
Enteritische Salmonellen
(aus
ZCT 1-2007) Morphologie und Kultur
Enteritische Salmonellen verursachen im Gegensatz zu typhösen Salmonellen hauptsächlich gastrointestinale Infektionen (meist als Salmonellose oder Salmonella-Enteritis bezeichnet). Hinsichtlich Morphologie und Anzüchtung im Labor unterscheiden sich typhöse und enteritische Salmonellen nicht voneinander. Die Differenzierung erfolgt auf der Basis der Körper (O)- und Geißel (H)-Antigene. Entsprechend dem Kauffmann-White-Schema lassen sich mehr als 2.500 Serovare unterscheiden. Größere epidemiologische Bedeutung als Erreger von Lebensmittelintoxikationen haben jedoch nur 20 bis 30 Serovare. Die wichtigsten Serovare sind S. Typhimurium und S. Enteritidis. Epidemiologie
Salmonella-Enteritiden
sind Zoonosen. Der Mensch ist Zufallswirt.
Primäre Infektionsquellen sind infizierte oder mit tierischen
Ausscheidungen
kontaminierte Lebensmittel (unzureichend erhitztes Rind- oder
Schweinefleisch,
Schlachtgeflügel, Roheiprodukte wie Mayonnaise, Speiseeis etc.)
Die für erwachsene
Menschen erforderliche Infektionsdosis beträgt >106
Bakterien
(zum Vergleich: typhöse Salmonellen: 102 bis 103
Bakterien). Salmonellen vermehren sich bei Temperaturen zwischen 4 und
45°C.
Aufgrund der beachtlichen Resistenz gegenüber
Umwelteinflüssen können sie über
einen langen Zeitraum im Abwasser (Wochen bis Monate) und Boden (Monate
bis
Jahre) überleben. Der
Nachweis enteritischer Salmonellen ist meldepflichtig. Im Jahr 2006 wurden dem Robert-Koch-Institut mehr als 50.000 Fälle berichtet. Allerdings
ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Die Verbreitung wird durch
Massentierhaltung, Gemeinschaftsverpflegung in Kindertagesstätten,
Altenheimen,
Kantinen, Hotel- und Restaurantküchen sowie in Privathaushalten
durch
fehlerhafte Weiterverarbeitung von Lebensmitteln (ungenügende
Kühlung,
unzureichende Erhitzung) gefördert. Pathogenese und
Krankheitsbilder
Enteritische
Salmonellen verursachen Lokalinfektionen des Darmes. Bei
Patienten mit Abwehrschwäche können sie auch systemische
Infektionen auslösen.
Sie adhärieren mittels der Fimbrien an Enterozyten des unteren
Dünndarms,
penetrieren diese und lösen eine lokale Entzündungsreaktion
aus. Nach einer
Inkubationszeit von maximal sieben Tagen treten Durchfall,
Brechreiz/Erbrechen
sowie mäßiges Fieber auf. Der Stuhl ist zumeist wässrig
oder schleimig-blutig.
Die Dauer der Symptome kann Stunden bis Tage betragen. Bei schwerem
Verlauf
können Schüttelfrost, hohes Fieber und Kreislaufkollaps
auftreten. Bei ca. 5%
der Patienten gelangen die Erreger in den Blutkreislauf mit der Gefahr
einer
Absiedlung in anderen Organen. Mögliche Komplikationen sind
Perikarditis,
neurologische Störungen, reaktive Arthritis, Spondylitis oder
Osteomyelitis.
Der Erreger ist im Stuhl noch vier bis sechs Wochen nach Beendigung der
Erkrankung
nachweisbar. Diagnostik
Die
Anzüchtung erfolgt aus Stuhl,
Erbrochenem oder verdächtigen Lebensmitteln unter Verwendung von
Selektivmedien. Anschließend werden eine biochemische
Leistungsprüfung und
Serotypisierung (Kauffmann-White-Schema)
durchgeführt. Therapie
Bei
unkompliziertem Verlauf ist
eine antibiotische Therapie nicht erforderlich. Die Therapie erfolgt
symptomatisch, d. h. Ruhigstellung des Darms mit Loperamid (IMODIUM
u.a.) sowie
Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes. Bei schwerem
klinischen
Verlauf, Vorliegen von schwerwiegenden Grunderkrankungen
(Leukämie, AIDS, nach
Organtransplantation) oder bei Risikopatienten (mit Herzklappen- oder
Gelenkprothesenersatz, hohes Lebensalter, Kleinkinder) dagegen ist die
Gabe von
Antibiotika indiziert, um septische Absiedlungen zu verhindern. Als Wirkstoffe
kommen
Cotrimoxazol (EUSAPRIM u.a.; Erwachsenen zweimal 2 Tabletten pro Tag
über 3-10
Tage), Ampicillin (BINOTAL u.a.; Erwachsene 3-4 g pro Tag, Kinder 100
mg/kg/Tag), Fluorchinolone wie Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.; Erwachsene
zweimal
500 mg pro Tag über 3-10 Tage) oder Ceftriaxon (ROCEPHIN u.a.) in
Betracht. Für
Behandlungsversuche zur Sanierung von Ausscheidern ist Ciprofloxacin
(zweimal
500 mg pro Tag für 10 Tage) am ehesten geeignet. In Deutschland
waren in dem
Zeitraum 2001-2004 nach den Angaben des RKI 21-27% der enteritischen
Salmonellen gegen Ampicillin und 20-30% gegen Tetrazyklin resistent.
Dagegen
stellte sich die Resistenzlage bei Cotrimoxazol (3-7%), Ceftriaxon
(< 0,5%)
und Ciprofloxacin Meldepflicht
Gemäß IfSG
bei Krankheitsverdacht, Erkrankung, Tod, direktem oder indirektem
Erregernachweis |