| Haemophilus influenzae
(aus
ZCT 2-2008)
Morphologie
und Kultur
Morphologisch handelt es sich bei Haemophilus influenzae um kleine (ca. 1-1,5 mm x 0,3 mm) unbewegliche, z.T. bekapselte, sporenlose gramnegative Stäbchen, die oft ein kokkenähnliches Aussehen haben. H. influenzae gehört, wie der Name es ausdrückt, zu den hämophilen Bakterien. Als hämophil werden solche Bakterien bezeichnet, die zu ihrer Vermehrung Wachstumsfaktoren benötigen, die im Blut vorkommen. H. influenzae benötigt zum Wachstum die beiden Faktoren X (Hämin) und V (NAD bzw. NADP), die in Erythrozyten vorhanden sind. Die Anzucht gelingt somit nur auf solchen Nährböden, die beide Wachstumsfaktoren in ausreichender Menge enthalten (z.B. Kochblutagar oder Nährböden, denen X und V zugesetzt wurde). Normaler Blutagar enthält zu wenig freien V-Faktor. H. influenzae kann auf Blutagar aber in unmittelbarer Nähe von Kolonien eines b-hämolysierenden Staphylococcus aureus wachsen, da von S. aureus genügend V-Faktor in das Medium freigesetzt wird (sog. Satelliten- oder Ammenphänomen). Bekapselte Stämme werden nach dem chemischen Aufbau des Kapselpolysaccharids in die Serovare A-F unterschieden, von denen der Kapseltyp B (HiB) die meisten Infektionen verursacht. Pathogenese
und Krankheitsbilder
H. influenzae kommt ausschließlich beim Menschen vor. Dort besiedelt er die Schleimhaut des Nasopharynx. Außerhalb des Organismus ist er nur für kurze Zeit lebensfähig. Die Trägerrate variiert zwischen 30% und 50%. Meist handelt es sich bei den Besiedlern um unbekapselte Stämme mit geringer Virulenz. Träger von bekapselten Stämmen sind überwiegend Kinder (Häufigkeit 2-4%). Die Weiterverbreitung der Bakterien erfolgt durch Tröpfchen- und Kontaktinfektion. Der wichtigste Pathogenitätsfaktor ist die Kapsel, die einen Schutz vor der Phagozytose bietet. Invasive Infektionen (Meningitis, Sepsis, Epiglottitis) werden zumeist von Stämmen des Kapseltyps B verursacht. Schwere Erkrankungen durch H. influenzae treten aufgrund eines Mangels an Antikörpern gegen die Kapselantigene vor allem bei Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren auf. Deshalb wird die Impfung mit HiB-Impfstoff im ersten und zweiten Lebensjahr empfohlen. H. influenzae-Infektionen
bei Erwachsenen manifestieren sich meist als Komplikation bestehender
Grundkrankheiten oder bei Abwehrschwäche. Sie werden auch durch
unbekapselte
Stämme verursacht. Häufigstes Krankheitsbild ist die akute
Exazerbation bei
chronisch obstruktiver Bronchitis. Auch als Pneumonie-Erreger ist H.
influenzae verbreitet. Bei den ambulant erworbenen Pneumonien, die
im
Anschluss an eine Influenza auftreten, macht H.
influenzae nach einer Information des CAPNETZ ca. 7% der
nachweisbaren
Erreger aus. Weitere Infektionen sind Konjunktivitis, Otitis media und
Sinusitis.
Diagnostik
Der Nachweis des Erregers erfolgt durch die Kultur. Als Untersuchungsmaterialien kommen je nach Infektionsort Blut, Liquor, Eiter, purulentes Sputum, Sinuspunktat und Konjunktivalabstriche in Betracht. Aufgrund der geringen Umweltresistenz von H. influenzae sind die Verwendung geeigneter Transportmedien, kurze Versandzeiten sowie die schnelle Verarbeitung des Materials im Labor sehr wichtig für den Nachweis. Das Material wird auf Blutagar mit einem Impfstrich von S. aureus als Amme (s.o.) und auf Kochblutagar ausgeimpft. Zur Anreicherung wird Fildes-Bouillon oder Hirn-Herz-Bouillon, die ausreichend X- und V-Faktor enthalten, verwendet. Die Inkubation erfolgt bei 37°C in CO2-haltiger Atmosphäre. Die
HiB-Meningitis stellt einen
medizinischen Notfall dar. Für die Schnelldiagnose kommen die
Anfertigung eines
mikroskopischen Präparates sowie der Nachweis von Kapselantigenen
im
Liquorpunktat, Blut oder Urin mit Hilfe von Agglutinationstests in
Betracht.
Der Antigennachweis bringt auch dann ein positives Ergebnis, wenn
Bakterien
nicht anzüchtbar sind, z.B. nach antibiotischer Behandlung. Die
Einteilung in
Serotypen erfolgt unter Verwendung von Antikörpern gegen die
Kapselsubstanz.
Therapie Für die orale Therapie von Infektionen im HNO-Bereich und von Infektionen der unteren Atemwege werden primär Aminopenicilline, ggf. in Kombination mit einem b-Laktamase-Inhibitor, sowie Cephalosporine wie zum Beispiel Cefuroxim-Axetil (diverse Warenzeichen) empfohlen. Die älteren Oralcephalosporine besitzen keine ausreichende Aktivität. Als Alternativen stehen die Fluorchinolone Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.), Levofloxacin (TAVANIC u.a. ) und Moxifloxacin (AVALOX u.a.) zur Verfügung. Dem gegenüber ist die In-vitro-Aktivität der Makrolide gegen H. influenzae unzureichend Bei der Empfindlichkeitsprüfung ist vor allem der Nachweis der Resistenz gegen Aminopenicilline von Bedeutung. Meistens wird die Resistenz durch b-Laktamasen verursacht. Die verfügbaren b-Laktamase-Inhibitoren erfassen in Kombination mit Aminopenicillinen auch b-Laktamase-bildende Stämme. Im Fall von beta-Laktamase-negativen, Ampicillin-resistenten Stämmen (BLNAR) ist die Resistenz auf veränderte Penicillinbindeproteine zurückzuführen. Die Häufigkeit einer Ampicillin-Resistenz liegt in Deutschland bei 5-10%. In anderen Ländern wurden aber z.T. deutlich höhere Resistenzraten ermittelt. Stämme mit einer Resistenz gegen Amoxicillin/Clavulansäure (AUGMENTAN u.a.), Haemophilus-wirksamen Cephalosporinen oder Fluorchinolonen werden hierzulande selten beobachtet. Bei
der Meningitis ist ein möglichst frühzeitiger Beginn der
antibiotischen Behandlung erforderlich. Die Therapie der Wahl
für die
kalkulierte Therapie ist Ceftriaxon
(ROCEPHIN u.a.) über
sieben Tage. Ceftriaxon erfasst auch BLNAR-Stämme
von H. influenzae. Kinder mit HiB-Meningitis erhalten
darüber hinaus
Dexamethason (FORTECORTIN u.a.) zur Entzündungshemmung (zweimal
tgl. 0,4 mg/kg
während 2 Tagen oder 4 x tägl. 0,15 mg/kg während 4
Tagen, beginnend 20 - 30
Minuten vor erster Antibiotika-Gabe). Als Umgebungsprophylaxe wird
Rifampicin
(RIFA u.a.; zweimal tgl. 10 mg/kg) für 4 Tage empfohlen. MeldepflichtNach § 7 besteht eine namentliche Meldepflicht für den direkten Nachweis von H. influenzae aus Liquor oder Blut. |