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Nichttuberkulöse
Mykobakterien
(NTM,
MOTT =
mycobacteria other than tuberculosis)
Taxonomie,
Morphologie
und
Kultur Mycobacterium ist
die einzige Gattung der Familie Mycobacteriaceae.
Insgesamt sind über 130 verschiedene Spezies beschrieben, neben
dem MTB-Komplex
werden zwei große Gruppen unterschieden: schnell wachsende
(Kolonien auf festem
Medium innerhalb sieben Tage) und langsam wachsende Arten, welche sich
auch in
der Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika unterscheiden. Ein
weiteres Merkmal
ist bei einigen Spezies die Pigmentbildung. Der Zellwandaufbau
entspricht dem
grampositiver Bakterien, jedoch mit einem zusätzlichen hohen
Lipidanteil mit
charakteristischen Mykolsäuren. Der Begriff „säurefest“
beruht darauf, dass
sich gefärbte Zellen mittels eines Gemisches aus Säure und
Alkohol nicht
entfärben lassen. Zur Kultur von Mykobakterien sind besondere
Medien
erforderlich. Epidemiologie Mykobakterien
sind
weltweit
verbreitet, viele Arten stammen
aus der Umwelt wie Wasser (besonders schnellwachsende Arten), Boden
(z.B.
Pflanzenerde) oder Pflanzen, befinden sich aber auch in Schmieröl.
In der
Umwelt Bildung von Biofilmen oder Assoziation mit Amoeben. Pathogenese,
Krankheitsbild Die
Mehrzahl der NTM ist für den Menschen nicht pathogen,
opportunistische
Infektionen bei entsprechend disponierten Patienten sind möglich.
Langsam
wachsende Arten verursachen häufig Infektionen der Lunge und der
Lymphknoten,
schnell wachsende dagegen Infektionen der Haut, Knochen und Gelenke.
Die Klinik
pulmonaler Infektionen bei HIV-negativen Patienten kann von Infektionen
durch Mycobacterium tuberculosis nicht
unterschieden werden. Betroffen sind überwiegend Patienten mit
Vorerkrankungen
der Lunge. Bei Patienten mit HIV-Infektion ist die Progression der
Erkrankung
sehr viel schneller. Häufige Symptome sind Husten, Fieber,
Gewichtsverlust bei
fehlenden radiologischen Zeichen bzw. dem Nachweis
vergrößerter mediastinaler
und hiliärer Lymphknoten. Wichtige Erreger sind M.avium,
M.intracellulare
(M.avium-Komplex), M.xenopi, M.malmoense, M.kansasii,
bei Patienten mit zystischer Fibrose M.abscessus.
Ein schmerzloser Befall der zervikalen Lymphknoten (meist unilateral)
wird bei
Kindern gefunden (M.scrofulaceum, M.avium,
M.malmoense). Eine
Infektion der Haut oder der Weichgewebe ist durch granulomatöse
Läsionen gekennzeichnet. Die ableitenden Lymphknoten können
ebenfalls beteiligt
sein, es entwickeln sich Ulzerationen und eine Zellulitis bis hin zur
kutanen
Dissemination. Bekannteste Ursache ist M.marinum
(Aquarium, Kontakt zu Fischen), andere Arten sind M.fortuitum
oder M.chelonae.
In Afrika und Australien verursacht M.ulcerans
das so genannte Buruli-Ulkus, welches durch schmerzlose Läsionen
der
Extremitäten mit großen nekrotisierenden Ulzerationen
charakterisiert ist.
Andere Erreger kutaner Infektionen sind M.haemophilum,
posttraumatisch oder postoperativ M.fortuitum
und andere Arten. Infektionen
der
Knochen
und Gelenke entstehen häufig
posttraumatisch oder nach chirurgischen Eingriffen. Disponierende
Faktoren sind
Gelenkrheumatismus und Steroidtherapie. Eine Reihe von
Mykobakterienarten wie M.haemophilum, M.kansasii
oder M.avium-Komplex
wurde bei diesem Krankheitskomplex nachgewiesen. Disseminierte
Infektionen
treten in erster Linie bei Patienten mit schwerer Immunsuppression
(z.B. bei Patienten
mit HIV-Infektion und weniger als 100 CD4-positiven Zellen pro µl
Blut oder
nach Organtransplantationen) auf. Ausgangspunkte sind der Respirations-
oder
der Gastrointestinaltrakt. Zu den typischen Symptomen zählen hohes
Fieber,
Diarrhö, Gewichtsverlust, abdominale Schmerzen,
Schweißausbrüche, Anämie,
Hepato- und/oder Splenomegalie. Eine
weitere Infektionsquelle besonders bei
antineoplastischer Therapie kann ein infizierter Katheter oder eine
Therapie
mit monoklonalen Antikörpern gegen IFN-g sein.1
Durch M.immunogenum in Schmieröl kann
eine Pneumonitis auf der Basis einer Hypersensitivität
hervorgerufen werden. M.mucogenicum kann Ursache
folgender
Infektionen sein: Peritonitis bei Peritonealdialyse,
Katheter-assoziierte
Infektionen, sowie Infektionen des Respirationstraktes und der Haut und
Weichgewebe. Diagnostik Eine
gezielte Untersuchung auf Mykobakterien ist notwendig,
wobei ein Hinweis auf die Differentialdiagnose „NTM“ für das Labor
hilfreich
sein kann (Temperaturoptimum beachten, z.B. M.marinum
oder M.ulcerans 32°C; Wachstum von M.haemophilum
nur bei Zugabe von Blut in
die Medien). Prävention,
Therapie,
Meldepflicht Eine
gezielte Prävention ist durch das ubiquitäre Vorkommen
von NTM nicht möglich. Die Therapie von manifesten Infektionen
richtet sich
nach der Spezies sowie dem Ausfall der Empfindlichkeitsprüfung des
Isolats. Zum
Einsatz kommen (meist in unterschiedlichen Kombinationen) u.a. Rifampicin
(RMP;
EREMFAT
u.a.),
Streptomycin (SM; Strepto-Fatol
u.a.), Clarithromycin (KLACID u.a.),2 Moxifloxacin (AVALOX),3
Levofloxacin (TAVANIC),4 Linezolid (ZYVOXID),5
Amikacin
(AMIKACIN FRESENIUS)6 oder Imipenem (ZIENAM).7 Die
Therapie bei kindlicher zervikaler
Mykobakteriose sowie beim Buruli-Ulkus besteht in der Exzision.8 Es besteht keine Meldepflicht. Mod Rheumatol 2005; 15: 62 - 64
Antimicrob
Agents Chemother 2010; 54: 2534 - 2539
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