Die
Gattung Klebsiella, die nach dem Mikrobiologen Edwin Klebs benannt ist,
gehört zur Familie der Enterobacteriaceae. Die wichtigsten
Vertreter sind Klebsiella pneumoniae und Klebsiella oxytoca. Weitere
Spezies mit Bedeutung in der Humanmedizin sind Klebsiella pneumoniae
Subspezies ozaenae und Subspezies rhinoscleromatis. Klebsiellen sind
unbeweglich, besitzen eine Polysaccharidkapsel und lassen sich auf
einfachen Nährmedien leicht kultivieren. Die Kolonien sind
groß und schleimig. Die meisten Stämme können Glukose
und Citrat als alleinige Kohlenstoffquelle verwerten. Klebsiella
oxytoca produziert als einzige der vier Klebsiella-Arten Indol. Wie
Escherichia coli besitzen Klebsiellen O- und K-Antigene. Die
Polysaccharidkapsel, die das K-Antigen trägt, wirkt
antiphagozytär.
Pathogenese
und Krankheitsbilder
Klebsiellen sind im
Erdreich, auf Pflanzen und im Wasser nachweisbar. Sie finden sich zudem
bei etwa 30% der gesunden Bevölkerung im Gastrointestinaltrakt
oder den oberen Atemwegen. Erkrankungen, die durch Klebsiellen
verursacht werden, sind vor allem Pneumonie
(Friedländer-Pneumonie), Sepsis und Harnwegsinfektionen. Sie
können selten aber auch eine Endokarditis, Meningitis, Enteritis
oder Wundinfektion hervorrufen. Der Anteil an nosokomialen Infektionen
beträgt ca. 5-10%. Die Organismen werden aerogen, über
pflanzliche Lebensmittel oder verunreinigtes Trinkwasser aufgenommen.
Ein Teil der Infektionen erfolgt endogen.
Klebsiella pneumoniae Subspezies
ozaenae und Subspezies rhinoscleromatis können ursächlich
für Infektionen im Nasen-Rachen-Raum sein.
Diagnostik
und Resistenzsituation
Die mikrobiologische
Diagnostik erfolgt über die Anzucht aus entsprechenden
Untersuchungsmaterialien und die biochemische Identifizierung.
Klebsiellen sind von Natur aus
resistent gegen Penicillin G (PENICILLIN G u.a.) und Ampicillin
(BINOTAL u.a.). Ursache der natürlichen Resistenz sind
Betalaktamasen, die größtenteils durch
Betalaktamase-Inhibitoren gehemmt werden. Nach den Angaben der
Resistenzstudie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie
sind 5-10% der Stämme gegen Fluorchinolone und 10-15% der
Stämme gegen Cotrimoxazol (BACTRIM u.a.) resistent. Als kritisch
wird die Verbreitung ESBL-bildender Stämme (extended-spectrum
beta-lactamases), die eine Resistenz gegenüber breit wirksamen
Cephalosporinen [Cefotaxim (CLAFORAN u.a.), Ceftazidim (FORTUM u.a.)]
bewirken, betrachtet. Im Jahr 2004 betrug der Anteil im Mittel 7,3% bei
Klebsiella pneumoniae und 12,4% bei Klebsiella oxytoca. Darüber
hinaus sind etwa 20% der Stämme von Klebsiella oxytoca
gegenüber Piperacillin (PIPRIL u.a.) in Kombination mit einem
Betalaktamase-Inhibitor resistent.
Therapie
Für die Behandlung
von Harnwegsinfektionen kommen Trimethoprim Sulfonamid, die
Fluorchinolone Norfloxacin (NORFLOHEXAL u.a.) (nur oral
verfügbar), Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) und Levofloxacin
(TAVANIC), ein Cephalosporin der Gruppe 2/3 oder ein Aminopenicillin
Betalaktamase-Inhibitor in Betracht. Dagegen erfordert die Behandlung
der Klebsiellen-Pneumonie i. d. R. eine Kombinationstherapie, z. B. mit
Cefotaxim plus Gentamicin (REFOBACIN u.a.). Alternativen sind
Carbapeneme wie Imipenem (ZIENAM u.a.) und Meropenem (MERONEM) sowie
Ciprofloxacin. Die Behandlung der Endokarditis sollte mit einem
Cephalosporin der Gruppe 3 oder einem Carbapenem in hoher Dosierung in
Kombination mit einem Aminoglykosid erfolgen. Für die Behandlung
der Meningitis kommt in erster Linie Ceftriaxon (ROCEPHIN u.a.) in
Kombination mit Gentamicin oder Amikacin (BIKLIN u.a.) in Frage.