| Clostridium
difficile
(aus
ZCT 6-2007)
Morphologie
und Kultur
Clostridium
difficile ist
ein obligat
anaerobes, Gram-positives Stäbchenbakterium mit einer Länge
von 3-6 mm und
einer Breite von ca. 0,5 mm. Die
Gattung Clostridium
gehört zur Familie der Bacillaceae. Die Entdeckung von C.
difficile
als ein wichtiger Erreger der Antibiotika-assoziierten Kolitis erfolgte
Ende
der 70er Jahre. Der Name C. difficile geht
auf
das langsame Wachstum in der Kultur und die schwierige Isolierung des
Bakteriums zurück. Auf supplementierten Blutagar-Platten wachsen
große, grau
durchscheinende Kolonien ohne Hämolyse. Wie alle Clostridien
besitzt C.
difficile die Fähigkeit zur Sporenbildung. Auf diese Weise
können die
Bakterien auch unter extremen Umweltbedingungen überleben.
Epidemiologie
Gesunde
Erwachsene tragen zu 2-7% C.
difficile im
Gastrointestinaltrakt. Dagegen ist der Magen-Darm-Trakt bei zu 65% der gesunden Neugeborenen mit
dem Erreger besiedelt. In
Krankenhäusern ist die Prävalenz aufgrund der
Übertragung des Erregers zumeist
deutlich erhöht (10-25%). In Ausbruchssituationen kann der Anteil
sogar noch
höher sein. Risikofaktoren für den Erwerb von C. difficile
sind u.a.
Alter (>65 Jahre), Schwere der Grunderkrankung, Dauer des
Krankenhausaufenthaltes (>3 Tage) sowie Antibiotika-Therapie in den
letzten drei
bis sechs Monaten.
Die Mehrzahl der bei Krankenhausaufnahme
positiven Patienten zeigt keine Infektionssymptomatik. In zahlreichen
Ländern
ist aber ein z. T. dramatische Zunahme von Patienten mit C.
difficile-assoziierter
Erkrankung (CDAD, C. difficile associated disease)
festzustellen. In Deutschland stieg die Anzahl der
Patienten mit CDAD von 7,4 pro 100.000 stationärer
Aufnahmen im Jahr
2000 auf 39,3 im Jahr 2004. Im April 2007 wurde bundesweit erstmals
auch der
besonders virulente PCR-Ribotyp O27 nachgewiesen. In den USA wird auch
über
eine Zunahme ambulant erworbener CDAD Fälle berichtet.
Die CDAD stellt eines der größten
nosokomialen Probleme dar. C. difficile kann bei mindestens
20-30% der
Patienten mit Antibiotika-assoziierter Diarrhö, 50-70% der
Patienten mit
Antibiotika-assoziierter Kolitis und bei >90% der Patienten mit
pseudomembranöser Kolitis isoliert werden. Nach einer
Schätzung erhöht sich der
Krankenhausaufenthalt von CDAD-Patienten um bis zu drei Wochen. Die
Kosten für das
Management von Patienten mit CDAD in Europa wurden mit ca. 3 Milliarden
Euro
pro Jahr berechnet.
Pathogenese
und Krankheitsbilder
Während
einer
Antibiotika-Therapie wird der protektive Effekt der physiologischen
Flora
gestört und es kann zum Überwuchern von C. difficile
im Darm kommen. Die
einzelnen Stämme von C. difficile können erhebliche
Unterschiede
hinsichtlich der Virulenz aufweisen. Hieraus ergibt sich, dass die
Schwere der
Krankheitssymptome von Patient zu Patient stark variieren kann. Als
Virulenzfaktoren
gelten in erster Linie ein Enterotoxin (Toxin A) und ein Zytotoxin
(Toxin B).
Darüber hinaus besitzen einige Stämme das Gen für das
kürzlich entdeckte binäre CDT (ADP-Ribosyltransferase),
das als
weiterer
Virulenzfaktor diskutiert wird.
Die in
den
USA, Kanada und einigen europäischen Ländern isolierten
Epidemiestämme besitzen
sowohl die Gene für die Toxine A (tcdA) und B (tcdB)
als auch das
Gen für das CDT A/B (cdtA/cdtB). Zudem ist die
Zytotoxizität bei
diesen Stämmen aufgrund einer Deletion im Regulationsgen tcdC
deutlich
erhöht. Die überwiegende Zahl dieser Stämme zeigte
bisher den PCR-Ribotyp O27.
Stämme, die keine Gene zur Toxinbildung besitzen, gelten als
apathogen.
Die
CDAD beginnt meist unter oder
kurz nach einer Antibiotika-Therapie. Das klinische Bild reicht von
leichter
Diarrhö bis zur schweren pseudomembranösen Kolitis mit Fieber
und krampfartigen
Bauchschmerzen, in dessen Folge schwere Komplikationen wie
Kolonperforation,
Sepsis und toxisches Megakolon auftreten können. Die CDAD ist
üblicherweise mit
einer Letalität von 1-2% belastet. Bei pseudomembranöser
Kolitis steigt sie
jedoch auf 6-30%.
Diagnostik
Für
den Antigen- und
Toxinnachweis stehen Agglutinationsteste und ELISAs zur Verfügung.
Da es
Toxin-A-negative / Toxin-B-positive Stämme gibt, sollten nur
solche
Toxin-ELISAs verwendet werden, die zum Nachweis beider Toxine geeignet
sind.
Darüber hinaus sollte eine Stuhlkultur angelegt werden. Bei einer
Häufung von
CDAD ist dies sogar zwingend erforderlich. Der Toxinnachweis kann dann
auch
mittels Zytotoxizitätstest erfolgen. Der Vorteil dieser Methode
liegt in der
hohen Sensitivität und Spezifität bezüglich des
Toxin-B-Nachweises. Zeitlicher
und finanzieller Aufwand sind allerdings recht hoch. Ein Real-Time-PCR
Assay
basiert auf dem Nachweis beider Gene.
C.
difficile kann unter
obligat anaeroben Bedingungen auf geeigneten Nährböden
(Cycloserin-Cefoxitin-Fruktose-Agar) isoliert werden. Die
Identifizierung
mittels biochemischer Leistungsmerkmale erfolgt über den Nachweis
der
Prolin-Arylamidase. Bei kulturellem Nachweis stehen die Erreger auch
für die
Erstellung eines Antibiogramms und Typisierungsverfahren zur
Verfügung.
Die
Infektion mit dem PCR-Ribotyp
O27 ist mit einem schweren Krankheitsverlauf und erhöhter
Letalität assoziiert.
Da der Stamm auch bei jüngeren, ambulanten Patienten zum Teil zu
sehr schweren
Krankheitsverläufen geführt hat, sollten auch niedergelassene
Ärzte bei
schweren Durchfallerkrankungen an eine CDAD denken. Zur Identifizierung
des
neuen Subtyps sind die Toxintypisierung, PCR Ribotypisierung, der
Nachweis der
Deletion im tcdC-Gen sowie ggf. der Nachweis einer vermehrten
Toxinproduktion im Zytotoxizitätstest erforderlich.
Therapie
Die
Behandlung
einer CDAD besteht primär in der Beendigung der
ursprünglichen Antibiotika-Therapie
(sofern möglich) sowie ggf. der Flüssigkeits- und
Elektrolytsubstitution. Die
Therapie mit antiperistaltischen Medikamenten wie Loperamid (IMODIUM)
wird
nicht empfohlen. Asymptomatische Träger sowie Patienten mir
geringer
Infektionssymptomatik bedürfen keiner spezifischen Behandlung.
Eine
antibiotische Therapie ist angezeigt bei einer Kolitis, schwerer oder
anhaltender Diarrhö oder wenn die ursprüngliche
Antibiotika-Therapie nicht
abgesetzt werden kann. Als Mittel stehen Metronidazol
(CLONT u.a.; dreimal tägl. 500 mg p.o.) und alternativ Vancomycin (VANCOMYCIN CP
u.a.; viermal
tägl. 125 mg p.o.)
zur Verfügung. Wenn eine orale Therapie nicht möglich ist,
kann Metronidazol
auch infundiert werden. Vancomycin wirkt nicht nach i.v. Gabe. Der
Einsatz von
Vancomycin wird bei Unverträglichkeit von Metronidazol, Versagen
der
Metronidazol-Therapie und bei Schwangeren empfohlen. Die Dauer der
antibiotischen Therapie beträgt 10-14 Tage. Bei ca. 10-20% der
Patienten treten
rezidivierende Infektionen auf. Diese Patienten können mit dem
gleichen
Antibiotikum nochmals behandelt werden. Das Risiko eines Rezidivs kann
durch
die Gabe von Probiotika (Saccharomyces boulardii) vermindert
werden. Bei
mehreren Rezidiven wird eine Behandlung mit Metronidazol oder
Vancomycin über
4-6 Wochen empfohlen.
Prävention
und Kontrolle
Wichtigste
Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von CDAD sind die
sofortige
Kontaktisolierung und strikte Einhaltung von Hygienemaßnahmen.
Weitere
Maßnahmen finden sich auf den Internetseiten des Robert
Koch-Institutes
(www.rki.de).
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