Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Infektionstherapie


Serratia Spezies

                                                                        (aus ZCT 5-2006)

Morphologie und Kultur

Der Genus Serratia gehört zur Familie der Enterobacteriaceae. Die für die Humanmedizin wichtigsten Arten sind Serratia marcescens, Serratia liquefaciens und Serratia rubidea. Serratia-Arten kommen im Erdboden, auf Pflanzen und im Wasser vor. Bei der gesunden Bevölkerung lassen sie sich, anders als Enterobacter und Klebsiellen, nur gelegentlich im Gastrointestinaltrakt oder den oberen Atemwegen nachweisen. Die Mikroorganismen sind peritrisch begeißelt. Die Anzüchtung im Labor ist unkompliziert. Als einzige Enterobacteriaceae-Art sind sie zur Bildung der drei Enzyme DNAse, Gelatinase und Lipase fähig. Citrat kann als alleinige Kohlenstoffquelle verwertet werden. Schwefelwasserstoff wird nicht gebildet. Serratia rubidea und einige Stämme von Serratia marcescens bilden unter Luftabschluss einen roten Farbstoff (Prodigiosin).

 

Pathogenese und Krankheitsbilder

Serratia marcescens und Serratia liquefaciens sind vor allem Erreger von Hospitalinfektionen. Bei abwehrgeschwächten Patienten können sie Wundinfektionen, Infektionen der Niere und ableitenden Harnwege, Infektionen des Respirationstraktes sowie Sepsis, Endokarditis, Meningitis und Protheseninfektionen verursachen. Andere Serratia-Arten sind deutlich seltener. Als Infektionsquellen kommen vor allem kontaminierte Katheter und Infusionslösungen in Betracht.

 

Diagnostik und Resistenzsituation

Der Nachweis der Mikroorganismen im Labor ist unkompliziert. Die Differenzierung von anderen Enterobacteriaceae-Arten erfolgt über die „Bunte Reihe“.

Serratia sind von Natur aus gegenüber zahlreichen Penicillinen und Cephalosporinen resistent. Darüber hinaus besteht eine natürliche Resistenz gegen Polymyxine. Nach den Angaben der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie sind ca. 10% der Serratia marcescens-Stämme resistent gegenüber Cefotaxim (CLAFORAN u.a.), Ceftriaxon (ROCEPHIN u.a.) sowie Piperacillin in Kombination mit Tazobactam (TAZOBAC) oder mit Sulbactam (PIPERACILLIN plus COMBACTAM). Die Resistenzsituation bei den Aminoglykosiden (0-3%), Carbapenemen (<1-3%), Fluorchinolonen (3-6%) sowie Cotrimoxazol (7%) ist gleichfalls günstig.

 

Therapie

Die orale Behandlung von leichten Infektionen kann mit Trimethoprim ± Sulfonamid [Cotrimoxazol (div. Handelsnamen)] oder einem Fluorchinolon erfolgen. Für die Therapie von schweren Infektionen bieten sich primär die Fluorchinolone [Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.), Levofloxacin (TAVANIC u.a.)] und Carbapeneme [Ertapenem (INVANZ), Imipenem (ZIENAM u.

a.), Meropenem (MERONEM)] an. Die Aminoglykoside kommen nur als

Kombinationspartner in Betracht. Die Monotherapie mit einem Cephalosporin der Gruppe 3 [Cefotaxim, Ceftriaxon, Ceftazidim (FORTUM u.a.)] oder Piperacillin ± Betalaktamase-Inhibitor kann auch bei nachgewiesener in-vitro-Empfindlichkeit zu einem Therapieversagen führen, da unter der Therapie resistente Mutanten selektiert werden können, die konstitutiv große Mengen an Betalaktamase produzieren.

 


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