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Bacillus anthracis
Taxonomie,
Morphologie
und
Kultur B.anthracis
gehört zur Gattung aerober, unbeweglicher, grampositiver und
bekapselter Sporenbildner. Sie verfügen über eine sehr hohe
Umweltresistenz und
die Sporen sind auch noch nach Jahren und Jahrzehnten infektiös.
Das Wachstum gelingt
auf einfachen Nährmedien, auf Blutagar ohne Hämolyse. Epidemiologie Derr
Erreger von Milzbrand ist weltweit verbreitet, in
Europa sind Infektionen beim Menschen jedoch sehr selten. In
Deutschland gab es
in den Jahren 1996 bis 2008 keine Meldung; die letzte Erkrankung wurde
hier
1975 bei einem Mann, der nach Verzehr von Fleisch- und Wurstwaren an
einer
Milzbrandsepsis erkrankt und gestorben war, bekannt. Vorkommen bei
Tieren (bes.
Herbivoren wie Rinder, Schafe, auch in Europa), welche Erdsporen
aufnehmen. Die
Übertragung erfolgt vom Tier bzw. von kontaminierten tierischen
Materialien (Organe,
Felle, Häute, Wolle, Knochenmehl) auf den Menschen, ist aber auch
von Mensch zu
Mensch möglich! Die Übertragung durch Insekten ist selten.
Ausbrüche bei Tieren
wurden beispielsweise 1994 in Frankreich (Pyrenäen und Alpen)
beobachtet, in
den Pyrenäen starben 35 Kühe. Drei Personen entwickelten nach
Tierkontakt das
Bild eines Hautmilzbrandes, alle wurden antibiotisch behandelt und
überlebten.1
Aus der Türkei sind Anthrax-Fälle (bes. Hautmilzbrand) mit
einer Häufung der
Infektionen in den Monaten Juni bis September bekannt.2
Aerosole mit
Milzbrandsporen können sich über große Entfernungen
hinweg ausbreiten und
gelangen wegen ihrer Größe von 1-2 µm bis in die
Alveolen; der Einsatz als
Biowaffe ist gefürchtet. Bei einer Freisetzung von Anthrax-Sporen
aus einer
Biowaffenfabrik in Sverdlowsk starben 1979 wenigstens 66 Menschen, in
den USA
traten 2001 insgesamt 22 Fälle (5 Todesfälle) bei Personen
mit Umgang
kontaminierter Briefe und Päckchen auf. Pathogenese,
Krankheitsbild Durch
eine Kapselbildung ist die Bakterienzelle vor dem
Immunsystem geschützt. Entscheidend ist eine Toxinproduktion
[binäre,
plasmidisch-kodierte Toxine: „letales Toxin“ mit Wirkung als Protease
(LF) und
„ödematöses Toxin“ mit Wirkung als Adenylatcyclase (EF), in
Kombination mit
einem Bindepotein (PA)] der sich teilenden Bakterienzellen. Die
Vermehrung der
Erreger erfolgt am Ort der Infektion sowie in den ableitenden
Lymphknoten. Die
häufigste Form ist der sog. Hautmilzbrand
(Pustula maligna, Anthrax) mit Lokalisation an Hand und Unterarm, aber
auch
Lippen (bei Webern), Auge (Einreiben von sporenhaltigem Staub), Nacken
und
Rücken bei Trägern von Leder oder Fellen, in den
Zehenzwischenräumen, unter dem
Gürtel oder am Kragen (Aufscheuern der Haut). Die Inkubationszeit
beträgt 2 bis
12 Tage, gelegentlich auch nur Stunden. An der Inokulationsstelle
entsteht eine
schmerzlose Papel mit einer ödematös entzündeten
Umgebung und anschließender Bläschenbildung,
das schmerzlose Zentrum wird innerhalb weniger Stunden nekrotisch. Es
treten
Fieber, Benommenheit und Herzrhythmusstörungen auf. Ohne Therapie
entwickelt
sich eine Lymphangitis mit nachfolgender Sepsis. Die Letalität
liegt bei unbehandelten
Patienten zwischen 5 und 20%, mit Therapie bei <1%. Der Lungenmilzbrand
entsteht durch die Einatmung von Sporen, wobei die
Infektionsdosis relativ hoch sein muß (>8.000-40.000 Sporen),
um ein Angehen
der Infektion zu ermöglichen. Allerdings existieren auch Berichte
darüber, dass
schon 1-3 Sporen eine Erkrankung verursachen können.3
Die Zeit
zwischen Exposition und Ausbruch der Erkrankung beträgt etwa vier
bis sechs
Tage möglicherweise bis zu sechs Wochen (!), die Sporen
persistieren über eine
lange Zeit (bis 100 Tage) in den Makrophagen. Das Krankheitsbild
beginnt nach
kurzer Prodromalzeit (unproduktiver Husten, Halsschmerzen, leichtes
Fieber,
Muskelschmerzen, Kopfschmerzen) schlagartig mit hohem Fieber,
Schüttelfrost und
starkem Schwitzen sowie Dyspnoe, Hypoxie und Tachykardie. Radiologisch
charakteristisch sind ein verbreitertes Mediastinum, Infiltrate sowie
Pleuraergüsse. Die Letalität bei adäquater Therapie
liegt bei >50-75%, ohne
Therapie nahezu bei 100%. Die gastrointestinale Erkrankung (Darmmilzbrand)
entwickelt
sich
nach
Ingestion massiv kontaminierten Materials im Magen, häufiger im
terminalen
Ileum oder in der Ileocoekalregion (Inkubationszeit ein bis sieben
Tage). Es
entstehen bis 5cm große Ulzerationen mit massiver
ödematöser Schwellung der
Mukosa bis hin zum Obstruktionsileus. Gleichzeitig erfolgt ein massiver
Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, der zum Tode führen
kann. Fieber,
Übelkeit, Bauchschmerzen, akutes Abdomen, Erbrechen und Durchfall
(ggf. blutig)
sowie Septikämie sind begleitende Symptome. Die Letalität
beträgt 25-60%, der Effekt
einer Therapie auf die Letalität ist unbekannt. Bei allen Formen
ist die
Entwicklung einer Milzbrandmeningitis möglich. Diagnostik Bei
klinischem Verdacht auf Anthrax ist das Labor unbedingt
telefonisch zu verständigen. Die Untersuchung erfolgt von
Abstrichen (Pustula
maligna), Biopsien, Blut, Sputum, Stuhl; Nasenabstrich bei V.a.
Exposition.
Entnahme der Abstriche mit feuchtem Tupfer unter deutlichem Druck und
Drehen
des Tupfers, Kontaktdauer wenigstens 10-15 Sekunden. Prävention,
Therapie,
Meldepflicht Präventionsmaßnahmen
sind
eine
Vermeidung der Exposition
(z.B. Reduktion von tierischen Erkrankungen) sowie Immunisierung
(BIOTHRAX®:
Emergent BioDefense Corporation, Lansing, Michigan, USA; www.emergentbiosolutions.com).
Nach
Exposition
Chemoprophylaxe mit 2x500 mg/d Ciprofloxacin (CIPROBAY
u.a.) bis
zu 60 Tage (überlebende Sporen in den Makrophagen!) plus
Immunisierung. Bei
schwerem Verlauf erfolgt die Therapie mit Ciprofloxacin i.v. in
Kombination mit
einer weiteren Substanz wie Ampicillin (AMPICILLIN RATIOPHARM u.a.),
Penicillin
G (PENICILLIN GRÜNENTHAL u.a.), Meropenem (MERONEM), Rifampicin
(EREMFAT u.a.)
oder Vancomycin (VANCO-SAAR u.a.). Die Therapie soll über 60 Tage
durchgeführt
werden mit Adjustierung der Antibiotika an den klinischen Verlauf.
Zusätzlich
bei inhalativem Anthrax evtl. Gabe eines monoklonalen Antikörpers.4
Bei kutanem Anthrax Ciprofloxacin oder Doxycyclin für 7-10 Tage,
wenn Penicillin
G als wirksam getestet wurde, kann auch dieses verabreicht werden.5
Therapie
bei Kindern (<40kg) 3x15mg/kg KG/Tag Amoxicillin
(AMOXIHEXAL
u.a.).6 Namentliche
Meldepflicht bei Verdacht, Erkrankung, Tod sowie bei Nachweis in der
Kultur
(§§6, 7 IfSG). J
Clin Microbiol 1998; 36: 3412-3414 Eur J
Clin Microbiol Infect Dis 2002; 21: 258-261
3.
PETERS, C.J., HARTLEY, D.M.
N
Engl J Med 2009; 361: 135-144
Emerg
Infect
Dis
2008; 14: pii: 07-0969
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