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Peptococcus / Peptostreptococcus
(aus ZCT 5-2005)


Die beiden strikt anaeroben, grampositiven Kokken der Gattungen Peptococcus (Peptokokken) und Peptostreptococcus (Peptostreptokokken) gehören zur Familie der Peptococcaceae. Im Allgemeinen liegen Peptokokken einzeln oder in Haufen und Peptostreptokokken als Ketten vor. Einziger Vertreter der Gattung Peptococcus ist derzeit Peptococcus niger, während die Gattung Peptostreptococcus z. Zt. 17 Spezies umfasst. Kürzlich wurde vorgeschlagen, zahlreiche Spezies neuen Gattungen zuzuordnen (z. B. Anaerococcus, Peptoniphilus, Gallicola und Schleiferella). Sie sollen hier aber weiterhin als Spezies der Gattung Peptostreptococcus bezeichnet werden. Die wichtigsten klinischen Arten sind P. anaerobius, P. asaccharolyticus, P. magnus, P. micros und P. prevotii.

 

Morphologie und Kultur

Peptokokken und Peptostreptokokken lassen sich auf angereichertem Blutagar und anderen zur Kultur von Anaerobiern gebräuchlichen Nährböden gut anzüchten. Nach mindestens 48-stündiger Inkubation zeigen sich kleine grauweiße oder farblose Kolonien. Der Durchmesser der einzelnen Zellen beträgt 0,5 bis 2 mm.

 

Pathogenese und Krankheitsbilder

Peptokokken und Peptostreptokokken sind regelmäßiger Bestandteil der Normalflora der Mundhöhle, des oberen Respirationstraktes, des Dickdarms sowie des weiblichen Genitaltraktes. Als Krankheitserreger werden sie fast ausschließlich als Bestandteil einer Mischflora isoliert. Über Verletzungen der Schleimhautoberflächen können sie zusammen mit anderen Keimen in das Gewebe eindringen und Infektionen verursachen. Hierzu zählen Infektionen im Kopfbereich (Hirnabszess, Mastoiditis, Otitis media, Sinusitis), der tiefen Atmungsorgane (Empyem, Lungenabszess, nekrotisierende Pneumonie), des Abdominalbereiches (Appendizitis, Leberabszess, Peritonitis) sowie der weiblichen Genitale (Endometritis, Ovarial- und Tubarabszess, Salpingitis). Auch an Weichteilinfektionen, postoperativen Wundinfektionen und Fremdkörperinfektionen können sie beteiligt sein. Manche Arten werden bei bestimmten Krankheitsbildern besonders häufig nachgewiesen, z. B. P. magnus bei septischer Arthritis, vor allem im Bereich künstlicher Gelenke.

 

Diagnostik

Die Abgrenzung der Peptococcaceae von Streptokokken erfolgt durch Beimpfung einer Blutagar-Platte, die unter aeroben Bedingungen in Gegenwart von 5-10 Vol.% CO2 inkubiert wird. Peptococcaceae wachsen unter diesen Bedingungen nicht, während praktisch alle Streptokokken-Arten sich so vermehren. Einige Streptokokken-Stämme bereiten allerdings Schwierigkeiten, da sie zunächst mehrfach subkultiviert werden müssen.

Zur Differenzierung der verschiedenen Arten werden biochemische Merkmale wie die Äskulinspaltung, Gelatineverflüssigung, Indol- und Nitratproduktion sowie Fermentation verschiedener Kohlenhydrate herangezogen. Die Spezies-Differenzierung ist wegen der vergleichbaren Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika aber nicht routinemäßig erforderlich.

 

Therapie

Peptokokken und Peptostreptokokken sind fast immer sensibel gegenüber Penicillin. Das Mittel der Wahl bei schweren Monoinfektionen ist daher Penicillin G (PENICILLIN G). Bei Penicillinallergie kommen andere Anaerobier-wirksame Antibiotika [z. B. Clindamycin (SOBELIN u.a.)] in Betracht. Zahlreiche andere Antibiotika wie Metronidazol (FLAGYL u.a.), Imipenem (ZIENAM u.a.) oder Cefoxitin (MEFOXITIN) sind ebenfalls zumeist wirksam.

Da aber fast immer eine Mischinfektion mit aeroben und anderen anaeroben Bakterien vorliegt, muss bei der Auswahl eines geeigneten Antibiotikums das typische Erregerspektrum der behandlungsbedürftigen Infektion berücksichtigt werden. Bei Infektionen der Mundhöhle liegt im Allgemeinen eine Mischinfektion von Peptostreptokokken mit aeroben Streptokokken und Penicillin-sensiblen gramnegativen Anaerobiern (besonders Prevotella melaninogenica) vor. Hier wirkt Penicillin in hoher Dosierung am besten. Bei Mischinfektionen von Peptostreptokokken mit Staphylokokken wird Clindamycin empfohlen.

Wie bei anderen Anaerobier-Infektionen ist auch hier neben der antibiotischen Therapie die chirurgische Behandlung von großer Bedeutung.

 




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