. aureus. Insgesamt ist die Pathogenität von S. haemolyticus bei nicht-abwehrgeschwächten Patienten eher gering. Andererseits wurde in den letzten Jahren mehrfach über eine Zunahme von KNS (mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von S. haemolyticus) am Erregerspektrum von Infektionen bei Früh- und Neugeborenen berichtet. Dabei ist die mit KNS assoziierte Sepsisinzidenz bei sehr kleinen Frühgeborenen, die über zahlreiche Fremdkörper (Katheter, Tubus) versorgt werden, besonders hoch.
Diagnostik
Wie beim Nachweis von anderen KNS gilt der Befund als
fraglich, wenn S. haemolyticus nur aus einer von mehreren Blutkulturen
angezüchtet wurde.
S. haemolyticus-Stämme sind häufig multiresistent, was die Antibiotikatherapie erschwert. Nach den Angaben der Resistenzstudie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie aus dem Jahr 2001 waren mehr als 70% der untersuchten Isolate gegen ß-Laktam-Antibiotika, Makrolide bzw. Fluorchinolone resistent. Weiter zeigten die untersuchten Stämme zu 30-50% eine verminderte Empfindlichkeit oder Resistenz gegenüber Aminoglykosiden sowie zu 8% gegenüber Teicoplanin (TARGOCID). Dagegen waren alle Isolate empfindlich auf Vancomycin (VANCOMYCIN u.a.), Linezolid (ZYVOXID) und der Streptogramin-Kombination Quinupristin/Dalfopristin (SYNERCID).
Antibiotische Therapie
Für die kalkulierte Therapie bei Verdacht auf KNS-Infektion
kommt aufgrund der hohen Rate an multiresistenten Erregern ein Glycopeptid
(z. B. Vancomycin), ggf. in Kombination mit Rifampicin (RIFA u.a.) und/oder
einem Aminoglycosid (z. B. Gentamicin, REFOBACIN u.a.), in Betracht. Teicoplanin
kann dort, wo S. haemolyticus überdurchschnittlich häufig als
Infektionserreger beobachtet wird (z. B. auf Neugeborenen-Intensivstationen),
nicht als Mittel der Wahl empfohlen werden.
Für die gezielte Therapie ist in der Regel Vancomycin
das Mittel der Wahl. Alternativ stehen Linezolid oder Quinupristin/Dalfopristin
zur Verfügung. Schwere Infektionen sollten initial mit einer Antibiotika-Kombination,
z. B. Vancomycin plus Rifampicin behandelt werden.