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Campylobacter
(aus
ZCT 4-2007)
Morphologie und
Kultur
Die
Gattung Campylobacter gehört zur Gruppe von Bakterien, die
spiralig gebogen sind. Es handelt sich um gramnegative, stark
bewegliche
Stäbchenbakterien, die strikt mikroaerophil sind. Die wichtigste
humanpathogene
Spezies ist C. jejuni. Weitere Spezies mit Bedeutung als
Krankheitserreger beim Menschen sind C. coli, C. lari und
C.
fetus. Die Kultivierung der Bakterien erfolgt auf Blutagar-Platten
in einer
Atmosphäre, die 85% N2, 5% O2 und 10% CO2
enthält. Die optimale Inkubationstemperatur variiert zwischen
25°C für C.
fetus und 42° für C. jejuni.
Epidemiologie
Campylobacter-Spezies sind Zoonoseerreger. Sie gehören weltweit
zu den häufigsten Erregern von Durchfallserkrankungen. In Europa
treten sie vor
allem in der warmen Jahreszeit auf. Campylobacter kommen bei
vielen
Tieren als enterale Kommensalen vor. Bei Geflügel findet sich
überwiegend C.
jejuni, während C. coli zumeist bei Schweinen
vorkommt. Die Erreger
können auch in der Umwelt, vor allem bei niedrigen Temperaturen
(Kühl- und
Gefrierschrank), gut überleben. Die Übertragung der Keime auf
den Menschen
erfolgt zumeist über kontaminierte Nahrungsmittel. Als wichtigste
Vehikel
gelten rohes bzw. unzureichend erhitztes Fleisch (vor allem
Geflügelfleisch)
und Rohmilch. Übertragungen durch kontaminiertes Trinkwasser und
von
durchfallkranken Haustieren auf den Menschen sind ebenfalls
möglich. Bereits
500 Bakterien können eine Erkrankung auslösen.
Der
Nachweis von Campylobacter-Spezies ist meldepflichtig. Im Jahr 2006 wurden dem Robert-Koch-Institut mehr als 50.000 Fälle berichtet.
Pathogenese und
Krankheitsbilder
Die
Inkubationszeit beträgt meistens zwei bis fünf Tage.
Über die
Mechanismen der Pathogenität ist nicht sehr viel bekannt. C.
jejuni
produziert ein Enterotoxin und verschiedene Zytotoxine. Die Besiedlung
des
Darmes erfolgt über die Adhäsion an Epithelzellen. Die Zellen
werden dann
geschädigt oder die Bakterien dringen in sie ein. Nach Durchtritt
durch die
Lamina propria kann eine systemische Infektion entstehen. Kinder sind
empfänglicher für Campylobacter-Infektionen als
Ältere. Klinisch
manifestiert sich die Erkrankung als akute Enteritis, die durch
dünnbreiige bis
wässrige Durchfälle, z.T. mit Blutbeimengungen, sowie
krampfartige
Abdominalschmerzen und Fieber charakterisiert ist. Die Dauer der
Erkrankung
beträgt in der Regel einen bis sieben Tage. Die Erkrankung ist mit
einer hohen
Selbstheilungsrate assoziiert. Allerdings tritt bei 5-10% der nicht
behandelten
Patienten ein Rezidiv auf. Bei abwehrgeschwächten Patienten kann
die Erkrankung
auch protrahiert oder chronisch verlaufen. Gelegentlich manifestiert
sich als
Spätfolge der Infektion eine reaktive Arthritis. Auch das
Nervensystem kann
betroffen sein (Guillan-Barré-Syndrom). Bei C. fetus
finden sich
vereinzelt auch andere Krankheitsbilder wie Endokarditis, Meningitis,
Peritonitis, Cholezystitis, Salpingitis und Sepsis. Vorwiegend sind
abwehrgeschwächte Patienten betroffen.
Diagnostik
Der Schwerpunkt
der Labordiagnose
liegt in der kulturellen Anzüchtung. Dabei sind die
mikroaerophilen Bedingungen
einzuhalten (s. o.). Bei der Isolierung von C. jejuni aus
möglichst
frischem Stuhl werden Selektivnährmedien verwendet. Die Inkubation
erfolgt bei
42°C über 48 Stunden. Zur Differenzierung zwischen C.
jejuni von anderen
Campylobacter-Spezies dient die Fähigkeit von C.
jejuni zur
Hydrolyse von Hippurat. Der Nachweis von C. jejuni kann auch
durch
Antigennachweis im Stuhl mittels ELISA oder durch
Nukleinsäurenachweis (PCR)
erfolgen. Allerdings gelten beide Verfahren als noch nicht ausreichend
validiert. Die Isolierung von C. fetus bereitet wenig
Schwierigkeiten,
wenn der Keim im Untersuchungsgut (z.B. Blut, Liquor, Gelenkpunktat,
Eiter
usw.) als alleiniger Erreger vorkommt.
Therapie
In der Regel
reicht eine
symptomatische Therapie aus (ggf. mit Wasser und
Elektrolytsubstitution), da
die Enteritis zumeist selbstlimitierend ist. Bei hohem Fieber, septisch
verlaufenden Infektionen, schweren klinischen Verläufen und
Infektionen bei abwehrgeschwächten Patienten
ist
jedoch eine antibiotische Therapie erforderlich. Mittel der Wahl sind
Erythromycin (ERYTHROCIN u.a.) und Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.).
Allerdings
ist die Resistenzhäufigkeit bei C. jejuni gegenüber
Ciprofloxacin in den
letzten Jahren auf fast 50% angestiegen. Eine Makrolid-Resistenz liegt
bei
weniger als 10% der Isolate vor.
Meldepflicht
Gemäß IfSG
bei Krankheitsverdacht, direktem oder indirektem Erregernachweis
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