|
Bartonella
Spezies
Taxonomie,
Morphologie
und
Kultur Bartonellen
sind
obligat
intrazelluläre gramnegative Erreger;
24 Arten der Gattung Bartonella sind beschrieben,
davon zehn als menschenpathogen. Die wichtigsten Spezies sind B. bacilliforme (Hochtäler der Anden)
sowie B. quintana und B. henselae
(Vorkommen in Europa). Bartonellen
zeichnen sich durch eine relativ hohe Wirtsspezifität aus.1 Die
Kultur
von
Bartonellen ist möglich. Pathogenese,
Epidemiologie
und
ausgewählte Krankheitsbilder Reservoire
für
Bartonellen
sind Säugetiere (häufig Katzen,
Hunde) sowie der Mensch.2 Reservoire und Vektoren sind auch
Flöhe
von Hunden und Katzen, Läuse (B.quintana),
Sandfliegen (B.bacilliforme) oder
Zecken (bis zu 40%).3,4 Die Erreger können ebenfalls
über Verletzungen
bzw. Bluttransfusionen übertragen werden.5 Nach dem
Eindringen der
Erreger überleben diese sowohl in Erythrozyten, was zu einer
Anämie führen kann,
als auch in Histiozyten an der Eintrittsstelle sowie in Endothelzellen,
wobei
es zu angioproliferativen Reaktionen kommt. B.bacilliforme
verursacht in den Anden das Oroya-Fieber bzw. Veruga peruviana. Das
Krankheitsbild der Katzenkratzkrankheit wird in Europa und weltweit
beobachtet,
hauptsächlicher Erreger ist B.henselae.
Betroffen sind in erster Linie Kinder und Jugendliche. Nach
einem Kratzer bzw. einer Verletzung treten drei bis zehn Tage
später Pusteln oder Papeln an der Inokulationsstelle auf.
Charakteristisch ist
in den folgenden ein bis drei Wochen eine schmerzhafte Schwellung der
regionalen Lymphknoten, sowie Fieber, Kopfschmerz und
Krankheitsgefühl.6
Die Lymphknoten bilden sich nach zwei bis drei Wochen bei
immunkompetenten
Patienten meist spontan wieder zurück. Komplikationen können
sein:
Konjunktivitis (6-8%), Neuroretinitis (häufig unilateral);7,8
Endophthalmitis,
Enzephalopathie,9 Milzabszess und Osteomyelitis (insgesamt
selten,
vor allem bei Kindern aber auch in Einzelfällen bei Erwachsenen). B.quintana
verursacht die Krankheitsbilder bakterielle Angiomatose, Peliosis
hepatis, Schützengrabenfieber, Endokarditis und Sepsis – vor allem
auch eine
chronische Sepsis mit rezidivierendem Fieber. Bei immunsupprimierten
Personen, z.B.
nach Chemotherapie, tritt eine zyklisch verlaufende Sepsis10 oder
auch
eine
Endokarditis auf. 11,12 In der Vergangenheit trat
das
Schützengrabenfieber vor allem in Osteuropa auf, mit großen
Epidemien im 1. und
2. Weltkrieg. Es handelt sich um eine fieberhafte Erkrankung, meist
alle fünf
Tage wiederkehrend mit Schüttelfrost, monatelang sich hinziehend;
quälende
Schienbein-, Kreuz- und Kopfschmerzen (Febris neuralgica periodica),
Milzschwellung, oft Nephritis und Ödeme können auftreten.
Viele Fälle verlaufen
atypisch (rheumatische Beschwerden, neurologische Störungen,
Depression). Diagnostik Eine
Untersuchung
auf Bartonellen soll bei typischen Krankheitssymptomen erfolgen, aber
auch bei
schwerer unerklärbarer Anämie, Cholestase, Serositis,
Lymphadenitis,
chronischer Uveitis oder granulomatöser bzw. angioproliferativer
Reaktion. Bei
kulturnegativer Endokarditis ist differentialdiagnostisch auch an die
Möglichkeit einer Bartonellose zu denken. Bevorzugte Methode ist
der Nukleinsäurenachweis,13
die
Kultur z.B. in embryonalen Lungenfibroblasten ist aufwendig
und langdauernd.14 Der
Antikörpernachweis
ist über den indirekten Immunfluoreszenztest möglich. Prävention,
Therapie,
Meldepflicht Vorsicht
beim
Umgang
mit Säugetieren, besonders Katzen; auf Flöhe
achten, Kratzer vermeiden!
Therapie bei klinisch manifester Erkrankung mit Azithromycin
(AZITHROMYCIN-RATIOPHARM
u.a.), bei Endokarditis in der Kombination Doxycyclin (DOXYHEXAL
u.a.)
plus
Rifampicin (EREMFAT u.a.) bzw. Gentamicin (REFOBACIN
u.a.). Bei
Patienten mit HIV-Infektion und bakterieller
Angiomatose bzw. Peliosis hepatis Therapie mit Doxycyclin, Prophylaxe
mit
Erythromycin (ERYTHROMYCIN STADA u.a.),
Azithromycin,
Clarithromycin (KLACID u.a.). Nach
einer Infektion mit Bartonella spp. sollte kein Blut mehr gespendet
werden! 1.
VAYSSIER-TAUSSAT,
M.
et
al. J Clin Microbiol 2004;
42: 264-268 Appl Environ Microbiol
2010; 76: 1395-1398
Zoonoses Public Health
2008; 55: 514-520 Transfus
Med
2008;
18: 287-291
Dtsch med Wschr 1996;
121: 622-626 Int J Pediatr
2010; 2010: 763105 Pediatr Infect Dis
2005; 24: 700-704 J Med
Microbiol, 2011; 60: 142-146 J Med Case
Reports 2009; 3: 7325 Medicine
( Eur J Clin
Microbiol Infect Dis 2009; 28: 1363-1368
J
Clin Microbiol 2005; 43: 4993-5002 |