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Rickettsia
Spezies
Taxonomie,
Morphologie
und
Kultur Rickettsien
sind
obligat
intrazellulär lokalisierte
gramnegative Erreger; sie gehören zur Familie Rickettsiaceae,
Ordnung
Rickettsiales, Gattung Rickettsia.
Eine
Anzüchtung
der Erreger in Zellkulturen ist möglich. Sie lassen sich unter
Berücksichtigung
der hervorgerufenen Erkrankungen in verschiedene Gruppen einteilen. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche
neue Arten beschrieben, deren Bedeutung für menschliche
Erkrankungen noch schwer
einzuschätzen ist. Pathogenese,
Epidemiologie
und
ausgewählte Krankheitsbilder Die Erreger dringen in die
Endothelzellen kleiner Gefäße ein mit nachfolgender
Hyperplasie, Nekrose und
Thrombosierung sowie einem Austritt von Erythrozyten aus den
Gefäßen.
Nachfolgend kommt es zur Einwanderung von Lymphozyten mit Bildung von
Fleckfieberknötchen. Das klassische (epidemische) Fleckfieber
wird durch R. prowazekii hervorgerufen und ist
weltweit verbreitet. Es wird durch Kleiderläuse übertragen
(Reservoir: Mensch,
Maus, Ratte). Die Erreger werden mit dem Kot der Kleiderläuse
ausgeschieden, eine
Infektion kann entstehen durch Einreiben des rickettsienhaltigen Kots
in die
Bissläsion, aber auch durch Inhalation. Die Inkubationszeit liegt
bei fünf bis
23 (im Mittel 12) Tagen. Die Erkrankung beginnt mit Schüttelfrost,
Fieber und
Myalgien; Konjunktivitis und Augenschmerzen sind häufig. Ein
Exanthem tritt nach
fünf bis neun Tagen an Brust, Abdomen und anderen
Körperpartien auf,
ausgenommen sind Gesicht, Handflächen und Fußsohlen sowie
der Rücken. Ein
komplizierter Verlauf mit Meningoenzephalitis oder Myokarditis ist
möglich, die
Letalität bei unbehandelten Patienten liegt zwischen 10 und 30%.1
Wahrscheinlich persistieren Erreger nach Infektion im Menschen
lebenslang, bei
relativer Abwehrschwäche tritt dann unter Umständen eine
abgeschwächte Form auf
(Morbus-Brill-Zinsser). In Deutschland ist seit 2004 kein Fall bekannt
geworden. Das murine (endemische) Fleckfieber (R.typhi)
kommt
besonders
in warmen
Ländern (Südstaaten der USA, Afrika, Europa, Asien) vor, mit
Erkrankungen muss auch
bei Reisenden aus diesen Gebieten gerechnet werden.2
Die Übertragung erfolgt durch den Rattenfloh (Xenopsylla
cheopis). Die Erreger gelangen mit dem Kot auf die Haut
und dringen durch Läsionen oder über den Respirationstrakt
ein. Die Erkrankung
verläuft relativ mild und unspezifisch; wahrscheinlich wird sie
daher in ihrer
Häufigkeit unterschätzt. Klinische Symptome sind Fieber und
Kopfschmerz, nur
bei ca. 50% tritt ein Exanthem auf. „Spotted fever group“: z.B. Rickettsia africae, Rickettsia
conorii, Rickettsia rickettsii. Die
durch R.africae hervorgerufene
Erkrankung kommt in Afrika südlich der Sahelzone vor (bei
Touristen vor allem
beim Besuch von Südafrika und den angrenzenden Ländern).3
Sie wird durch Zecken übertragen und tritt mit einer
Inkubationszeit von sechs
bis sieben Tagen überwiegend in Clustern (d. h. bei Reisegruppen)
auf. Der
klinische Verlauf ist insgesamt gutartig, ein wichtiges Symptom ist
Fieber ³38°C.
Bei
den
meisten Patienten (95%) ist wenigstens eine
verschorfte Eintrittsstelle (Eschar), bei einigen Patienten sind bis zu
vier zu
sehen; bevorzugte Lokalisationen sind Beine, Brust und Bauch sowie die
Arme.
Klinisch imponiert auch eine regionale Lymphadenopathie.
Hauterscheinungen sind
nur etwa bei der Hälfte der Patienten zu beobachten, meist handelt
es sich dann
um ein makulopapulöses Exanthem mit Vesikeln.4
Die Letalität ist gering. Mittelmeerfleckfieber
(MSF) oder
Boutonneuse-Fieber durch R.conorii. kommt im
Mittelmeerraum
einschließlich Portugal vor, ferner ist es verbreitet um das
Schwarze Meer
herum, sowie in Wladiwostok, Afrika, Indien und anderen Gebieten.
Sporadische
Fälle sind aus Belgien und der Schweiz berichtet worden. Die
Übertragung erfolgt
durch Zecken (Rhipicephalus sanguineus),
Reservoir sind Hunde und Nager. Die Inkubationszeit
beträgt
ca.
sieben Tage (1 bis 15 Tage). Typisch
ist an der Einstichstelle eine schwärzliche Kruste (Eschar) bzw.
der „tache
noire“. Krankheitssymptome sind plötzlich eintretendes Fieber
(>39°C), Kopf-
und Gliederschmerzen sowie im Verlauf ein sich zentral ausbreitendes
makulopapulöses
(„boutonneuse“) Exanthem. Die Letalität liegt bei unbehandelten
Patienten bei ca.
2 bis 3%. Rocky-Mountain-Fleckfieber
(RMSF,
Felsengebirgsfleckfieber) wird
verursacht durch R. rickettsii und durch
Zecken (Dermacentor, Rhipicephalus,
Amblyomma) übertragen, Wirte sind wildlebende Nagetiere und
Hunde. Die Erkrankungshäufigkeit
nimmt in Nordamerika zu,5 aber
auch in Mittel- und Südamerika. Nach
einer Inkubationszeit
von
etwa
sechs bis acht Tagen treten Fieber
und Schüttelfrost, Kopfschmerz und Myalgien auf. Es folgen dann
Übelkeit,
Erbrechen sowie Durchfälle. Am dritten Tag nach Erkrankungsbeginn
tritt ein Exanthem
(bei ca. 80%) an der Stirn und an Hand- und Fußgelenken auf, das
sich rasch
über den gesamten Körper ausbreitet. Die Krankheitsdauer bei
leichten Formen
beträgt ca. zwei Wochen; bei schweren Fällen ist die Dauer
verlängert und die
folgenden Komplikationen können auftreten: Lungenödem,
periphere Ödeme,
Nierenversagen, Hyponatriämie, hämorrhagische Purpura,
Thrombozytopenie,
Hypotension und Myokarditis. Krankheitszeichen von Seiten des ZNS sind
Delirium, Krampfanfälle und Koma. Die Letalität liegt
unbehandelt bei bis zu
25%. Rickettsienpocken durch
R.akari.
Die Infektion wurde in New York und anderen nordamerikanischen
Städten, der
Ukraine und anderen GUS-Staaten, Korea und Slowenien nachgewiesen. Die
Übertragung
erfolgt durch Milben. Der Krankheitsverlauf ist leicht und es kommt zur
spontanen Heilung auch ohne Behandlung. Nach einer Inkubationszeit von
sieben bis
zehn Tagen tritt an der Eintrittsstelle eine rote Papel auf, die sich
in den
folgenden Tagen zur Vesikel mit Schorfbildung (Eschar) entwickelt; die
regionalen Lymphknoten sind geschwollen. Fieber, begleitet von
Schüttelfrost,
Kopfschmerz, Myalgien, Appetitlosigkeit und Photophobie tritt
plötzlich auf.
Gleichzeitig oder mit einer Verzögerung von einigen Tagen
entwickelt sich ein
Exanthem, das von einer makulopapulösen in eine vesikuläre
Form fortschreitet.
Beim Austrocknen bilden sich schwärzliche Krusten, die ohne
Narbenbildung
abheilen. Tsutsugamushi-Fieber (R. tsutsugamushi)
kommt in Ostasien und Australien vor. Überträger sind
Milbenlarven; Reservoir
sind Nagetiere und Vögel. Die Inkubationszeit beträgt vier
bis zehn Tage;
Symptome sind Fieber, Myalgie, makuläres Exanthem,
Lungenbeteiligung (zunehmend
beobachtet), Lymphadenopathie, Hepatosplenomegalie sowie eine
Leberdysfunktion. Es gibt eine diagnostische Trias, die jedoch nicht
immer
aufritt: Hautnekrose an der Milbenbißstelle (Eschar) plus
regionale Lymphadenopathie plus generalisiertes
Exanthem.
Schwere Erkrankungsverläufe
werden bei Patienten
mit Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel beobachtet. Die Infektion
kann
tödlich verlaufen durch Lungenversagen (ARDS), Enzephalitis,
Myokarditis.6 Diagnostik Die
bevorzugte
Methode ist der Nachweis von Antikörpern (IgG, IgM) mittels
indirektem
Immunfluoreszenztest (IFT) oder ELISA. Eine weitere Methode zum
Antikörpernachweis ist die Weil-Felix-Reaktion, d. h. die
heterologe
Agglutination von Antikörpern gegen Rickettsien mit bestimmten
Proteus-vulgaris-Antigenen.
Allerdings zeigt diese Methode im Vergleich zum IFT eine geringere
Sensitivität
und Spezifität.7,8 Ein Nachweis der Erreger aus
Biopsien mittels PCR
ist möglich,3 ebenso die Anzucht in Zellkulturen.9 Prävention,
Therapie,
Meldepflicht Die
Prävention erfolgt durch eine Expositionsprophylaxe
sowie Bekämpfung der Vektoren z.B. Läuse oder Ratten mit dem
Vektor Rattenfloh
(Xenopsylla cheopis). Ein Impfstoff
gegen R. prowazekii sowie R. rickettsii
steht für besondere
Situationen zur Verfügung. Wesentlich ist der frühe
Therapiebeginn; Medikament
der Wahl ist Doxycyclin (DOXYHEXAL u.a.), Alternativen sind
Chloramphenicol (in
Deutschland nicht im Handel) oder Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.)
bzw.
die
Kombination
von Doxycyclin mit einer der beiden letztgenannten
Substanzen.10 Meldepflicht
besteht
bei
direktem oder indirektem Nachweis
einer Infektion durch R. prowazekii
(§7 IfSG). Infect
Dis
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