Burkholderia cepacia
(aus
ZCT 6-2008)
Morphologie und Kultur
Der Name Burkholderia
cepacia (früher Pseudomonas cepacia) leitet sich
von dem
amerikanischen Mikrobiologen Walter Burkholder ab, der den Keim
erstmals 1950
aus faulenden Zwiebelknollen isolierte. Heute werden unter der
Bezeichnung Burkholderia
cepacia-Komplex mindestens zehn nahe verwandte Spezies
zusammengefasst
(Genomovare), die vereinfachend auch als Burkholderia cepacia
bezeichnet
werden. Es handelt sich um ca. 1 x 2,5 μm
große aerobe gramnegative Stäbchenbakterien mit polarer
Begeißelung. Die Burkholderiaarten sind wie die Pseudomonaden
nicht in der Lage,
Kohlenhydrate zu verwerten und werden folglich den sogenannten
„Non-Fermentern“
zugeordnet. Der Nachweis des Erregers im mikrobiologischen Routinelabor
ist
aufgrund der genotypischen und phänotypischen Vielfalt schwierig
(s. u.).
Pathogenese und
Krankheitsbilder
Burkholderia
cepacia ist
ein primär pflanzenpathogener Keim, der in feuchter Umgebung und
im Boden
vorkommt. Das natürliche Habitat sind Gewässer sowie der
Knollenbereich von
Gemüse (z. B. Zwiebeln) und anderen Pflanzen. Nachdem in den 70er
Jahren
zunächst nur Berichte über den Nachweis von Burkholderia
cepacia bei
Patienten mit Mukoviszidose (Synonym: Zystische Fibrose, CF) erschienen
waren,
wurde 1984 in Toronto (Kanada) erstmalig ein endemieartiges Auftreten
des
Erregers bei CF-Patienten mit z. T. schweren Infektionen bekannt. Burkholderia
cepacia gilt heute als einer der wichtigsten Erreger bei
CF-Patienten. Darüber
hinaus wurde er als Erreger von Pneumonien bei Patienten mit
chronischer
Granulomatose sowie als nosokomialer Erreger bei immunkompetenten
Patienten
beschrieben.
Die
Übertragung erfolgt in der
Regel aerogen. Dabei stellen mit Burkholderia cepacia
besiedelte
Patienten die größte Gefahr für eine Übertragung
dar. Im Privatbereich kann
eine Kontamination auch über die orale Aufnahme von Wasser oder
Pflanzenteilen
erfolgen. Die wichtigste Infektionsquelle im Krankenhaus stellen
kontaminierte
Desinfektionsmittel dar. Die Besiedlung erfolgt im Respirationstrakt,
wo der
Erreger mit Hilfe von Pili und anderen Faktoren an Epithelzellen
adhäriert, in
die er anschließend penetrieren und sich dort vermehren kann. Die
genauen
Pathomechanismen sind jedoch noch nicht geklärt.
Der
Krankheitsverlauf kann sehr
unterschiedlich sein. Bei den meisten Patienten verschlechtert sich die
Lungenfunktion nicht, während in ca. 20% der Fälle eine akut
verlaufende
nekrotisierende Pneumonie mit Sepsis auftritt (sogenanntes Burkholderia
cepacia-Syndrom). Dabei scheint der Verlauf der Infektion zum einen
von der
Virulenz des Erregers und zum anderen von den individuellen Faktoren
der
betroffenen CF-Patienten bestimmt zu sein.
Aufgrund der im
Vergleich zu Pseudomonas
aeruginosa deutlich höheren Infektiosität dürfen mit
Burkholderia
cepacia besiedelte CF-Patienten nicht mit anderen CF-Patienten in
Kontakt
kommen.
Diagnostik und
Resistenzsituation
Der Nachweis
des Erregers erfolgt
durch Anzucht aus Respirationstraktmaterialien. Die Identifizierung ist
allerdings nicht einfach. Bei der Verwendung der üblichen
kommerziellen
Testverfahren oder Selektivmedien wurden Burkholderia cepacia
oft falsch
identifiziert oder übersehen. Der Gebrauch spezieller
phänotypischer Tests
erlaubt zwar eine bessere Abgrenzung, insbesondere zu Burkholderia
gladioli,
Stenotrophomonas maltophilia oder Ralstonia spp.;
für eine
eindeutige Zuordnung von Bakterien zu den Genomovaren des Burkholderia
cepacia-Komplexes ist aber die Anwendung molekularbiologischer
Methoden
erforderlich.
Burkholderia
cepacia
zeichnet sich durch eine Resistenz gegen zahlreiche Antibiotika aus.
Von Natur aus
besteht eine Resistenz gegen Aminoglykoside und Polymyxine.
Darüber hinaus
besteht meist eine Resistenz gegen zahlreiche Betalaktam-Antibiotika,
die auf
der Produktion chromosomal-kodierter Betalaktamasen oder
veränderter
Penicillinbindeproteine beruht.
Therapie
Die
Therapie umfasst in der
Regel mehrere Antibiotika. Die höchsten Sensibilitätsraten
wurden für
Ceftazidim (FORTUM) und Piperacillin/Tazobactam (TAZOBAC) berichtet;
auch die
Carbapeneme, Tetrazykline, Fluorchinolone und Chloramphenicol sind in
vitro teilweise
wirksam. Die in-vitro-Aktivität besitzt aber nur einen geringen
prädiktiven
Wert für die therapeutische Anwendung bei CF-Patienten, weil die
Erregerelimination aus dem Sputum auch durch in vitro wirksame
Antibiotika
meist nicht gelingt. Als Ursache für diese Beobachtung kommt die
Fähigkeit der
Erreger zur Biofilmbildung in Betracht. Die wichtigste therapeutische
Maßnahme
stellt somit die konsequente Bronchialtoilette
dar.
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